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Corona und die Armen

Corona und die Armen

Die Schere zwischen Arm und Reich klaffte in Thailand schon immer stark auseinander. Aber Corona hat die Unterschiede zwischen Leuten mit viel Geld und den Unterprivilegierten noch deutlicher gemacht, schreibt die Journalistin Paritta Wangkiat.

Die Nachfrage nach medizinischen Dienstleistungen und Krankenhausbetten ist in der dritten Corona-Welle stark angestiegen. Der sogenannte Thong-Lo-Cluster wurde zum Epizentrum der Infektion, weil Menschen der „oberen Zehntausend“ Unterhaltungsbetriebe in dem Bangkoker Viertel besuchten und sich gegenseitig infiziert hatten. Als kurz danach die Sonkran-Feiertage anstanden, wurde das Virus von den Bangkokern in jeden Winkel des Landes getragen.

Auf der einen Seite erleben wir die Notlage der einfachen Leute, der Arbeiterklasse, die in diesen schwierigen Zeiten Probleme haben, Zugang zum Gesundheitssystem zu erhalten. Eine sechsköpfige Familie im Bangkoker Stadtteil Bang Kho Laem wurde krank, nachdem sich ein Mitglied mit dem Virus infiziert hatte. Aber man kann ihnen keinen Vorwurf machen. Ihre Lebensbedingungen erlauben keine soziale Distanzierung. Drei jüngere Familienmitglieder wurden in ein staatliches Krankenhaus eingeliefert. Im Haus blieben eine über 80-jährige Seniorin mit ihren beiden Geschwistern Ende 70. Die Nachbarn versuchten zu helfen, aber alle Krankenhäuser wollten sie nicht aufnehmen.

Da sie keine Hilfe erhielt, starb die älteste Seniorin schließlich im Haus an Covid-19.

Diese Tragödie wäre nicht ans Licht gekommen, wenn der Nachbar kein Video der verzweifelten Familie in den sozialen Medien veröffentlicht hätte. Kurz nachdem der Clip viral geworden war, schickte die Gesundheitsbehörde einen Krankenwagen, um die beiden Überlebenden aufzunehmen und die Verstorbene abzuholen.

Es muss eine Fülle solcher unbeschreiblich traurigen Geschichten geben. Das ist geradezu eine Schande für Thailand, das internationale Anerkennung für seine Leistungen in der allgemeinen Krankenversicherung (30-Baht-Versicherung) und wegen seines eigentlich gut funktionierenden Gesundheitssystems erlangt hat.

Auf der anderen Seite haben wir gesehen, wie die Reichen (und Prominenten) ihre Kontakte nutzen, um medizinische Versorgung zu erhalten.

Ein Komiker, Arkom Preedakul alias Khom Chuan Chuen, soll an Covid-19 erkrankt sein. Während seines Aufenthalts im privat geführten Vibharam Hospital verschlechterte sich sein Zustand durch eine schwere Lungenentzündung und akutes Nierenversagen. Seine Familie berichtete in den Medien über den Kampf des Schauspielers mit der Krankheit und bat Experten um Hilfe.

Schnell wurde Arkom ins Ramadhibodi Chakri Naruebodindra Hospital verlegt, eine Universitätsklinik mit besseren Geräten und modernerer Ausrüstung. Während ich diesen Artikel schreibe, befindet sich der 63-Jährige Berichten zufolge in einem kritischen Zustand. Ich hoffe auf seine Genesung. Doch gleichzeitig zeigt sein Fall, dass Kontakte der Schlüssel sind, um das zu bekommen, was man braucht.

Seine Geschichte hätte keine Debatte ausgelöst, wenn sein Freund, der bekannte Geschäftsmann Vinij Lertrattanachai, sie nicht auf seinem Instagram-Account geteilt hätte und dem stellvertretenden Gesundheitsminister Sathit Pitutecha für die Ermöglichung des Krankenhaustransfers von Arkom gedankt hätte. Der Beitrag wurde gelöscht, nachdem von Internetnutzern scharfe Kritik erfolgt war.

Der Direktor des Vibharam-Krankenhauses, Paiboon Eksaengsri, dementierte, dass in diesem Fall Kontakte eine Rolle gespielt hätten, um die wütende Öffentlichkeit zu besänftigen. Er erklärte, dass der routinemäßige Hospitaltransfer vom Krankenhauspersonal durchgeführt wurde.

Trotz Paiboons Dementi sind viele Menschen immer noch wütend. Nicht auf den Schauspieler, sondern auf das System, das manche Leben als kostbarer ansieht als andere. Sie sind nicht sauer auf den Komiker und seine Familie. Vielmehr ist es das System, das sie verabscheuen. Arme Menschen werden im Regen stehen gelassen, während die Reichen alles haben können.

Der Groll hat sich angestaut, weil eine Handvoll Privilegierter schon seit Beginn der Corona-Krise so gar keine Konsequenzen zu befürchten hatten, obwohl sie für Infektionscluster verantwortlich gemacht worden waren.

Erinnern Sie sich nur daran, dass die erste Corona-Welle von einem Cluster im Zusammenhang mit dem Boxstadion der Armee ausging, das im März letzten Jahres gegen das Verbot von Sportveranstaltungen verstieß.

Die zweite Welle im Dezember 2020 brach in Samut Sakhon unter Migrantenarbeitern aus, die mittels einem Netzwerk von Menschenschmugglern nach Thailand gebracht worden waren. Dieses Netzwerk ist von hochrangigen Beamten unterstützt worden. So ähnlich war es auch bei der Geschichte um die vielen Infektionen in den Spielhöllen in Rayong und anderen Provinzen.

Ich muss nicht wiederholen, wer an der dritten Welle beteiligt war. Es ist offensichtlich, dass die exklusiven Clubs gegen das Gesetz verstoßen hatten, genauer gesagt gegen das Notfalldekret, das eine vorzeitige Schließung fordert. Außerdem hatten einige der Clubs keine ordnungsgemäße Lizenz. Hätten die Betreiber keine Kontakte gehabt, würde es diese Clubs gar nicht geben bzw. hätten nicht gewagt, gegen Gesetze zu verstoßen.

Vielleicht hat der Krankenhaustransfer von Arkom nichts mit persönlichen Beziehungen zu tun, wie es der Krankenhausdirektor betont hat, und der Transfer war angesichts seiner kritischen Situation unvermeidlich. Aber nur durch Zauberei hätten Menschen mit einem niedrigeren sozialen Status Zugang zu einer solchen Dienstleistung.

Post source : https://www.bangkokpost.com/opinion/opinion/2105399/poor-left-out-while-rich-get-priority

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