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Endgültiges Aus für Thailands Vollmondpartys?

Endgültiges Aus für Thailands Vollmondpartys?

An einem Vollmond-Samstag sinkt die Sonne langsam hinter den Horizont, doch in Haad Rin, der Heimat von Koh Phangans legendärer Vollmondparty, sind Feierlichkeiten eine Mangelware.

Die leergefegten Straßen dieser kleinen Ortschaft könnten die Vorlage einer Studie sein, wie eine Stadt aussieht, wenn ihr eine anhaltende globale Pandemie grausam zusetzt. So wie in Haad Rin sieht es auch in Pattaya aus, in Hua Hin, in Patong auf Phuket oder in Chaweng auf Koh Samui.

Schäbige Läden, die billige Thai-Massagen anbieten oder für Bambus-Tattoos werben, sind geschlossen, und ihre Türen sind mit schweren Ketten verhängt.

In einer typischen Vollmondnacht vor Corona waren die Bars am Strand von Haad Rin auf dieser kleinen Insel bereits voll mit Partygästen, die den Sonnenuntergang in Erwartung einer langen Nacht voller Beats und starken Cocktails in Eimern genießen wollten: Ballermann Thai Style.

Obwohl Quarantänebeschränkungen die meisten internationalen Reisenden von Thailand fernhalten, gibt es ein unerschütterliches Lebenszeichen im Tommy Resort, einer Pension, die seit 1980 Rucksacktouristen beherbergt. An einem großen Tisch im Hauptbarbereich sitzt eine Gruppe einheimischer Männer. Sie schenken sich Whisky ein und trinken einen auf die weltweiten Impfbemühungen und die baldige Rückkehr der Vollmondpartys – dem wichtigsten Besuchermagneten der Insel.

„Wir hoffen, dass die Vollmondpartys im Sommer wieder fortgesetzt werden“, sagt einer von ihnen.

Die Männer, alle Eigentümer von vom Tourismus abhängigen Unternehmen wie Hotels, Bars, Restaurants oder Reisebüros, haben ein starkes Interesse an einer erfolgreichen Wiederbelebung von Thailands berühmtester Partymeile.

Sie sind Mitglieder des Geschäftsverbandes Haad Rin, den derzeitigen Verwalter einer Veranstaltung, die sich von ihren Anfängen in den 1980er Jahren als bescheidener Hippie-Strand zu einem Phänomen entwickelt hat, das vor Corona regelmäßig bis zu 30.000 Besucher anzog, die jeden Monat im puderweichen Sand feierten.

Das Wachstum der Vollmondparty war nicht ohne Probleme, doch das Credo blieb: harmloser Spaß in tropisch-paradiesischer Umgebung.

Trotzdem gab es in Bezug auf die Veranstaltung immer wieder schlechte Presse. Kritiker haben reale und wahrgenommene Gefahren durch Drogen, Alkoholmissbrauch und Kleinkriminalität sowie schlechtes Verhalten der Nachtschwärmer hervorgehoben. Sogar das sonst so zurückhaltende deutsche Auswärtige Amt warnt in seinen Reisehinweisen vor – wie es dort heißt – „Mondscheinpartys“.

 

Ruhig und nachhaltig

Während Corona den Globus erfasste, befahlen die lokalen Behörden in der Provinz Surat Thani, die auch für Koh Phangan zuständig ist, die Partys im März 2020 zu beenden. Die darauf folgende Pause von jetzt mehr als einem Jahr hat zu vielen Überlegungen und Spekulation geführt.

Einige Insulaner plädieren für eine nachhaltigere, besser regulierte und ruhigere Veranstaltung, die weniger Potential für negative Assoziationen hätte. Andere sind dafür, den Goldesel zu schlachten und auf diese Weise den Weg für andere Spielarten des Tourismus in Haad Rin zu ebnen.

