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Clubhouse-Hype auch in Thailand

Clubhouse-Hype auch in Thailand

Premierminister General Prayuth Chan-ocha ist sauer. Warum? So einige Influencer, Oppositionelle und Dissidenten – und zuletzt sogar das Schreckgespenst der Militärs in Gestalt von Ex-Premierminister Thaksin Shinawatra sind jetzt alle bei Clubhouse.

Clubhouse ist eine neue Audio-Chat-Anwendung, für die es bislang nur eine iPhone-App gibt. Man kann bei Clubhouse nur Mitglied werden, wenn man von jemandem, der bereits dem erlesenen Club angehört, eingeladen wird. Einmal Mitglied, kann man Diskussionen beginnen oder sich an Diskussionen beteiligen. Politiker und Influencer in der ganzen Welt haben schnell erkannt, dass Clubhouse eine gute Gelegenheit ist, sich in Szene zu setzen.

Es entstand ein regelrechter Hype um Clubhouse. Alle sprachen nur noch über diese App. Wer sie hat, nutzt sie offenbar oft und gern, auch wenn es recht zeitintensiv ist, sich hier Informationen zu beschaffen.

Wie andere soziale Medien zuvor, wird auch Clubhouse nicht nur beeinflussen, wie wir miteinander interagieren, sondern auch, wie wir die Welt um uns herum wahrnehmen.

Es ist möglich, dass unser Leben in Zukunft mehr von Sprachtechnologien als von geschriebenen Wörtern und Tastaturen dominiert wird. Clubhouse könnte ein Anfang sein. Hier wird gesprochen und zugehört, nicht geschrieben und gelesen.

In diesem Szenario wird nicht nur der Journalismus der alten Schule außer Acht gelassen, sondern auch unsere Beziehung zur „Wahrheit“, wie auch immer man diese definieren will.

Clubhouse, derzeit wie gesagt nur auf Einladung und nur für iOS verfügbar, ist zu einem günstigen Zeitpunkt in Thailand eingetroffen.

Facebook ist die beliebteste Social-Media-Plattform des Landes mit etwa 50 Millionen Nutzern bei einer Bevölkerung von etwa 70 Millionen.

Einige Analysten glauben jedoch, dass Facebook hinsichtlich seines Wachstums möglicherweise an eine Grenze gestoßen ist. Einige Leute haben außerdem die Algorithmen der sozialen Medien über, die scheinbar übermäßig aggressiv versuchen, uns mit dem zu „füttern“, von dem die Algorithmen glauben, dass wir es mögen. Manchmal ist das einfach zu durchschaubar.

Corona und die soziale Distanzierung haben neben Nachrichtenmeldungen und schriftlichen Kommentaren auch viele andere Formen menschlicher Interaktion geschaffen.

Wie Clubhouse, bei dem Menschen in digitalen Räumen Gesprächen zu verschiedenen Themen zusammenkommen und die Gespräche führen oder zumindest zuhören können. Bei dem Hype, der um Clubhouse gemacht wird, scheint es eine echte Nachfrage zu geben.

Als Prominente Mitglied bei Clubhouse wurden und damit begannen, Räume einzurichten und Gespräche auf der neuen Plattform zu führen, hatten die Leute Angst, etwas zu versäumen.

So wurde Clubhouse schnell zum Stadtgespräch, als (nicht nur) Thailands Who is Who auf die neue Plattform setzten.

Die App ist so beliebt geworden, dass Einladungen zum Beitritt, von denen jedem Mitglied zwei zur Verfügung stehen, auf E-Commerce-Websites zum Verkauf angeboten werden.

Ein weiterer Grund, warum Clubhouse in aller Munde ist, ist die Möglichkeit, hier Tabuthemen ohne Zensur diskutieren zu können. Und das ist der Grund, weshalb die thailändischen Generäle Clubhouse nicht gerade sympathisch finden.

Viele traditionelle Mainstream-Medien können den „Elefanten im Raum“ bestenfalls zwischen den Zeilen erwähnen. In Clubhouse tanzt er durch die Gesprächsräume und begeistert die Teilnehmer.

So hatte beispielsweise Rangsiman Rome, Mitglied der Move Forward Party, auf Clubhouse von den sogenannten „Elefantentickets“ berichtet. Gemeint sind Bestechungsgelder von Polizisten, die sich eine Beförderung erkaufen. Die meisten traditionellen Medien hielten sich mit der Berichterstattung zurück. Doch bei Clubhouse glühten die digitalen Räume, als es um dieses Thema ging. Schließlich wurde der Druck auf die Mainstream-Medien so groß, dass sie doch über die Elefantentickets berichten mussten – sie hätten sich sonst vollständig der Lächerlichkeit preisgegeben.

Zuvor allerdings hatte der stellvertretende Premierminister General Prawit Wongsuwon kommentiert, nichts davon sei wahr, es gäbe keine Elefantentickets. Auf Twitter trendeten dennoch entsprechende Hashtags.

Einerseits könnte dieser Kontrast mit dem Umstand erklärt werden, dass es hier um eine Kluft zwischen den Generationen geht, die die politische Polarisierung unterstreicht. Andererseits hat Clubhouse und dessen rasant steigende Beliebtheit die Schwächen der traditionellen Medien bestätigt.

Die Leute hören nicht auf, Zeitungen zu lesen, weil es eine neue Audio-Chat-App gibt, mit der sie Gespräche mit Prominenten und Personen führen können, die sie sonst nur aus den Nachrichten kennen. Die Leute hören nicht auf, Zeitungen zu lesen, weil es langsamer geht und das Lesen nicht interaktiv ist. Die Leute hören nicht auf, Zeitungen zu lesen, weil es Clubhouse gibt.

Sie hören auf, Zeitungen zu lesen, weil sich ein Elefant im Raum befindet, der jedoch von der Presse ignoriert wird. Der Existenzgrund der Presse besteht doch darin, die Wahrheit zu berichten und das Kind beim Namen zu nennen.

Post source : https://www.bangkokpost.com/opinion/opinion/2072831/clubhouse-wins-race-against-old-news-elephants

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