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Paradiesischer Rückzugsort

Paradiesischer Rückzugsort

Thailand verkaufte sich als paradiesischer Corona-Rückzugsort. Doch niemand kam.

Es gibt kaum einen luxuriöseren Ort, um zwei Wochen in Quarantäne zu verbringen, als die Anantara Phuket Suites & Villas in Thailand, wo Besucher in privaten Residenzen verwöhnt werden, die über einen eigenen Pool und Innenhof verfügen.

Doch mehr als vier Monate nach der Wiedereröffnung des Resorts, hat die Anzahl ausländischer Touristen alles andere als die Erwartungen erfüllt. Laut der Thailand Longstay Company sind seit Oktober 2020 durchschnittlich nur 346 ausländische Besucher mit dem Speziellen Touristenvisum (STV) nach Thailand eingereist. Die Zahl liegt weit unter dem Ziel von etwa 1200 Besuchern und ist nur ein winziger Bruchteil verglichen mit den mehr als drei Millionen Touristen, die vor Corona Monat für Monat nach Thailand kamen.

Die nicht erfolgte Reaktion auf die thailändische Grenzöffnung verdeutlicht die Schwierigkeiten, mit denen vom Tourismus abhängige Länder konfrontiert sind, wenn sie versuchen, das Wirtschaftswachstum anzukurbeln, während sie gleichzeitig die Bürger vor Corona zu schützen wollen.

Thailand hatte gehofft, Rentner, die dem europäischen Winter entkommen wollten, und andere Touristen, die längere Reisen unternehmen können, anzulocken. Diese Touristen kommen um die Quaratnäne nicht herum, aber diese könnte bequem in High-End-Resorts in einem Land absolviert werden, das von der Pandemie relativ unversehrt geblieben war. Nach zwei Wochen Quarantäne würde Thailand neun Monate lang diesen Langzeit-Touristen gehören.

Doch diese zwei Wochen Quarantäne sind offensichtlich der Haken. Niemand reißt sich darum, diese 14 Tage eingesperrt zu sein, auch wenn es sich um ein Fünf-Sterne-Strandhotel handelt. Denn was nützt der schönste Strand, wenn man zwei Wochen lang das Zimmer nicht verlassen darf.

Das mangelnde Interesse erhöht den Druck auf die politischen Entscheidungsträger, die sich bemüht haben, sowohl den Akteuren der Branche, die eine Lockerung der Quarantäneregeln fordern, als auch den Experten für öffentliche Gesundheit, die davor warnen, Menschen in Gefahr zu bringen, Rechnung zu tragen. Während die Strände leer bleiben, gehen viele Tourismusunternehmen pleite. Die zweite Corona-Welle hat die Sache nicht einfacher gemacht.

„Es ist wirklich eine Herausforderung, die Anforderungen der Tourismusbranche und der Einheimischen in Einklang zu bringen”, sagte Bhummikitti Ruktaengam, Präsident des Tourismusverbandes Phuket. „Ich verstehe, wie schwer es ist, 14 Tage in einem Raum festzusitzen. Ich habe das durchgemacht. Aber die Sicherheit der Menschen hat Priorität, weil Touristen kommen und gehen, aber Einheimische hier leben.“

Im Jahr 2019 erzielte Thailand mit knapp 40 Millionen Besuchern Tourismuseinnahmen in Höhe von mehr als 60 Milliarden US-Dollar. Die Branche trug vor der Pandemie etwa ein Fünftel zum Bruttoinlandsprodukt bei. Im globalen Durchschnitt sind es etwa zehn Prozent.

Aber sechs Monate ohne ausländische Touristen, gefolgt von Monaten mit nur einem Rinnsal, haben die Branche zerstört. Laut Daten der Abteilung für Geschäftsentwicklung des Handelsministeriums wurden im vergangenen Jahr mindestens 931 registrierte Unternehmen im Bereich Tourismus geschlossen. Die tatsächliche Zahl ist wahrscheinlich viel höher, da viele Tourismusunternehmen in keiner Datenbank registriert sind.

Das eigentliche Unternehmenssterben dürfte auch erst Anfang des Jahres begonnen haben. Viele Geschäfte hielten durch in der Hoffnung, dass die Hochsaison wieder Einnahmen bringt. Diese Hoffnung erfüllte sich nicht. Wenn man jetzt durch Straßen einstiger Tourismushochburgen geht, hat man das Gefühl, in einer Geisterstadt zu sein.

