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Der Hass auf die Burmesen

Der Hass auf die Burmesen

„Wo immer Sie Burmesen sehen, erschießen Sie sie“, schrieb ein thailändischer Kommentator auf YouTube nach einer Flut von Corona-Fällen unter Migrantenarbeitern aus Burma.

Der Ausbruch, der erstmals Mitte Dezember auf einem Fischmarkt in Samut Sakhon in der Nähe von Bangkok festgestellt wurde, hat zu einem Aufflammen solcher Online-Hassreden sowie zu Fragen über die Behandlung von Millionen von Migrantenarbeitern im traditionell toleranten Thailand geführt.

„Menschen aus Burma werden für die Übertragung von Corona verantwortlich gemacht, aber das Virus diskriminiert nicht“, sagte Sompong Srakaew vom Labour Protection Network, einer thailändischen Organisation, die Migrantenarbeitern hilft.

Einer der vielen Kommentare in den sozialen Medien forderte dazu auf, dass infizierte Migrantenarbeiter nicht medizinische behandelt werden und Menschen bestraft werden sollten, die sie nach Thailand gebracht haben.

Die Rhetorik spiegelt ein Muster seit Beginn der Pandemie wider, bei der Ausländer für die Verbreitung des Virus verantwortlich gemacht werden.

Premierminister General Prayuth Chan-ocha sagte, die illegale Einwanderung stünde hinter dem Ausbruch in einem Land, das zuvor Corona unter Kontrolle gebracht hatte.

Die unabhängige Organisation Social Media Monitoring for Peace teilte mit, sie habe Hunderte von Kommentaren auf YouTube, Facebook und Twitter gefunden, die als sogenannte Hassrede eingestuft werden könnten.

„Die Kommentare enthielten eine rassistische Ausdrucksweise, die Diskriminierung auslösen und den Nationalismus fördern soll“, sagte Saijai Liangpunsakul von der Organisation. „Wir befürchten, dass Online-Diskriminierung zu weiterer Diskriminierung in der realen Welt und sogar zu Gewalt führen könnte.“

Facebook kommentierte, man habe die Hasspostings wegen Verstoßes gegen die Richtlinien zur Hassrede entfernt.

„Wir wissen, dass Hassrede gegen schutzbedürftige Gemeinschaften schädlich sein kann“, sagte ein Facebook-Sprecher und fügte hinzu, man habe dort 95 Prozent der entsprechenden Kommentare nach Entdeckung gelöscht.

Facebook wurde heftig für die Rolle kritisiert, die es bei der Verbreitung von Hassrede spielte, die 2017 die Gewalt gegen die Rohingya in Burma schürte. Der Online-Dienst hat seitdem in Systeme investiert, mit denen solche Inhalte schnell erkannt und entfernt werden können.

Nicht alle Kommentare in den sozialen Medien waren negativ, einige Thais verteidigten die burmesischen Arbeiter.

Seit dem Ausbruch auf einem Garnelenmarkt in Samut Sakhon, kaum 35 Kilometer vom Zentrum Bangkoks entfernt, wurden Tausende Infektionen festgestellt, die sich auf diesen Markt zurückführen lassen.

„Wir sind wirklich traurig, dass wir, Arbeiter aus Burma, beschuldigt werden“, sagte der Burmese Nay Lin Thu, der jetzt freiwillig seinen Landsleuten hilft. „Uns wird gesagt, dass das nur passierte, weil wir Burmesen sind. Meistens antworten wir nicht, aber einige von uns können ihren Ärger nicht einfach runterschlucken.“

Offiziell arbeiten in Thailand fast 1,6 Millionen Burmesen, das sind fast zwei Drittel aller Migrantenarbeiter. Die tatsächliche Zahl ist aufgrund der illegalen Einwanderung höher. Die meisten Migranten sind einfache Arbeiter oder arbeiten in der Dienstleistungsbranche.

„Thais würden solche Arbeiten nicht annehmen wollen“, sagte Taweesin Wisanuyothin von der thailändischen Corona-Taskforce, als er in einer Fernsehsendung für Toleranz gegenüber den Burmesen plädierte. „Heutzutage gehören sie zur Familie. Sowohl Burmesen als auch Thais sind Buddhisten.“

Thailand wird traditionell als tolerant gegenüber Ausländern angesehen, aber in den sozialen Medien wurde eine historische Feindschaft wiederbelebt, die auf die Eroberung von Ayutthaya, der Hauptstadt des damaligen Siam, durch burmesische Streitkräfte im 18. Jahrhundert zurückzuführen ist. Tatsächlich kann so mancher Thai es immer noch nicht ertragen, dass die siamesische Hauptstadt im Jahr 1767 von den Burmesen erobert wurde.

Burma hat einen viel schlimmeren Corona-Ausbruch als Thailand mit über 2500 Toten und fast 120.000 bestätigten Fällen zu verzeichnen. Im Vergleich: Thailand beklagte bis zum 15. Januar 69 Todesfälle und zählte rund 11.000 Corona-Positive.

Weshalb die neuen Fälle in Thailand Ende letzten Jahres urplötzlich so geballt auftraten, ist unklar.

Deutlich wurde allerdings, dass in Thailand offenbar das passiert ist, was man schon in Singapur und Malaysia beobachten konnte. Bei den dort lebenden Migrantenarbeitern konnte sich das Virus ebenfalls anfangs unentdeckt ausbreiten, weil die Menschen jung und gesund waren und nur wenige von ihnen Symptome zeigten, wenn überhaupt.

Patient 0 des neuen Ausbruchs in Thailand war eine 67 Jahre alte Frau, die allein wegen ihres Alters schon zur Risikogruppe gehört.

Obwohl Thailand in den letzten Monaten des Jahres 2020 nur wenige oder keine lokale Übertragungen meldete, wurden in Burma Fälle bei Bürgern entdeckt, die aus Thailand zurückkehrten.

Sein Htay vom in Rangun ansässigen Migrant Worker Rights Network vermutet, dass sich das Virus wegen der schlechten Lebensbedingungen der burmesischen Arbeiter in Thailand ausbreiten konnte – ähnlich wie in Singapur und Malaysia. Soziale Distanzierung ist schwierig, oft leben drei oder vier Arbeiter in einem Zimmer. Diese Leute brachten das Virus dann nach Burma, wenn sie in die Heimat zurückkehrten.

Trotz der Anschuldigungen gegen burmesische Arbeiter, die Grenze illegal überquert zu haben, haben dies auch die Thais getan.

Drei thailändische Frauen, die in Burma in einem Hotel gearbeitet hatten, waren nach Thailand zurückgekehrt, indem sie illegal die Grenze überquert hatten. Sie begaben sich nicht in Quarantäne und infizierten mehrere Menschen.

Doch von diesen Frauen, und sie dürften nicht die einzigen gewesen sein, war plötzlich keine Rede mehr, als man alles den Burmesen in die Schuhe schieben konnte.

Post source : https://forum.thaivisa.com/topic/1198272-anti-myanmar-hate-speech-flares-in%C2%A0thailand%C2%A0over-virus/

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