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Tote Thai-Arbeiter in Südkorea

Tote Thai-Arbeiter in Südkorea

Hunderte hauptsächlich undokumentierte thailändische Migrantenarbeiter sind in Südkorea gestorben. Die Vereinten Nationen wurden angehalten, eine Untersuchung des Schicksals dieser Migranten zu fordern.

Mindestens 522 Thais sind seit 2015 in Südkorea gestorben – 84 Prozent von ihnen hatten keine Papiere. Die Zahlen stammen von der thailändischen Botschaft in Seoul, die auf eine entsprechende Anfrage die Daten herausgab.

Vier von zehn Todesfällen wurden aufgrund unbekannter Ursachen registriert, während andere auf Gesundheit, Unfälle und Selbstmorde zurückzuführen waren.

Die Zahl der Todesfälle von Arbeitnehmern erreichte im letzen Jahr ein Rekordhoch von 122 (Stand Mitte Dezember 2020). Auch das geht aus den veröffentlichten Daten der thailändischen Botschaft hervor, da die Besorgnis über die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Arbeitsbedingungen zunimmt.

In Südkorea starben zwischen 2015 und 2018 mehr Thais (283) als in jedem anderen Land.

„Die Zahlen machen betroffen und erfordern Aufmerksamkeit und Untersuchung“, sagte Nilim Baruah, Spezialist für Arbeitsmigration bei der Internationalen Arbeitsorganisation der Vereinigten Staaten (ILO). „Arbeitsmigranten ohne Papiere sind am wenigsten geschützt und ihre Gesundheit und Sicherheit sind ein Problem.“

Jetzige und ehemalige Migrantenarbeiter, Aktivisten und thailändische Beamte sagten, Zehntausende von Migranten ohne Papiere in Südkorea seien überarbeitet, hätten keinen Zugang zur Gesundheitsversorgung und würden sich aus Angst vor Abschiebung ausbeuten lassen.

Keine Regierung veröffentlicht Zahlen über Migrantentodesfälle. Daher gibt es laut Aktivisten in einer Zeit, in der die Folgen von Corona mehr denn je ausländische Arbeitnehmer gefährden, keine Verbesserungen der Arbeitsbedingungen für Migranten oder der Situation, in der sie sich befinden.

Die Internationale Organisation für Migration (IOM) der Vereinten Nationen sagte, man sie „besorgt“ über die Zahlen, man überwache die Situation.

Die südkoreanischen Ministerien für Arbeit, Justiz und Außenpolitik lehnten es ab, sich zu den Daten zu äußern. Die südkoreanische Botschaft in Bangkok antwortete nicht auf die Bitte um Stellungnahme.

Laut Angaben des thailändischen Außenministeriums arbeiten mindestens 460.000 Thais legal oder illegal im Ausland. Südkorea ist das Top-Ziel mit etwa 185.000 thailändischen Migranten, die deutlich mehr verdienen können als in Thailand.

Während 1981 eine visumfreie Reisevereinbarung zwischen den beiden Ländern eingeführt wurde, sagten Arbeitsexperten, dass viele Thais vor den Olympischen Winterspielen 2018 in Pyeongchang abgewandert und als Arbeiter ohne Papiere in Fabriken und auf Farmen geblieben seien.

Schwierige, schmutzige Arbeit

Ungefähr ein Zehntel der 185.000 thailändischen Migranten in Südkorea arbeitet dort legal im Rahmen eines Arbeitsmigrationsprogramms, das als Beschäftigungsgenehmigungssystem (EPS) bezeichnet wird, sagte die thailändische Botschaft in Seoul.

Bei den übrigen handelt es sich um Migranten ohne Papiere – auf Thai „pi noi“ oder „kleine Geister“ –, die Maklern in Thailand hohe Rekrutierungsgebühren zahlen, damit diese Jobs im Ausland arrangieren. Die Zahlung kann Flüge nach und Unterkunft in Südkorea beinhalten.

