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Das deutsche Fiasko

Das deutsche Fiasko

Die Welt glaubt nach wie vor, Deutschland habe die Fähigkeit, Dinge effizient zu erledigen. Da wird Deutschland nicht oft genug gelobt. Pünktlichkeit und Effizienz: das sind für viele Ausländer die Grundlagen der deutschen Erfolgsgeschichte.

Aber inzwischen fragen sich Ausländer, die in Deutschland leben, und auch Deutsche selbst, was in Deutschland los ist. Die verpfuschte Impfstoff-Kampagne ist ein gutes Beispiel.

Made in Germany. Das ist nicht nur ein Schlagwort, denn der Pfizer/BioNTech-Impfstoff wurde in Deutschland erfunden, entwickelt und wird dort auch hergestellt. Warum also impft das vermeintlich effiziente Deutschland viel langsamer als viele andere Länder?

Deutsche Politiker beschuldigen die EU, an dem Fiasko schuld zu sein: An deren Spitze steht allerdings eine Deutsche, nämlich Frau von der Leyen, die in ihrer Heimat bereits die Bundeswehr ruiniert hat.

Das aber erklärt natürlich nicht, warum Deutschland die tatsächlich erhaltenen Impfstoffe nicht verimpfen konnte. Die eigentliche Antwort ist ein Thema, mit dem Ausländer in Deutschland vertraut sein werden: die inzwischen alltägliche deutsche Ineffizienz.

Neuankömmlinge neigen dazu, sich über die hartnäckige Weigerung der Deutschen zu beschweren, dafür zu sorgen, dass Dinge online erledigt werden können.

Vieles muss nach wie vor in bar bezahlt werden, denn nur Bares ist Wahres. Indes sind Geldautomaten manchmal meilenweit entfernt. Steuern und andere offizielle Dokumente müssen per Post oder sogar per Telefax verschickt werden. (Die älteren Leser werden sich vielleicht noch an Telefaxgeräte erinnern. In Deutschlang gehören sie noch zum Büroalltag, auch wenn das kaum zu glauben ist.) Von Großprojekten wie dem neuen Berliner Flughafen soll hier gar nicht erst die Rede sein.

Das Gesundheitssystem wird von manchen als kranker Witz angesehen: Oftmals muss man sich mit Ärzten auseinandersetzen, die einem fragwürdige homöopathische Mittel verschreiben wollen – ob man nun will oder nicht.

Überall in Deutschland scheint es Verschwendung zu geben: Papierverschwendung durch Briefe, Ressourcenverschwendung durch verschiedene Krankenkassen, die dasselbe Produkt anbieten (oder unendlich viele öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten, die dieselben Nachrichten zeigen), Zeitverschwendung durch veraltete Arbeitsmethoden, Software, und Verfahren.

Die Welt sieht Deutschland nach wie vor als Land der Effizienz. Wenn die Deutschen etwas machen, dann machen sie es richtig. Darüber gibt es auch Witze: Bauen sie ein Auto, wird es ein Mercedes oder BMW. Beginnen sie einen Krieg, wird es ein Weltkrieg.

Die deutschen gelten in der Welt als pünktlich und professionell, sie unterhalten sich selten bei der Arbeit und wehe, man bucht eine Zugfahrt weniger als eine Woche im Voraus. Sogar die beliebte Technomusik ist direkt auf den Punkt und hört sich irgendwie mechanisch an.

Welches ist das wahre Deutschland? Eine gut geölte Maschine oder ein langsamer bürokratischer Alptraum?

Es ist unbestreitbar, dass einige Bereiche Deutschlands wie das verarbeitende Gewerbe und die Technologie unglaublich gut funktionieren. Nicht nur BioNTech, sondern auch andere bekannte Unternehmen wie VW, Siemens und Audi zeigen, dass Made in Germany nach wie vor eine wertvolle Marke ist, die für die Herstellung hochwertiger und zuverlässiger Produkte bekannt ist. Daneben befindet sich das sogenannte Rückgrat der deutschen Wirtschaft: der Mittelstand, der hoch spezialisierte Produkte wie Waschmaschinenteile oder Orgeln herstellt.

Aber wenn es um die Dienstleistungsbranche oder Innovation geht, ist Deutschland rückschrittlich. Eine strenge Befolgung der Regeln mag bei der Fahrzeugtechnik gut funktionieren, aber wenn man Personen in die Gleichung einbezieht, geht diese Gleichung nicht immer auf. Das kennt jeder, der es einmal mit deutschen Beamten zu tun bekam. Wenn man es wagt, einen bestimmten Stempel zu vergessen oder einen falschen Termin im undurchschaubaren Bürokratiesystem zu vereinbaren, heißt es „Computer sagt nein“, und man kann noch einmal von vorne anfangen.

Leider scheint diese unflexible Mentalität auch die Einführung des Impfstoffs behindert zu haben. Während Deutschland beschloss, alle ordnungsgemäßen bürokratischen Verfahren der EU zu überlassen (ein riesiger Fehler!), erkannte Großbritannien, dass Leben gerettet werden, wenn die Impfung so früh wie möglich begonnen wird, und beantragte eine Notfallgenehmigung.

Der Treppenwitz an der Geschichte ist, dass die Mainstream-Medien den Untergang Großbritanniens vorausgesagt haben, weil das Land aus der EU ausgetreten ist. Doch es ist genau umgekehrt: Die funktionierende Impfkampagne zeigt deutlich, wie gut es den Briten ohne die EU geht.

Es ist vielleicht die deutscheste Sache überhaupt, dass 680.000 Impfstoffe ungenutzt herumstehen, aber Leute, die sie wollen, können sich nicht einfach anmelden, um sie zu bekommen.

Die Deutschen sind von Regeln und Vorschriften derartig besessen, dass sie für pragmatische Lösungen blind sind, selbst wenn sie zu weitaus besseren Ergebnissen führen könnten. Flexibilität gehört nicht zu den deutschen Tugenden. Dagegen sind die Deutschen Weltmeister darin, Dinge um ihrer selbst willen zu machen, auch wenn diese völlig sinnlos sein sollten.

Dabei ist Flexibilität der Schlüssel zum Umgang mit Menschen. Schließlich ist etwas, das auf dem Papier effizient zu sein scheint, in der Praxis nicht immer effizient.

Post source : https://www.thelocal.de/20210222/opinion-how-the-covid-19-vaccine-fiasco-exposes-the-myth-of-german-efficiency/

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