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Chiang Mai und der Smog

Chiang Mai und der Smog

An Covid-19 starben im letzten Jahr 61 Menschen. Die Luftverschmutzung dagegen forderte 2020 schätzungsweise 14.000 Todesopfer. Chiang Mai hat an manchen Tagen die schlechteste Luft der Welt. Neue Daten bestätigen die These, dass die Schuld beim Maisanbau zu suchen ist.

Chiang Mai brach letzten Monat wieder einmal alle Rekorde und galt teilweise als Stadt mit der dreckigsten Luft der Welt. Die Feinstaubwerte (PM2,5) erreichten bis zu 226 Mikrogramm pro Kubikmeter (μg/m³) Luft. Das dauerhafte Einatmen einer derartig verschmutzten Luft kann lebensgefährlich sein.

Die Vorhersehbarkeit des jährlichen Anstiegs der Luftverschmutzung und das Fehlen wirksamer Präventionsmaßnahmen haben die Stadtbewohner und die betroffenen zivilgesellschaftlichen Gruppierungen gelinde gesagt verärgert.

Die Verschmutzungsgrade in Nordthailand sind während der Brandsaison – normalerweise März und April – am höchsten. Nämlich dann, wenn Ernteabfälle und Waldbrände die Luft mit Partikeln verpesten und einen Smog erzeugen, der so dicht ist, dass der Berg Doi Suthep am westlichen Rand der Stadt nicht mehr zu erkennen ist.

Das Problem ist komplex und umfasst die großflächige Vertragslandwirtschaft, Brandrodung und das illegale Eingreifen in den Regenwald sowie eine Vielzahl von sozioökonomischen Faktoren. Da jedoch das Bewusstsein für das Problem angewachsen ist, stehen jetzt mehr Daten zur Verfügung, um die Ursachen zu bestimmen. Das bietet gleichzeitig eine Möglichkeit, Lösungen zu finden.

Gefahr für die Gesundheit

Ein im Februar von Greenpeace veröffentlichter Bericht führte 14.000 Todesfälle in Thailand im Jahr 2020 auf die Luftverschmutzung zurück. Die Statistik überraschte Dr. Rungsrit Kanjanavanit nicht. Als Kardiologe an der Chiang Mai Universität macht er seit einem Jahrzehnt auf die Schwere des Umweltproblems aufmerksam.

„PM2.5 ist mit gesundheitsschädlichen Auswirkungen verbunden, da die Partikel so klein sind, dass sie ähnlich wie beim Rauchen in den Blutkreislauf gelangen können“, sagte Dr. Rungsrit und fügte hinzu, dass es ab einem Wert von 22 μg/m³ so ist, als ob man eine Zigarette raucht. Das gilt für alle Menschen – einschließlich Neugeborener und Senioren.

Er zitierte eine Studie aus dem Jahr 2013, in der für jeden Anstieg von PM2,5 um 10 μg/m³ (Jahresdurchschnitt) ein Anstieg der Gesamtmortalität um sechs Prozent in der Gesamtbevölkerung und eine verkürzte Lebensdauer von 1,03 Jahren festgestellt wurde.

Die Behörde für Schadstoffkontrolle im Umweltministerium sagte, die Hauptursache für den Smog im Norden seien die vielen Agrarflächen die abgefackelt werden, um sie entweder zu ernten oder für die nächste Aussaat vorzubereiten.

Die Behörde verwies darauf, dass der Vertragsanbau von Mais im Norden ein erhebliches Problem darstelle. Man rechnet mit einer Produktion von mehr als fünf Millionen Tonnen thailändischem Mais in der Saison 2020/21.

Die Ernte von Hed-Thob-Pilzen ist ein weiterer Faktor, da hier der Waldboden abgefackelt wird, um das Sammeln zu erleichtern. Zwar gibt es einen lokalen Markt für Pilze, doch der Exportmarkt ist größer – geschätzte 2120 Tonnen gingen 2019 ins Ausland – vor allem nach China.

