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Wir werden gerettet!

Wir werden gerettet!

Die Menschheit wird an Corona zugrunde gehen, dachte ich erst. Nicht, weil es sich bei dem neuartigen Coronavirus um ein besonders gefährliches Virus handelt, und auch nicht, weil die Krankheit Covid-19 (Corona Virus Disease 19) so tödlich ist, dass sich die Leichen auf den Straßen stapeln.

Ganz im Gegenteil. Mehr und mehr Leute fragen sich, um welche Krankheit es sich bei dieser Pandemie genau handelt, wenn Ärzte den Leuten nach Tests sagen müssen, dass sie krank sind. Ohne diese Auskunft würden sie es gar nicht wissen.

Damit nicht noch mehr Menschen krank werden, ohne es zu wissen, gibt es Leute, die sich selbst isolieren. Die quasi in einen privaten Lockdown gehen. In anderen Worten: sich selbst eine Ausgangssperre auferlegen.

So wie einer meiner Freunde. Er schrieb mir kürzlich eine E-Mail und meinte, ihm gefallen die Corona-Zahlen in Thailand nicht. Daher werde er zum einen nicht mehr aus dem Haus gehen und zum anderen keinen Besuch mehr empfangen.

Nun gehört er zur Risikogruppe, weil er eine chronische Erkrankung hat. Sich selbst zu Hause einzusperren ist aber womöglich der falsche Weg. Das Immunsystem wird nicht mehr gefordert, man wird noch anfälliger für Erkrankungen.

Hinzu kommt der Bewegungsmangel. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er täglich eine gewisse Zeit in seinem Zimmer herumrennt, Liegestützen oder Kniebeugen macht. Er wird vielmehr vor dem Computer sitzen, Spiele spielen oder die neuesten Corona-Schreckensmeldungen konsumieren, bevor er sich mit Süßigkeiten bewaffnet auf die Couch fallen lässt und Netflix guckt.

Zur Vorerkrankung kommen bei meinem Freund das unterforderte Immunsystem und Bewegungsmangel. So gehört er nicht nur einer Risikogruppe an, das Risiko wächst immer weiter. Uns wurde doch von Kindheit an eingeimpft, dass Bewegung gesund und gut gegen alles ist. Und plötzlich soll das nicht mehr gelten?

Und wegen der Süßigkeiten vor der Glotze droht Übergewicht bzw. eine Ausweitung desselben. Erst kürzlich warnte ein thailändischer Arzt, dass Übergewicht ein sehr großer Corona-Risikofaktor ist. Selbst junge Menschen und Jugendliche seien für Covid-19 weitaus anfälliger, wenn sie zu dick sind. Er sagte: „Mit jedem Kilo wächst das Risiko.“

Abgesehen davon können Süßigkeiten in Kombination mit Übergewicht und Bewegungsmangel zu Diabetes führen. Das ist eine entsetzliche und schmerzhafte Krankheit, deren Folgen häufig nur Leute abschätzen können, die daran erkrankt sind. Man sollte diese Erkrankung oder eine drohende Diabetes keineswegs auf die leichte Schulter nehmen.

Aber wegen der Angst vor Corona scheinen Menschen offenbar zu allem bereit.

So gab die Regierung des australischen Bundesstaates New South Wales einen Ratgeber heraus, wie Sex in Zeiten von Corona auszusehen habe. Erst dachte ich, es handle sich um eine Satire. Aber wie so oft in diesen Zeiten, scheint die Wahrheit die Satire nicht nur einzuholen, sondern zu überflügeln. Das sind schwierige Zeiten für Komiker.

Nun kommt man sich beim Sex sehr nahe, und damit steigt das Ansteckungsrisiko, so der Ausgangspunkt des Ratgebers der Regierung von New South Wales. Der Öffentlichkeit wird aus diesem Grund geraten, das Risiko der Verbreitung von Coronaviren beim Sex zu minimieren, indem die Leute vor ihren Partnern masturbieren und dabei stets einen Mindestabstand von 1,50 Metern einzuhalten. Es wird empfohlen, bei diesem Procedere Masken zu tragen.

Im Ratgeber heißt es: „Vermeiden Sie Sex während Corona, masturbieren Sie stattdessen vor Ihrem Partner, während Sie sich sozial distanzieren, und tragen Sie eine Maske.“ Sex berge, wenn man nicht alleine sei, ein Risiko. Daher solle man sich „vor dem Partner vergnügen“ und „keinen Kontakt mit der anderen Person herstellen.“ Das sei eine „Win-Win-Situation“, weil das Risiko verringert werde, an Corona oder an einer Geschlechtskrankheit zu erkranken. Außerdem würden so ungewollte Schwangerschaften vermieden.

Wenn alle diese Regeln befolgen und man sich dann vor allem den letzten Punkt vor Augen hält, dann ist es um die Menschheit geschehen. Es gibt keine Küsse mehr vor romantischer Kulisse, Kinder werden auch nicht mehr gezeugt. Wir sitzen nur noch bewegungslos auf der Couch und sterben an einem Herzinfarkt, weil wir von einem Berg von Süßigkeiten und Kartoffelchips begraben werden.

Wäre es nicht ein Treppenwitz der Weltgeschichte, wenn die Menschheit nicht wegen einer tödlichen Pandemie ausstirbt, sondern wegen unbegründeter Angst vor einer solchen?

Es wäre doch interessant zu erfahren, woher diese kollektive länder- und kulturübergreifende Paranoia vor einem Virus kommt, das doch ehrlich gesagt weniger tödlich ist als Krebs, Herzinfarkte oder (in Thailand) der Straßenverkehr.

Aber zum Glück gibt es einen Lichtschimmer am Horizont: die Impfung. Juhu, wir werden gerettet!

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