Diese Migranten, die sich nach Überschreitung einer 90-Tage-Zeitspanne für visumfreies Reisen für Thais in Südkorea nach diesen drei Monaten illegal im Land aufhalten, können mindestens 1,2 Millionen Won (ca. 33.000 Baht) pro Monat verdienen, was mehr als dem Dreifachen des Mindestlohns in Thailand entspricht.

Das thailändische Außenministerium erklärte, die Botschaften seien verpflichtet, Staatsbürger unabhängig von ihrem Status zu betreuen, aber es sei schwierig, Zugang zu Arbeitnehmern ohne Papiere zu erhalten.

Die thailändische Botschaft in Seoul stellt Zahlen über Todesfälle von Migranten auf der Grundlage von Berichten von Krankenhäusern oder der Polizei über Todesfälle zusammen. Nach allen Todesfällen, ob zu Hause oder im Betrieb, wird eine Autopsie durchgeführt, die Ergebnisse werden jedoch nach Angaben der Botschaft nicht veröffentlicht.

„Viele illegale thailändische Arbeiter sterben unerwartet im Schlaf, wahrscheinlich aufgrund von Erschöpfung und Gesundheitsproblemen ohne geeignete Medikamente“, sagte Bancha Yuenyongchongcharoen, ein thailändischer Mitarbeiter in der Botschaft in Seoul. „Diese Arbeiter verrichten harte und schmutzige Arbeit und haben keinen Zugang zur staatlichen Gesundheitsversorgung“, fügte er hinzu.

Das Asan Migrant Workers Center (AMWC) gab an, es gebe Bedenken, dass Arbeiter ohne Papiere aus anderen Nationen wie Nepal, Indonesien und Vietnam ebenfalls an unbekannten Ursachen sterben würden.

„Wenn man kein Visum hat, ist der Zugang zu medizinischer Versorgung gesperrt und es kostet zehn Millionen Won (ca. 270.000 Baht), sich in einem Krankenhaus operieren zu lassen“, sagte Woo Sam-yeol, Manager der Bürgergruppe.

„Viele kranke Migranten ohne Papiere, unter ihnen Thais, ertragen ihre Schmerzen, bis diese einen tödlichen Tribut fordern.“

Nach dem Tod eines burmesischen Arbeitnehmers im Jahr 2018 empfahl die südkoreanische Menschenrechtskommission dem Justizministerium, wie weitere Todesfälle beendet werden können. So sollte das juristische Vorgehen gegen Arbeitnehmer ohne Papiere ausgesetzt werden.

Das Ministerium reagierte auf einige der Empfehlungen und sagte, es werde sein Sicherheitsprotokoll für Razzien ändern und die Ausbildung der Beamten verbessern.

Kleine Geister

Illegale thailändische Migrantenarbeiter in Südkorea beschrieben, dass sie weniger als den Mindestlohn erhalten und viele Stunden unter schwierigen Bedingungen arbeiten, ob schmutzig oder gefährlich.

Nid, die nur ihren Spitznamen nannte, arbeitete als Putzfrau in einem Motel in der Innenstadt von Cheongju, als sie im Juli 2020 an Fieber erkrankte.

Die 32-Jährige hatte 15-Stunden-Schichten mit nur einem freien Tag im Monat gearbeitet – ein klarer Verstoß gegen das koreanische Arbeitsrecht. Sie sagte, ihr Fieber habe sie fast vier Monate lang arbeitsunfähig gemacht.

„Ich dachte, ich würde schlafen gehen und niemals aufwachen“, sagte Nid, die jetzt als Masseuse arbeitet. Das ist ihr zehnter Job seit 2016, als sie Maklern 100.000 Baht bezahlte, um in Südkorea Arbeit zu finden.

Nid sagte, sie habe die thailändische Botschaft in Seoul kontaktiert, nachdem sie krank geworden war, und um Hilfe gebeten, damit sie in die Heimat zurückzukehren kann. Sie sagte, sie sei auf eine Warteliste gesetzt worden, auf der nach Angaben der Botschaft derzeit etwa 10.000 Thais in Südkorea stehen.