Auf Thailands berühmten Ferieninseln ist die Situation besonders schlecht. Zum Beispiel Phuket, das vor Corona etwa 90 Prozent seines Tourismuseinkommens mit ausländischen Besuchern generierte. In Patong, der wichtigsten Touristenmeile auf Phuket, ist die einst belebte Beach Road mit Bars und Nachtclubs leer. Die angrenzende Bangla Road ist gesäumt von Geschäften mit heruntergelassenen Fensterläden, Stühlen auf den Tischen und Ketten, die den Zugang versperren. Auf Barhockern und Arbeitsplatten sammelt sich Staub. Die wenigen offenen Geschäfte und Lokalitäten haben kaum Kunden.

„Wenn keine Ausländer da sind, ist das Viertel leer“, sagte Rungarun Loiluen, die in The Kitchen, einem Restaurant mit Bar am Ende der Bangla Road, arbeitet. Sie ist eine von acht Angestellten, die dort nach wie beschäftigt sind, wenn auch mit weniger Arbeitsstunden. Vor Corona arbeiteten hier 30 Leute. „Es geht kaum jemand die Straße entlang“, sagte sie.

Eine Ecke weiter hat das Hotel Clover Patong Phuket seine Preise um bis zu drei Viertel gesenkt, um einheimische Reisende anstelle der üblichen Kundschaft, bestehend aus amerikanischen, russischen und chinesischen Touristen, anzulocken. Laut Jessada Srivichian, der Finanzmanagerin des Hotels, lag die Auslastung im Dezember 2020 bei nur etwa zehn Prozent. Früher war das Hotel in der Peak Season überbucht.

Trotz der Bemühungen der Regierung, Tourismusunternehmen zu helfen, beispielsweise die Kosten für Hotelzimmer, Mahlzeiten und Flugpreise zu subventionieren, können einheimische Touristen, die normalerweise nur am Wochenende reisen, die Lücke nicht schließen, die ausländische Besucher hinterlassen haben.

Obwohl nur etwa die Hälfte der Hotels des Landes wiedereröffnet wurde, liegt die durchschnittliche Auslastung nur bei 34 Prozent, sagte Yuthasak Supasorn, Gouverneur der thailändischen Tourismusbehörde TAT.

„Ich bin seit 20 Jahren in Phuket und habe es noch nie so ruhig gesehen“, sagte Jessada vom Clover Hotel. „Wir brauchen internationale Besucher. Wir denken gar nicht daran, Gewinne zu erzielen, sondern konzentrieren uns auf die Minimierung von Verlusten, denn solange eine Quarantäne Vorschrift ist, werden die Leute nicht kommen.“

Die Regierung sollte erwägen, auf die zweiwöchige Isolationspflicht für Besucher aus Regionen oder Ländern ohne lokale Infektionen seit mehr als 60 Tagen zu verzichten, sagte Vichit Prakobgosol, Präsident der Vereinigung thailändischer Reisebüros (ATTA) bereits im September. Er hoffte wohl, dass die Regelung für Besucher aus einigen Teilen Chinas, Thailands größter Einnahmequelle für den Tourismus, gelockert wird. Ein solcher Deal, der unter dem Oberbegriff „Reiseblase“ lief, wurde jedoch nie umgesetzt.

„Es erscheint unpraktisch, die Dauer einer Reise zu verdoppeln, um die örtlichen Quarantäneanforderungen zu erfüllen“, sagte Ron Cooper, ein amerikanischer Fotograf und Unternehmensberater, der vor Corona mehrmals im Jahr ins Ausland gereist war. „Hinzu kommen die Kosten für den zweiwöchigen unproduktiven Hotelaufenthalt – kein sehr attraktives Angebot.”

Der Ansatz Thailands steht im Gegensatz zu anderen Tourismusdestinationen, die weniger vorsichtig waren. Die Malediven wurden im Juli wieder für Touristen aus Übersee geöffnet. Zwar ist ein negativer Corona-Test erforderlich, eine Quarantäne ist indes nicht vorgesehen.

Laut Angaben der Einwanderungsbehörde der Malediven sind auf dem Archipel seitdem mehr als 172.000 Menschen angekommen. Anfangs stiegen die Neuinfektionen an, gingen dann aber wieder zurück.