Was die Whisky trinkenden Verbandsmitglieder betrifft, scheinen Gerüchte über den bevorstehenden Tod der Vollmondparty jedoch verfrüht zu sein. Die Party zog mehr als die Hälfte der mehr als eine Million Besucher an, die vor Corona jedes Jahr nach Koh Phangan gekommen sind.

Von ihr hängen daher Tausende von Arbeitsplätzen und kleine Unternehmen ab. Angesichts des wirtschaftlichen Aufschwungs, den ein so verlässlicher Zustrom von Besuchern mit sich bringt, ist es kein Wunder, dass sich viele verzweifelt nach einer Rückkehr zum normalen Geschäftsbetrieb sehnen.

„Sie (die Pause) war für viele Menschen auf Koh Phangan ein schrecklicher Schlag“, sagt Pi Noi, der Besitzer des Tommy Resort.

„Bei der letzten Veranstaltung vor der Pandemie im Februar waren 20.000 Menschen auf der Party. Die Abwesenheit von Gästen hat sich auf alle ausgewirkt, von Geschäftsinhabern über Lebensmittelverkäufer bis hin zu Migrantenarbeitern und Taxifahrern. Wir akzeptieren konstruktive Kritik, aber es gibt keinen Grund, warum die Vollmondparty nicht zurückkehren sollte, wenn sich das Land für den Tourismus wieder öffnet.“

Die Gruppe erwähnte mehrere Bereiche, in denen sie sich weiterentwickeln möchte. Sie akzeptiert die Notwendigkeit, Masken zu tragen und sich sozial zu distanzieren: zumindest bis es endgültig vorbei ist mit Corona. Die Männer hoffen auch, eine größere Vielfalt von Unternehmen höherer Qualität nach Haad Rin zu locken, um die Massage- und Tattoo-Salons und altmodischen Souvenirläden zu ersetzen, von denen viele sowieso dauerhaft geschlossen sind.

Beobachter wie der berühmte britische DJ Graham Gold, der seit langem auf Koh Phangan lebt, wünschen sich eine drastischere Überarbeitung der Vollmondparty.

„Vor einigen Jahren habe ich drei Monate lang mit einem Mann namens Aaron Fevah (einem anderen britischen DJ aus Koh Phangan) zusammengearbeitet, um über die Vollmondparty nachzudenken“, sagt der aus London stammende Gold.

„Wir haben uns überlegt, wie es mit angemessenen Sicherheits-, Produktions- und Soundsystemen, die Festivals auf der ganzen Welt wie Tomorrowland und Creamfields entsprechen, verbessert und sicherer gemacht werden kann. Wir haben dem Geschäftsverband Haad Rin ein 35-seitiges Dokument vorgelegt, wie das umgesetzt werden kann. Das wäre dann ein Weltklasse-Event. Aber ein solcher Plan erfordert hohe Investitionen.

Die Vollmondparty ist von ihren Anfängen als Hippie-Strand mit Gitarren und ein paar Lagerfeuern ziemlich organisch gewachsen, und viele Einheimische wurden ohne wirkliche Investition sehr reich. Warum also jetzt damit anfangen? Sie glauben – und wahrscheinlich zu Recht – dass die Leute immer nach Koh Phangan kommen werden, um an der Party teilzunehmen.“

Mehr als nur Party

Während in Haad Rin (zumindest vorerst) eine „gleiche, aber nur geringfügig andere“ Haltung zu herrschen scheint, hat Koh Phangan als Ganzes in jüngster Zeit eine mehr nuancierte Entwicklung erlebt.

Die Party tendierte in der Vergangenheit dazu, die gesamte Insel zu definieren, wobei viele sie als wildes Kind betrachten, insbesondere im Vergleich zu thailändischen Hochglanz-Touristenzielen wie Phuket oder Koh Samui.

