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Wie in Karthago

Wie in Karthago

„Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Karthago zerstört werden muss“, sagte Cato am Ende des dritten Punischen Krieges 146 vor Christus.

Daran musste ich denken, natürlich nur im übertragenen Sinne, als ich wieder einen Rundgang durch Pattaya machte. Zuletzt war ich zu Weihnachten unterwegs – und da war schon schlimm, was ich sah. Leere Straßen, geschlossene und aufgegebene Geschäfte, Schilder mit den Aufschriften „For Sale“ oder „For Rent“. Im HALLO stand, dass man die Second Road in For Rent Road umbenennen könnte.

Als ich Weihnachten, eigentlich Peak Season, durch menschenleere Straßen wanderte, gab es noch Ladeninhaber und Betriebe, die bis dahin durchgehalten hatten. Ein Jahr Corona hatte ihnen zugesetzt, aber da war ja die Hochsaison, und alle dachten – oder hofften – dass dieser Corona-Spuk zu Weihnachten ein Ende haben müsste.

Ein Ende gab es – allerdings nicht bei den Corona-Maßnahmen, sondern für die Geschäftsleute, die nun einer nach dem anderen aufgaben. Was das bedeutet, sah ich jetzt.

Die ganzen Superlative sind verbraucht, was will man noch sagen, wie will man es in Worte fassen? Da fällt mir einfach nur noch Karthago ein. Es hat doch keinen Zweck, aufzählen zu wollen, welche Geschäfte geschlossen haben. Umgekehrt ist es viel einfacher: Wenn man fragt, was hat noch geöffnet hat, fällt die Antwort wesentlich kürzer aus.

Second Road Ecke Pattaya North Road. Hier ist nicht viel, und wenn man Richtung Zentral-Pattaya geht, kommt auch nichts mehr. Da ist ein Massagesalon geschlossen und einer gleich daneben geöffnet. Aber wer geht da hin und lässt sich massieren?

Eine Soi zwischen Second Road und Beach Road. Hier haben alle Hotels geschlossen. Teilweise sind die Logos abgedeckt, damit man nicht erkennen kann, wie die Namen dieser Hotels lauten. Ein Barcenter ist mit Maschendraht abgesperrt. Hier ist nicht eine Bar zu vermieten/zu verkaufen, sondern die komplette Anlage.

Eine Masseuse rennt mir hinterher und bettelt beinahe auf Knien, mich doch massieren zu dürfen.

Beach Road. Nur noch ganz wenige Geschäfte sind geöffnet. Fast alle Läden, die tapfer bis zur Jahreswende durchgehalten haben, sind geschlossen. In vielen ist jetzt Feierabend – für immer. Mir fällt auch auf, dass es die Ausnahme ist, wenn ein 7-Eleven oder Family Mart nicht aufgegeben hat. Bei unzähligen Filialen sind die Scheiben blind oder mit Zeitungspapier verklebt.

An der Ecke Central Road sind gleich ein halbes Dutzend neue Imbissstände oder Fressbuden neu eröffnet worden. Na, die sind ja optimistisch!

Central Rod zwischen Beach und Second Road. Linke Seite: tot. Rechte Seite: tot. Ich komme zu einem Barcenter, das immer für einen Boxenstopp zum Auftanken gut war. Doch dieses Barcenter ist wohl den Römern zum Opfer gefallen. Wie Karthago ist es ausradiert, weg, es ist so, als ob es nie existiert hätte. Da, wo es stand, befindet sich jetzt ein mit Stacheldraht abgesperrtes freies Grundstück.

Das war der Moment, als mir der berühmte Ausspruch von Cato einfiel. Die Römer ließen keinen Stein auf dem anderen, und Karthago, im heutigen Tunesien gelegen, verschwand von der Bildfläche. Laut einer Legende sollen die Römer anschließend sogar Salz auf die Felder gestreut haben, um sie unfruchtbar zu machen.

Post source : Axel Schönberger

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