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Die Film- und Serienkritik

Die Film- und Serienkritik

Ein verborgenes Leben (USA 2019)

Der neueste Film von Terrence Malick spielt in den 1940er Jahren. Es geht um den Österreicher Franz Jägerstätter, der mit Frau und Töchtern in den Alpen einen kleinen Hof bewirtschaftet. Als er von der deutschen Wehrmacht eingezogen wird, weigert er sich, einen Schwur auf Hitler zu leisten – mit den entsprechenden Konsequenzen.

„Ein verborgenes Leben“ enthält alle Elemente, die einen Film von Terrence Malick ausmachen.

Die Steadicam ist im Dauereinsatz, Protagonisten gehen vor der Kamera her, diese immer dicht hinter ihnen. So dicht, dass ausschließlich extreme Weitwinkelobjektive zum Einsatz kommen, um dennoch einen großen Bildausschnitt zu erhalten. Häufig sind atemberaubende Landschaftsaufnahmen zu sehen – und immer wieder die Sonne und Sonnenstrahlen. Manchmal auch Bäche und Flüsse. Da der Film in den Bergen spielt, sieht man die von Malick so oft gefilmte See hier nicht.

Der Soundtrack von James Newton Howard lullt einen ein, während Kameramann Jörg Widmer die Protagonisten verfolgt, um sie herum wirbelt und ein Jump Cut auf den nächsten folgt. Auf diese Jump Cuts kann man warten, und wenn man diese von Jean-Luc Godard erfundene Schnitttechnik mag, dann ist „Ein verborgenes Leben“ das Paradies. Drei Jahre lang hat Malick den Film geschnitten.

Für einen Malick-Film gibt es erstaunlich viele Dialoge, was aber nicht heißt, dass sein Markenzeichen „Stimme aus dem Off“ zu kurz kommt. In der Originalversion sprechen alle mit einem lustigen Akzent, weil ausschließlich deutsche und österreichische Schauspieler mitspielen. Die weniger prägnanten Sätze von Nebendarstellern sind auf Deutsch, nur die Hauptfiguren sprechen Englisch.

Um das alles ein wenig abzukürzen: Wer Terrence Malick mag, kommt hier voll auf seine Kosten. Wer mit ihm nichts anfangen kann, wird den Film sowieso nicht sehen. Für Leute, die Malick noch nicht kennen, dürfte die typische Malick-Erzähltechnik eine ganz neue Filmerfahrung sein.

Die Sopranos (USA 1999-2007)

Neue Filme und Serien gibt es kaum noch. Wenn doch, dann meist Schrott, um es einmal salopp zu formulieren. Erst in ein paar Jahren wird man wirklich erkennen können, welche Lücke Corona in den Kulturbetrieb und damit auch in die Filmkunst gerissen hat. Es ist einfach schrecklich. Nicht nur der Unterhaltung wegen, sondern eben auch wegen der Kunst, die nun eine Zwangspause einlegt. Ich will gar nicht daran denken, wie viele Arbeitsplätze dem Wahnsinn schon zum Opfer gefallen sind.

Dafür hat man allerdings Zeit, sich alte Serien (noch) einmal anzusehen, insbesondere solche, die als Meilenstein der Filmgeschichte angesehen werden.

Ganz oben auf der Liste steht die Mafiaserie „Die Sopranos“, die zwischen 1999 und 2006 bei HBO lief.

Tatsächlich gehört die Serie zu denen, die den Weg für andere wichtige Serien ebnete wie beispielsweise „Breaking Bad“.

Es geht um einen Mafiaboss, der offiziell im Müllabfuhrgeschäft tätig ist. Inoffiziell macht er, was Mitglieder der Mafia eben so machen: er erpresst, er unterbreitet Angebote, die nicht abgelehnt werden können, er zieht andere über den Tisch oder tötet Menschen, wenn sie nicht das machen, was er will.

Diese typische Mafia-Geschichte ist aber viel mehr als eine Geschichte über die Mafia. Weil auch die Familienmitglieder einbezogen werden, kommentiert diese Serie sehr deutlichen das moderne Amerika und den American Way of Life.

James Gandolfini, der das Familienoberhaupt Tony Soprano spielt, brilliert in seiner Rolle. Er spielt einen Mann, der in einer Midlife Crisis steckt, den Sinn des Lebens hinterfragt. Er versteht weder Menschlichkeit noch Gewalt noch wahre Liebe. Da er mit seinen Zweifeln nicht fertig wird, sucht er regelmäßig eine Psychiaterin auf. Durch diesen dramaturgischen Kniff zeigt sich, dass das brutale Mafia-Monster Tony Soprano eigentlich ein herzensguter Mensch ist.

Tony Soprano ist ein wahrer Antiheld, der beim Zuschauer allerdings gegensätzliche Gefühle auslöst. Ich konnte mich nie mit ihm identifizieren, und daher kam die Serie bei mir nie richtig an. Viel mehr interessierten mich Nebenfiguren wie beispielsweise Tony Sopranos rechte Hand, Silvio (Sil), gespielt von Steven Van Zandt.

Wenn man die Serie hintereinander sieht, erkennt man auch die dramaturgischen Muster, die auf Dauer immer ähnlich ablaufen. In jeder Staffel wird ein neuer Mitarbeiter von Tony eingeführt oder ein neuer Gegenspieler oder ein neuer Liebhaber seiner Schwester. Wenn man dieses Muster durchschaut, ist es auf Dauer doch etwas ermüdend.

Post source : JC

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