Eine glückselige, gegenkulturfreundliche Atmosphäre bleibt bestehen. Aber die Insel hat ihre Attraktivität über Rucksacktouristen hinaus erweitert, um ein anderes Publikum anzulocken. Vermögende Urlauber, Familien, Yogis, die von einer lebhaften Wellness-Community im Dorf Sri Thanu angezogen werden, Digitalnomaden und Bangkoker, die Zuflucht vor dem Stadtleben suchen.

„Das Bild der Insel, das von der Vollmondparty präsentiert wird, ist beeindruckend“, gibt der auf der Insel lebende Autor Brian Gruber zu. Er ist einer der Administratoren der Facebook-Seite Koh Phangan Conscious Community, einem Online-Hub für inselrelevante Ereignisse und Informationen sowie Diskussion mit über 50.000 aktiven Mitgliedern.

„Aber ich denke, die Botschaft, dass Koh Phangan weit mehr zu bieten hat als die Party, schon seit einiger Zeit die Runde macht.“

Der durch die Pandemie verursachte wirtschaftliche Schaden war natürlich für viele Menschen akut. Aber in gewisser Weise scheint Koh Phangan nicht nur zu überleben, sondern auch zu gedeihen.

Veranstaltungsorte wie Sati Pot, ein persisches Restaurant, um nur ein Beispiel zu nennen, freut sich täglich über Kundschaft. Es gibt Kunstausstellungen, Jazz-Poesie-Abende und natürlich auch ekstatische Tanzveranstaltungen.

Der Ruf der Insel, eine Killerparty zu veranstalten, reicht weit über Haad Rin hinaus. Beliebte Attraktionen wie Eden, Guy’s Bar und Lost Paradise sorgen dafür, dass Nachtschwärmer – eine Mischung aus einheimischen Reisenden und Inselbewohnern – ab der Abenddämmerung bis weit nach Morgendämmerung Unterhaltung finden können.

Forward Phangan, ein Kollektiv von Freiwilligen, das Einwohner, lokale Unternehmen und Organisationen vertritt, arbeitet auf das gemeinsame Ziel zu, das Leben auf der Insel für Insulaner und Besucher gleichermaßen zu verbessern. Es überrascht nicht, dass die Vollmondparty in letzter Zeit ein wichtiges Gesprächsthema war.

Für Forward-Phangan-Mitglied Jakkra Brande liegt der Schlüssel zu einer nachhaltigen Zukunft für die Vollmondparty und für Koh Phangan nicht in umfassenden Änderungen und Umbenennungen, sondern in der Wertschätzung dessen, was die Insel so besonders macht.

Der Bangkoker, dem Nira’s Bakery in Thong Sala, dem Haupthafen der Insel, gehört, kam 1984 als Siebenjähriger nach Koh Phangan. Noch immer erinnert er sich daran, von der natürlichen Pracht der Insel und dem herzlichen Empfang der Einheimischen überwältigt gewesen zu sein.

„Sich in etwas zu verwandeln, das wir nicht sind, ist falsch“, sagt er. „Wir müssen das verbessern, was wir hier bereits haben. Natürlich kann Haad Rin attraktiver gemacht werden. Wichtiger ist es, zu entdecken, was wir haben – die makellose Landschaft, die Freundlichkeit – und daran zu arbeiten, diese Aspekte zu bewahren, bevor das verschwindet.“

Zurück in Haad Rin ist die Sonne bereits untergegangen, aber die Versammlung dauert noch an. Die Männer heben ihre Gläser und stoßen nochmals an. Diesmal trinken sie auf einen abwesenden Freund, den sie hoffentlich bald wieder sehen werden.

„Die Leute haben versucht, die Vollmondparty anderswo nachzuahmen, aber niemand kann das“, sagt Pi Noi lächelnd. „Wir können es kaum erwarten, dass die Leute zur besten Strandparty der Welt zurückkehren.“

Post source : https://forum.thaivisa.com/topic/1211744-is-thailands-full-moon-party-over-for-good/

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