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Impfung mit Schuss

Impfung mit Schuss

Während die Impfungen in Deutschland ins Stocken geraten bzw. nie richtig angelaufen sind, zeigt Israel, wie eine Impfkampagne funktioniert und wohin die Reise geht.

Fitnessstudios und Hotels sind ausschließlich für diejenigen geöffnet, die entweder gegen Corona geimpft sind oder Covid-19 hatten und damit immun sind. Ungeimpfte sollen durch allerlei Maßnahmen dazu gebracht werden, sich impfen zu lassen. Der Widerstand ist gering.

Da weit über zwei Drittel der Israelis bereits mit zumindest einer Dosis geimpft sind, verstärken die Behörden ihre Bemühungen, junge Erwachsene und Leute zu überzeugen, die zögern, sich gegen Corona impfen zu lassen.

Ende Februar bot die Stadt Tel Aviv den Bewohnern, die zu ihrer ersten Impfung kamen, kostenlose Pizza und Nachspeisen an. Gleichzeitig gab es in der weitgehend ultraorthodoxe Stadt Bnei Brak für die Einwohner neben der Impfung eine herzhafte Portion Cholent an – einen Eintopf, der traditionell am Sabbat serviert wird.

Aber an Wochenenden legt Tel Aviv noch einen drauf: in einer Kneipe wird eine mobile Impfstation eingerichtet und jedem, der auftaucht, um sich impfen zu lassen, wird ein kostenloses Getränk angeboten: sozusagen eine Impfung mit Schuss.

Dutzende junger Menschen, aber auch ein paar ältere Einheimische, versammelten sich vor einer Bar und standen in der Schlange, um sich ohne vorherige Terminsvereinbarung in einem von der Kneipe geparkten Kleinbus impfen zu lassen.

Alle Israelis über 16 Jahre haben seit dem 3. Februar Anspruch auf den Impfstoff. Viele der Menschen, die in der Bar aufgetaucht sind, sagten, sie hätten gezögert, sich impfen zu lassen, seien aber durch den Wunsch, einen „grünen Pass“ zu erhalten, motiviert worden.

Der grüne Pass ist ein von der Regierung ausgestelltes Zertifikat, mit dem die Israelis Zugang zu Fitnessclubs, Hotels, Kulturveranstaltungen und vielem mehr erhalten.

Danny Zak, der 40 Jahre alte Inhaber eines Catering-Unternehmens, sagte, dass er der Meinung sei, die Medien hätten die Gefahren des Coronavirus übertrieben. Dennoch habe er sich impfen lassen, weil die Einschränkungen ohne Impfung geschäftsschädigend seien.

„Ich mache das für mein Geschäft, denn das Zertifikat hebt die Beschränkungen auf“, sagte er. „Das letzte Jahr war hart, ich habe von Lockdown zu Lockdown gelebt.“

Seit Ende Februar dürfen Personen, die einen grünen Pass vorlegen und damit nachweisen, dass sie entweder zwei Dosen des Impfstoffs erhalten oder sich von Covid-19 erholt haben, in Fitnessstudios und Schwimmbäder gehen, in Hotels übernachten oder Kulturveranstaltungen und Kulturstätten besuchen. Darüber hinaus werden Einkaufszentren, Geschäfte, Märkte, Museen und Bibliotheken für die breite Öffentlichkeit zugänglich sein.

„Meine Mutter sagte, ich solle mit der Impfung warten“, sagte ein 27-jähriger Angestellter eines Online-Unternehmens, der es vorzog, seinen Namen nicht anzugeben. „Aber als ich hörte, dass Fitnessclubs für geimpfte Menschen geöffnet werden, habe ich mich für die Impfung entschieden. Ich möchte wirklich wieder Sport machen.“

Etti, 50, eine Administratorin in einer Anwaltskanzlei, sagte, sie habe sich zurückgehalten, weil sie nicht zu den ersten gehören wollte, die den Impfstoff erhielten.

„Dieser Impfstoff ist neu, ich wollte abwarten und sehen, wie es läuft. Außerdem habe ich Angst vor Nadeln. Aber es sind zwei Monate vergangen, und ich habe keine Horrorgeschichten gehört. Außerdem möchte ich meine Eltern in Eilat besuchen. Also lasse ich mich impfen. Das sollten wir meiner Meinung nach alle tun.“

Das Zögern und die Skepsis gegenüber der Impfung sind in den letzten Wochen zu einem wachsenden Problem geworden, da sich Israels weltweit führende Impfkampagne verlangsamt hat. Die Anzahl der Impfungen ist jedoch wieder angestiegen, als die Regierung den grünen Pass einführte.

Eine Umfrage unter Israelis, die sich noch nicht haben impfen lassen, ergab, dass 41 Prozent, mögliche Nebenwirkungen befürchten und 30 Prozent nicht sicher sind, ob der Impfstoff wirksam ist. Ungefähr ein Viertel gab an, sich nicht impfen zu lassen.

Mehr als vier Millionen Israelis oder rund 45 Prozent der Gesamtbevölkerung des Landes und zwei Drittel der Berechtigten haben bis Ende Februar die erste Dosis des Coronavirus-Impfstoffs erhalten, wie Daten des Gesundheitsministeriums zeigten. Ungefähr 2,7 Millionen Israelis haben beide Dosen erhalten. Weniger als zwei Millionen der berechtigten Israelis haben sich noch nicht impfen lassen.

Elchai Amram, ein 24-jähriger Musiker, der sich letztes Jahr mit der Auslieferung von Lebensmitteln über Wasser halten musste, sagte, auch er habe zunächst mit der Impfung gezögert. „Ich fand es seltsam, dass sie so schnell einen Impfstoff entwickelten. Es gab alle möglichen Gerüchte und Verschwörungstheorien. Tatsächlich haben sich im Laufe der Zeit viele Verschwörungstheorien als wahr erwiesen. Aber dann habe ich mich trotzdem zur Impfung entschlossen.“

Amram sagte, dass er sich impfen lassen wolle, weil dies so einfach und unkompliziert in der Bar um die Ecke vonstatten gehe. Er wohne in der Nähe und wolle es schnell hinter sich bringen.

Auf die Frage, was er nach der zweiten Impfung tun möchte, sagte er: „Zu einem Konzert gehen und wie verrückt tanzen, bis ich meine Beine nicht mehr spüre.“

Post source : https://www.timesofisrael.com/care-for-a-shot-with-your-shot-tel-aviv-sets-up-vaccine-station-in-local-bar/

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