„Thailand produziert jährlich 5,5 Millionen Tonnen Mais, zwischen 40 und 50 Prozent davon im Norden, das sind 2,2 bis 2,75 Millionen Tonnen pro Jahr“, sagte Dr. Michael Shafer von der örtlichen Stiftung Warm Heart Foundation.

„Da der Kern nur 22,2 Prozent des Gewichts der Maisbiomasse ausmacht, entsprechen 2,2 bis 2,75 Millionen Tonnen 22,2 Prozent einer gesamten Maisernte von 9,9 bis 12,4 Millionen Tonnen im Norden.“

Dr. Shafer erklärte, wie viel Biomasse verbrannt wird: „Eine von der Mahidol Universität im Jahr 2018 veröffentlichte Studie ergab, dass 41 Prozent der Stiele verbrannt wurden. Der verbleibende Stiele verrotten auf den Feldern, und ein zunehmender Teil der Schale wird als Tierfutter oder Schütte verkauft.“

Geschäftsbeteiligung

Die Charoen Pokphand Group (CP) ist Thailands größtes Firmenkonglomerat, größter Lebensmittelhersteller, größter Einzelhandelsriese und größtes Agrarunternehmen. Das Unternehmen investierte in Mais für seine Tierfutterindustrie.

Auf Fragen zum Maisanbau des Unternehmens und zur Eindämmung der Umweltverschmutzung sowie zur Verbesserung der Umwelt stellte die PR-Abteilung von CP ein Dokument mit dem Titel „Mais-Informationsblatt 2021“ zur Verfügung. In dem Dokument heißt es, CP „schließt sich seit der großen Dunstkrise im Jahr 2015 auf allen Sektoren der Gesellschaft an, um die auftretenden Probleme zu lösen, und erkennt auch die Bedeutung der sozialen und ökologischen Verantwortung.“

In dem Dokument wurde das Ziel von CP dargelegt, die Rückverfolgbarkeit bei der Materialbeschaffung in der gesamten Lieferkette zu gewährleisten.

Man hob auch hervor, dass „der Anbau in Berggebieten oder konservierten Waldgebieten nicht gefördert“ wird.

In dem Informationsblatt wird ausgeführt, dass CP seit dem 1. Januar 2016 keine Maisprodukte mehr von Farmern ankauft, die in der Region ohne Landbesitzdokumente oder ohne Zertifizierung durch staatliche Stellen oder in Umweltschutzgebieten Nutzpflanzen anbauen.

Laut Dokument soll es seit 2015 mehr als 20 CP-Initiativen geben. Es wurden jedoch keine Informationen zur Dauer oder zu den Ergebnissen auch nur eines dieser Projekte bereitgestellt.

Staatliche Kontrolle

Aufgrund der Vorhersehbarkeit des jährlich wiederkehrenden Smogs im Norden gehen viele Anwohner davon aus, dass die Lokalregierungen zu wenig unternehmen, um das Problem zu lösen. Der Vizegouverneur von Chiang Mai, Rattapol Naradisorn, bestreitet das allerdings.

„Kurzfristig arbeiten wir daran, die Brände zu löschen. Langfristig wollen wir den Biomasseabfall in etwas verwandeln, das wirtschaftlichen Wert hat, zum Beispiel Briketts, die als Brennstoff verwendet werden sollen.“

Das jährliche Verbrennungsverbot der Behörden – zwei Monate, in denen offenes Feuer nicht erlaubt ist – wurde kritisiert, da in diesem Jahr der Beginn des Verbots am 1. März mit einem deutlichen Anstieg der PM2,5-Werte in Chiang Mai zusammenfiel.

Laut Untersuchungen von Dr. Somporn Chantara, Leiterin des Environmental Science Research Center (ESRC) an der Chiang Mai Universität (CMU), ist der jährliche PM2,5-Anstieg zwar geringer, verteilt sich nun jedoch auf drei statt auf zwei Monate.

