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Die Schauspieler-Verschwörung

Die Schauspieler-Verschwörung

Seit Beginn der Corona-Krise vor über einem Jahr werden ständig neue Wörter geprägt, die es vor Corona so nicht gegeben hat. Die aktuellen Höhepunkte dürften sicherlich unter anderem „Bundesausgangssperre“ bzw. „Bundesnotbremse“ sein.

Dann machte das Wort „Schauspielerverschwörung“ die Runde. Was war passiert? 53 Schauspieler hatten sich zusammengeschlossen und 53 kurze Videos (je ca. eine Minute lang) auf YouTube hochgeladen und die Regierung mit dem Motto #allesdichtmachen für deren Corona-Maßnahmen zu Tode gelobt.

Doch Ironie und Sarkasmus kommen in Deutschland mitunter nicht so gut an und gehören wohl zu den Dingen, die nicht unbedingt verstanden werden. Einige der Schauspieler zogen ihre Videos wieder zurück, weil sie oder Familienangehörige bedroht wurden.

Zu Wort meldete sich der Regisseur Dietrich Brüggemann, einer der Macher dieser Aktion, der auch bei einigen Videos Regie geführt hatte. Er nahm auf Twitter zu den Vorwürfen Stellung, die sich gegen die Schauspieler und deren Aktion richtete. Er fasste kurz zusammen, was in Deutschland los ist.

„Es hat eingeschlagen. An alle, die jetzt von ‚Verhöhnung‘ schwurbeln: Ich schwurble jetzt auch mal. Ihr verhöhnt die Opfer. Ihr trampelt auf denen herum, die jetzt selbstmordgefährdet sind. Ihr spuckt auf all die, die ihre Existenz verloren haben. Ihr macht euch lustig über das Leid derer, die in ärmeren Schichten und ärmeren Ländern über die Klinge springen, die ihr ihnen hinhaltet. Ihr seid zynisch und menschenverachtend.

Es macht Spaß, so herumzupöbeln, stimmt’s? Wollen wir trotzdem mal damit aufhören? Ja? Gut.

Oder nein, wir können auch noch ein bißchen weitermachen. Euch ist ja immer ‚übel’ und ihr ‚kotzt’ auch gern. Wißt ihr was? Mir ist auch übel. Und zwar wegen euch. Ihr seid ein Teil des Schlimmsten, was die Menschheit hervorgebracht hat: Ihr seid ein Lynchmob. Ganz einfach. So, genug gepöbelt.

Ich könnte jetzt die üblichen Distanzierungsfloskeln von mir geben, aber vorher schlafe ich vor Langeweile ein. Nazis sind Nazis und Selbstverständlichkeiten sind selbstverständlich. Und was auch selbstverständlich sein sollte: Wenn Kritik an Corona-Politik ‚rechts’ ist, dann ist meine linke Hand auch rechts.

Ja klar habe ich Respekt vor allen Ärzten und Pflegern. Ich habe auch Respekt vor all denen im Lande, die im Eimer sind und nicht mehr weiterwissen. Und jetzt möge mir mal einer erklären, warum das eine zwingend das andere erfordert. Und warum unsere ganze Gesellschaft in einer Art Kriegszustand sein muss, in der die gesamte Zivilgesellschaft strammzustehen hat und nichts anderes mehr wichtig ist als der Kampf gegen den einen, maximalen Feind. Und wer fragt, ob dieser Feind wirklich so maximal ist und ob man den vielleicht auch mit anderen, zivilen Mitteln bekämpfen könnte, der ist ein Leugner und Volksfeind und muß an die Laterne gehängt werden.

Ihr merkt gar nicht, was für Reflexen ihr hier nachgebt, aber das ist Teil des Problems. An einer Medienelite, die den immer härteren Lockdown fordert und jeden Kritiker mit Verweis auf volle Intensivstationen zum Abschuss freigibt, gibt es jede Menge zu kritisieren. Und dieser Shitstorm kommentiert sich ohnehin selbst. Hat euch Tod und Sterben jemals interessiert? War es euch bisher egal, dass um euch herum jeden Tag Menschen aus vermeidbaren Gründen gestorben sind? Aber auf einmal gibt es für euch nur noch dieses Thema?