„Es ist, als hätten sie bereits ein Urteil gefällt. Wir sind ‚pi noi’ und haben uns entschieden, illegal hier zu sein, also müssen wir uns mit der Situation abfinden“, sagte sie.

Einige Organisationen, wie das Migrant Welfare Center der Stadt Namyangju, bieten Migranten ohne Papiere kostenlose Gesundheitsversorgung an. Corona hat jedoch die Versorgung unterbrochen.

„Es gibt zum Beispiel viele Arbeiter ohne Papiere, die Medikamente gegen Diabetes benötigen, aber da wir unseren kostenlosen Dienst aufgrund von Corona einstellen mussten, verschlechtert sich ihr Zustand“, sagte Lee Young, ein Priester, der mit der Gruppe zusammenarbeitet.

Im April 2020 gelobten die südkoreanischen Gesundheitsbehörden, „blinde Flecken unter Quarantäne“ zu bekämpfen, indem sie Migranten ohne Papiere den Zugang zu Corona-Tests ohne Angst vor Konsequenzen garantierten.

Das südkoreanische Justizministerium teilte mit, dass Migranten ohne Papiere das Land nach Ausbruch der Pandemie freiwillig ohne Strafen verlassen konnten, allerdings lief diese Option im Juni 2020 ab.

Die thailändische Botschaft in Seoul sagte, sie habe letztes Jahr mindestens 10.000 Migranten geholfen, aus Südkorea nach Thailand zurückzukehren.

Außerhalb des Gesetzes

Das thailändische Arbeitsministerium sagte, dass Thais, die legal in Südkorea arbeiten, Anspruch auf staatliche Entschädigung im Falle von Krankheit haben. Versterben sie, geht dieser Anspruch auf die Familie über.

„Das Problem ist, dass die meisten Menschen illegale Arbeitnehmer sind und daher nicht gesetzlich geschützt sind“, sagte Suchat Pornchaiwiseskul, Leiter der Arbeitsabteilung des Ministeriums.

Die thailändische Regierung sagte, sie habe in den letzten Jahren verschiedene Maßnahmen ergriffen, um zu verhindern, dass ihre Bürger illegal im Ausland arbeiten, wie beispielsweise die Produktion von Bildungsvideos und das Vorgehen gegen skrupellose Rekrutierungswebsites.

Arbeitsrechtsaktivisten sagten jedoch, solche Maßnahmen würden das Problem der illegalen Migration nicht lösen, und forderten die thailändische Regierung auf, es den Menschen zu erleichtern, legal im Ausland zu arbeiten.

„Mit illegalen Migranten, die in den Augen der Thais keine Menschen sind, ist ein Stigma verbunden“, sagte Roisai Wongsuban vom The Freedom Fund. „Die thailändische Regierung hat kein Verständnis dafür, wie wichtig es ist, die Migration sicherer zu machen“, sagte der Programmberater.

Ein ehemaliger Migrantenarbeiter, der anonym bleiben wollte, sagte, er habe 2014 einem thailändischen Makler 120.000 Baht für einen Job in Südkorea gezahlt und schließlich auf einer Schweinefarm in der südöstlichen Stadt Daegu gearbeitet. Freie Tage gab es nicht.

Als er nach drei Monaten sein Gehalt nicht bekam lief der 51-Jährige weg. Bevor er ging, sagte er, habe er auf Thai eine Nachricht an seiner Schlafzimmerwand hinterlassen, um seine Kollegen zu warnen: „An thailändische Freunde: Wenn Sie hier arbeiten, werden Sie nicht bezahlt.“

Post source : https://www.reuters.com/article/us-thailand-southkorea-workers/exclusive-hundreds-of-thai-workers-found-dying-in-south-korea-with-numbers-rising-idUSKBN28W033

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