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Vom Musterländle zum Entwicklungsland

Vom Musterländle zum Entwicklungsland

Deutschland, einst ein Vorbild für andere Länder, ist nun ein Beispiel dafür geworden, wie Corona nicht bekämpft werden sollte.

Nachdem Deutschland im vergangenen Jahr eine breite Anerkennung für den Umgang mit dem Coronavirus erhielt, hat es nun mit schleppenden Impfungen und einer frustrierten Lockdown-Bevölkerung zu kämpfen, berichtete die „New York Times“.

Es war kaum Mittag, doch Steffen Bockhahns Telefon hatte schon seit den Morgenstunden unaufhörlich geklingelt. Die Anrufer wollten wissen, ob sie geimpft werden – und wenn nicht jetzt, wann dann?

Tage zuvor hatte Deutschland Richtlinien dahingehend geändert, wer geimpft werden kann, was zu einem scheinbar endlosen Strom von Fragen von besorgten Einwohnern der Stadt Rostock an Bockhahn führte, der Mitarbeiter im Gesundheitsamt der Hafenstadt ist.

„Nein, tut mir leid, aber wir dürfen noch niemanden in Kategorie zwei impfen, nur Krankenschwestern oder Pfleger gehören zur ersten Prioritätsgruppe“, sagte er einem Anrufer. Sie müssen warten.“

Mehr als zwei Monate nach dem zweiten vollständigen Lockdown des Landes haben die Menschen in ganz Deutschland es satt, darauf zu warten, geimpft zu werden, die versprochene staatliche Entschädigung endlich zu erhalten oder zur Normalität zurückzukehren. Für die Deutschen ist es ein entmutigender Niedergang ihres Landes, der sich da abzeichnet.

Zu Beginn der Pandemie hat sich Deutschland als weltweit führend im Umgang mit der Gesundheitskrise erwiesen. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat einen Konsens über einen Lockdown erzielt. Neidisch blickten die europäischen Nachbarn auf die Test- und Rückverfolgungsinstrumente der Regierung Merkel. Die Todes- und Infektionsraten des Landes gehörten zu den niedrigsten in der Europäischen Union. Die Gesundheitsversorgung war hervorragend. Und eine allgemein vertrauensvolle Bevölkerung hielt sich an Beschränkungen mit nur vereinzeltem Murren.

Jetzt ist das anders. Der zweiten Welle folgte eine Vielzahl strengerer neuer Beschränkungen, was zu lautstarken Beschwerden und sogar Demonstrationen führte. Dann kam der nächste Lockdown. Dennoch werden pro Tag rund 10.000 Menschen positiv auf Corona getestet. In anderen Ländern ohne Lockdown sind die Zahlen teils niedriger. Daraus folgt, dass ein Lockdown keine Wirkung hat. Dennoch wird er immer weiter verlängert – womöglich bis zum Sommer.

Helfen könnten die Impfung. Aber das deutsche Impfprogramm, das von der Europäischen Union organisiert wird, ist ins Stocken geraten. Nur 3,5 Prozent der Deutschen haben ihre erste Impfung erhalten, nur ungefähr zwei Prozent sind vollständig immunisiert.

Für ein Land, das früher die Nummer eins in Europa war – in wirtschaftlicher Hinsicht mit einem Ruf für Effizienz und Organisation – ist das ein Armutszeugnis und spiegelt den Niedergang Deutschlands wider. Vom führenden Industriestaat zum Entwicklungsland innerhalb nur weniger Jahre.

„Zu lange sonnte sich das Land im Schein seines frühen Erfolgs”, schrieb die „Süddeutsche Zeitung“ in einem Leitartikel. „Jetzt hat das Coronavirus deutlich gemacht, dass Deutschland dramatische Defizite aufweist. In seiner Regierungsführung, in seiner Verwaltung und mit seinen Politikern.“

Die „Süddeutsche Zeitung“, Spitzname „Alpen-Prawda“, war das erste Mainstream-Blatt, das nach Jahren des Hofierens plötzlich umschwenkte und damit begann, die Regierung zu kritisieren. Ein vorläufiger Höhepunkt wurde erreicht, als „Der Spiegel“ nicht nur den Rücktritt von Jens Spahn forderte, sondern auch den der Bundeskanzlerin, die für die ganze Misere verantwortlich ist.

Die Stimmung in Deutschland hat sich weiter verschlechtert, als die Leute bemerkten, wie andere Länder, insbesondere Großbritannien, ihre Impfkampagnen mit dem Pfizer-BioNTech-Impfstoff erfolgreich durchführen. Aber obwohl BioNTech mit Hilfe von Geldern deutscher Steuerzahler entwickelt wurde, müssen die Deutschen auf das Eintreffen der Impfdosen warten.

Ein Großteil der Verzögerung ist auf die Entscheidung Deutschlands zurückzuführen, der Europäischen Union zu gestatten, in Deutschlands Namen über den Preis der Impfstoffe zu verhandeln und diese zu bestellen. Doch diese Solidarität hat Deutschland effektiv bestraft. Die EU hat inzwischen zugegeben, dass sie bei den Verhandlungen Fehler gemacht hat. Allen voran die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, die zuvor als Verteidigungsministerin schon die Bundeswehr ruiniert hatte.

Merkels Regierung hat BioNTech bei der Renovierung einer Produktionsanlage unterstützt, die diesen Monat eröffnet wurde in der Hoffnung, die Belastung eines belgischen Pfizer-Werks zu verringern, das Schwierigkeiten hatte, seine Aufträge zu erfüllen. Es wird jedoch Wochen, wenn nicht Monate dauern, bis das zusätzliche Angebot an Impfdosen die Impfzentren erreicht.

Das Impfzentrum in Rostock wurde Ende Dezember 2020 eröffnet, aber an vielen Tagen sind nur die Mitarbeiter anwesend, da kein Impfstoff da ist. Wenn welcher eintrifft, sind trotzdem mehr Mitarbeiter als Menschen da, die geimpft werden sollen.

Wir haben hier ein großartiges Team. Es will impfen, impfen, impfen“, sagte Bockhahn. „Wenn man in der Lage ist, 1000 pro Tag zu schaffen, aber es nur 400 die Woche sind, dann ist das frustrierend.”

Post source : https://www.nytimes.com/2021/02/20/world/europe/germany-coronavirus-second-wave.html?smid=em-share

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