Keins von diesen Videos handelt von der Pandemie. Aber sie ziehen das hohle Pathos durch den Kakao, mit dem wir uns seit einem Jahr konfrontiert sehen. Sie kritisieren die Gnadenlosigkeit, mit der alles, das jetzt den Bach heruntergeht, als zweitrangig abgetan wird. Sie hinterfragen die Geschichten, die eine Gesellschaft sich selbst erzählt. Und wenn diese Gesellschaft (oder die 1%, die auf Twitter sind) dann derart überschäumend reagiert, dann war das Ganze offenbar notwendig. Ende.“

Eine der Schauspielerinnen, die an der Aktion teilgenommen hat, ist Meret Becker. In ihrem Video führt sie aus, dass das Leben während der Corona-Krise so viel schöner ist als vor Corona, dass es toll ist, allein zu Hause mit Maske zu sitzen und sich des Lebens zu erfreuen.

Sie zog das Video zurück, nachdem sie Morddrohungen erhielt, wie ihr Bruder, der Schauspieler Ben Becker, berichtete. Er fragte, was „eigentlich aus dem Land geworden“ sei.

Auf Twitter antwortete ihm Emma Richter.

„Die 50 Schauspieler und der Regisseur Brüggemann machen gerade die unangenehme Erfahrung, dass Meinungsfreiheit in 2021 nur noch für die ‚richtige Meinung’ gilt. So kann man sich zwar als Andersdenkender gerade noch äußern, nicht aber ohne krasse Konsequenzen für Beruf, Privatleben und gesellschaftliche Existenz.

Dabei ist es relativ egal, ob es um die Coronakrise, die Asylfrage, das Klima oder irgendein anderes Thema mit politischer und gesellschaftlicher Bedeutung geht.

Dahin sind wir auf einem ganz einfachen Weg gekommen: Wir haben zugelassen, dass (um einmal eine grüne Formulierung zu nutzen) die ‚falschen’ Menschen in Medien, Politik, Behörden und staatlichen Institutionen Lenkungsmacht erlangt haben. Und davon viele. Journalisten mit aktivistischer Agenda statt des Anliegens neutral und umfassend aufzuklären.

Wir lassen sie gewähren und alimentieren sie großzügig mittels Haushaltsabgabe. Politiker, von Bund bis Kommune, deren Vorhaben mindestens eine umfassende Systemänderung ist und die Aktivisten in ihrem Sinne mit Steuergeld versorgen. Wir haben sie gewählt.

Lehrer, die ihre Position nutzen, um Kinder von klein auf, auf die ‚richtige Linie’ zu bringen. statt sie zu selbstständig denkenden, kritischen Menschen zu erziehen. Und nicht zuletzt eine Kultur- und Medienszene, bei der „Cancel Culture“ (früher sagte man Scheiterhaufen dazu) zum guten Ton gehört.

Man fand über die Jahre nichts dabei, die Menschen mit ‚falschen’ Meinungen in die rechte Ecke zu stellen und öffentlich zu diffamieren. Der Ton wurde immer schärfer, die Toleranz zog sich zurück.

Nicht so schlimm, es traf ja die, die es nicht besser verdienten für ihr vermeintlich rückständiges Gesellschaftsbild oder ihre Kritik an unguten polit-medialen Verflechtungen.

Jetzt machen plötzlich auch Menschen, die das nie für möglich gehalten hätten (man gehört doch zu den Guten! Den ‚Richtigen’!), die unangenehme Erfahrung, was wir zugelassen haben: Eine intolerante, rücksichtslose Haltungselite in Politik und Medien. Die den Sieg der Grünen im September 2021 auf Teufel komm raus, herbei schreibt, weil deren politische Führung den nächsten Schritt ermöglicht. Die alle abweichenden Meinungen cancelt (Scheiterhaufen) und dafür sorgt, dass jeder sich zukünftig dreimal überlegt, ob eine Äußerung der eigenen Meinung Morddrohungen gegen die Familie und den persönlichen Ruin wert sind oder man lieber schweigt.

Bestrafe 50, erziehe viele. Willkommen im neuen Deutschland, Ben.“

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