„Letztes Jahr hat die Regierung jegliches Verbrennen verboten“, sagte Vize-Gouverneur Rattapol. „Aber wenn man allen Menschen das Verbrennen verbietet, kann man das nicht kontrollieren. Jetzt sind die Brennbereiche begrenzt, und das Ziel für dieses Jahr ist es, mindestens 25 Prozent des Brennens zu reduzieren.”

Grenzübergreifende Umweltverschmutzung

Dr. Somporn und ihr CMU-Team analysieren sowohl die Ursache als auch die Quelle des Rauches. Die Daten können aufgrund meteorologischer Faktoren täglich und aufgrund unterschiedlicher Ernteerträge und Marktnachfrage jährlich variieren. In einem vom ESRC erstellten Papier wird jedoch festgestellt, dass grenzüberschreitender Smog die Umweltverschmutzung in Thailand stark beeinflusst.

„Was 2010 bis 2015 betrifft, können wir sagen, dass 80 Prozent der Verschmutzung in Chiang Mai aus Burma stammte, insbesondere im März und April“, sagte Dr. Somporn.

Obwohl diese Studie nicht aktualisiert wurde, verwendet das ESRC tägliche Berichte über die Anzahl der Hotspots, die von der thailändischen Agentur für Geoinformatik und Entwicklung von Weltraumtechnologien bereitgestellt werden.

„Zum Beispiel stammten nach unseren Daten am 11. März etwa 50 Prozent des Rauches in Thailand aus dem Inland“, sagte Dr. Somporn. Der PM2,5-Wert in Chiang Mai betrug am 11. März 123,4 μg/m³.

Greenpeace hat auch mit der CMU zusammengearbeitet, sagte Länderdirektor Tara Buakamsri.

„Wir arbeiten mit verschiedenen Gruppen, auch mit Universitäten, zusammen und verwenden Satellitendaten, um die Beziehung zwischen Dunstverschmutzung und Maisproduktion zu ermitteln. Ein Drittel der Dunstverschmutzung in der Mekong-Region stammt aus der Maisproduktion“, sagte Tara.

„Obwohl die Hotspots im Maisanbaugebiet hauptsächlich im burmesischen Bundesstaat Shan auftreten, ist die Konzentration von PM 2,5 in Shan geringer als in Nordthailand und Nordlaos.“

Tara beschuldigt große thailändische Landwirtschaftsunternehmen, in den Shan-Staat investiert zu haben, eine Quelle grenzüberschreitenden Smogs.

Umweltgesetzgebung

Während das ASEAN-Handelsabkommen es der thailändischen Maisindustrie ermöglicht hat, grenzüberschreitend zu expandieren, hat es die Staatengemeinschaft indes nicht geschafft, gegen die Umweltverschmutzung vorzugehen. Es gibt jedoch ein Gesetzesvorhaben, das in dieser Region umgesetzt werden könnte, sagte Tara.

„Singapur hat das Gesetz über grenzüberschreitende Luftverschmutzung in Bezug auf die in Singapur ansässigen Unternehmen ausgearbeitet, die Waldbrände und Smog über die Grenze hinweg verursachen“, sagte er. „Sie können die Hotspots identifizieren und herausfinden, wer für die Brände verantwortlich ist.

Wir wollen das in der Mekong-Region auch so handhaben, damit wir einen Hotspot im Shan-Staat identifizieren und sehen können, wem dieses Land gehört, oder uns die Lieferkette ansehen – wer tatsächlich Mais in dieses Gebiet liefert – und bekommen damit einen rechenschaftspflichtigen Mechanismus.“

Für die Beteiligten läuft die Lösung auf einen Faktor hinaus: den politischen Willen.

„Die Regierung muss das Grundrecht auf saubere Luft schützen, das ist mal sicher“, sagte Dr. Rungsrit.

 

Post source : https://www.bangkokpost.com/thailand/special-reports/2087139/holding-those-behind-the-haze-to-account

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