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Berliner Radfahrer in der Pandemie

Berliner Radfahrer in der Pandemie

Hauptverkehrszeit an einem grauen Morgen in der deutschen Hauptstadt. Ein Strom von Radfahrern gleitet die Friedrichstraße entlang, die sagenumwobene Einkaufsstraße, die durch die Innenstadt führt.

„Weg da!“, rief einer von ihnen, nachdem er verbotenerweise auf den Bürgersteig wechselte und dort auf einen wehrlosen Fußgänger zusteuerte.

Bernd Lechner, ein 40-jähriger Versicherungskaufmann, schaffte es gerade noch rechtzeitig, dem rasenden Fahrrad auszuweichen. Er hat genug von der „zunehmend aggressiven“ Haltung der Radfahrer in der deutschen Hauptstadt, wie er es ausdrückte.

„Es wird immer schlimmer. Ich habe mehr Angst vor Fahrrädern als vor Autos“, sagte er.

Berlin ist seit langem als fahrradfreundliche Stadt bekannt. Ob das so stimmt, soll so hingestellt bleiben, denn es ist ganz schön gefährlich, in Berlin zu radeln. Der starke Anstieg der Anzahl von Radfahrern während Corona führt jedenfalls zu Spannungen auf der Straße.

Die Zahl der Berliner, die mit dem Fahrrad zur Arbeit oder zum Einkaufen fahren, ist nach Angaben der Stadtverwaltung seit Beginn von Corona um rund ein Viertel gestiegen.

Das ist natürlich eine sehr gute Nachricht. Die Leute treiben Sport und tun damit etwas für ihre Gesundheit und für eine bessere Luftqualität. Da sie keine öffentlichen Verkehrsmittel benutzen, sinkt dort die Infektionsgefahr.

Leider gibt es auch eine schlechte Nachricht. Die Berliner Polizeipräsidentin Barbara Slowik vermeldete einen starken Anstieg der von Radfahrern begangenen Straftaten und einen Anstieg der Beschwerden von Fußgängern wegen rücksichtsloser Radfahrer.

Fahrradkennzeichen

In einem Interview mit der „Berliner Morgenpost“ schlug Slowik schon im Oktober letzten Jahres eine Registrierungspflicht für Radfahrer vor, um es den Behörden zu erleichtern, diejenigen zu identifizieren, die gegen Vorschriften verstoßen.

„Mehr als die Hälfte aller Verkehrsunfälle mit Radfahrern werden von den Radfahrern selbst verursacht“, sagte sie.

Und einige zahlen mit ihrem Leben: 17 Radfahrer sind letztes Jahr in Berlin bei Verkehrsunfällen ums Leben gekommen, elf mehr als 2019.

Der Vorschlag zur Registrierungspflicht dürfte jedoch aufgrund der damit verbundenen „immensen Bürokratie“ nicht umgesetzt werden, sagte Ragnhild Sörensen von Changing Cities, einer NGO, die sich für nachhaltigen Verkehr einsetzt.

In Berlin gibt es ungefähr drei Millionen Fahrräder, verglichen mit nur 1,1 Millionen zugelassenen Autos, betonte sie.

Doch die Kommentare der Polizeipräsidentin haben eine heftige Debatte über das Verhalten von Radfahrern in der Stadt ausgelöst.

„Wir werden herumgeschubst, beleidigt. Viele Leute denken, sie sind bessere Leute, nur weil sie Fahrrad fahren … Diese Anarchie muss aufhören“, schrieb kürzlich der „Tagesspiegel“.

Radfahrer verunglimpft

Sörensen zufolge versuchen Kritiker lediglich, „Radfahrer zu verunglimpfen, um die Aufmerksamkeit von den Verzögerungen bei der Ausarbeitung eines neuen Verkehrskonzeptes abzulenken“, um die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel zu erhöhen.

Nur drei Prozent des öffentlichen Raums in der Stadt sind Radfahrern vorbehalten. Sie machen aber 18 Prozent des Verkehrs aus, sagte Anika Meenken vom Verkehrsverband Verkehrsclub Deutschland.

„Aggressivität findet statt, wenn der Platz zu eng ist, was natürlich zu mehr Stress führt“, sagte sie.

Im Gegensatz dazu machen Autos rund 33 Prozent des Verkehrs in der Stadt aus, nehmen aber 58 Prozent der Fläche ein.

Oliver Woitzik, Verkehrsleiter der Berliner Polizei, argumentierte jedoch: „Wir können nicht überall Straßen, Radwege und Gehwege bauen. Was viel helfen würde, wäre, dass die Menschen aufhören, ihr eigenes Ego an oberste Stelle zu setzen, und auch wissen, wann sie ihren rechtmäßigen Platz aufgeben müssen“, sagte er.

Wenn es zu Gefahrensituation kommt, scheint diese Fähigkeit manchmal auf beiden Seiten zu fehlen, ob sie nun mit vier oder zwei Rädern unterwegs sind.

Auf jeden Fall werden Radfahrer, die gegen die Regeln verstoßen, künftig schneller mit einer Geldstrafe belegt, da Berlin den Einsatz von Beamten auf Fahrrädern in der Stadt ausweitet, sagte er.

Ihre Zahl, derzeit rund 40, wird voraussichtlich„im Frühjahr auf 100 steigen und in den nächsten Jahren weiter wachsen.

Post source : https://www.thelocal.de/20210101/road-rage-in-german-capital-as-cyclists-clog-streets-in-pandemic

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