„Es war mutig von den Malediven, dass sie es gewagt haben, das Land mit allen damit verbundenen Risiken zu öffnen“, sagte Dirk De Cuyper, Vorstandsvorsitzender von S Hotels & Resorts, dessen Auslastung im Dezember auf den Malediven 70 Prozent betrug. Und das könnten schlechte Nachrichten für Thailand sein, sagte er. „Viele Reisende lehnen die Quarantäne ab, insbesondere dann, wenn sie in andere Länder reisen können, ohne in Quarantäne zu müssen.“

Indes wollen die meisten Thais wohl keine lockeren Quarantänevorschriften, vor allem weil Einheimische in der Nähe der Resorts wohnen. Auf den Malediven ist das anders. Da stehen viele Hotels und Resorts isoliert auf ihren eigenen Inseln.

„Wenn ich mich zwischen Gesundheit und Einkommen entscheiden müsste, würde ich Gesundheit wählen“, sagte Wiparad Noiphao, Obst- und Gemüseanbieter auf dem Banzaan-Markt in Patong. „Wir müssen der Sicherheit Priorität einräumen.“

Als Kompromiss erörterte die Corona Task Force der Regierung die Verkürzung der Quarantänezeit auf zehn Tage. Dies wurde jedoch bislang nicht umgesetzt. Die Regierung hat allerdings sechs Golfresorts als Quarantänezentren zugelassen.

„Jede Änderung des ursprünglichen Plans würde ein höheres Risiko bedeuten“, sagte Thira Woratanarat, Professor an der medizinischen Fakultät der Chulalongkorn-Universität. „Es gibt viele Beispiele für freie internationale Reisen, die zu Neuinfektionen geführt haben“, sagte er am Beispiel Europas. „Wir sollten warten, bis sich die globale Virensituation verbessert hat.“

Eine neue Viruswelle hat auch die Argumente für eine Lockerung der Quarantäneregeln geschwächt. In Thailand haben sich die Corona-Infektionen in weniger als einem Monat auf über 11.000 mehr als verdoppelt.

Die zweite Welle begann auf einem Markt für Meeresfrüchte und breite sich im ganzen Land aus. Die Regierung hat das Reisen in einigen Regionen mit hohem Risiko eingeschränkt, allerdings von einem umfassenden Lockdown abgesehen. Sie hat auch ihr Reisesubventionsprogramm erweitert. Inzwischen ebbt diese zweite Welle wieder ab.

Letztendlich wird das Land erst wieder vollständig geöffnet, wenn Impfstoffe allgemein verfügbar sind, haben Regierungsbeamte gesagt. Thailand plant, mit den Impfungen zunächst im Gesundheitswesen zu beginnen. Ab Juni sollen die Impfungen ausgeweitet werden und bis Ende 2021 mindestens 33 Millionen Menschen, etwa die Hälfte der Bevölkerung des Landes, geimpft sein.

Es bleiben Fragen offen, wie der internationale Tourismus funktionieren wird, wenn weltweit immer mehr Menschen geimpft werden. Impfausweise werden als ein Weg gesehen, Menschen wieder auf Reisen zu bringen, aber ob und wie das u umgesetzt werden soll, ist noch unklar. Es ist nicht bekannt, ob geimpfte Personen das Virus übertragen können oder nicht. Daher weiß auch niemand, was aus der Idee wird, Touristen die Quarantäne zu ersparen, die bereits geimpft sind.

Unter Berücksichtigung all dessen schätzt die Bank of Thailand, dass die Zahl der ausländischen Besucher auch im Jahr 2022 noch deutlich unter den 40 Millionen im Jahr 2019 liegen werden. Die Zentralbank geht davon aus, dass 5,5 Millionen Touristen in diesem Jahr und 23 Millionen im kommenden Jahr nach Thailand reisen werden.

Die Wirtschaft ist im Jahr 2020 um ca. sechs Prozent geschrumpft, der größte Rückgang seit der Asienkrise. Laut dem Nationalen Rat für wirtschaftliche und soziale Entwicklung soll das Wirtschaftswachstum 2021 3,5 bis 4,5 Prozent betragen.

Trotz der Wirtschaftskrise sei es richtig gewesen, Thailand nur vorsichtig für den Tourismus zu öffnen, sagte Bhummikitti vom Tourismusverbandes Phuket. Die umkämpfte Tourismusbranche habe keine andere Wahl, als auf die Impfung zu warten. „Wir können unsere Grenzen nicht für immer schließen und wir können Menschen nicht ohne strenge Maßnahmen hereinlassen“, sagte er. „Diese kontrollierte, schrittweise Wiedereröffnung ist daher der beste Ansatz.“

Post source : https://forum.thaivisa.com/topic/1201789-thailand-sold-itself-as-a-paradise-covid-retreat-no-one-came

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