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Nichts zu verbergen

Nichts zu verbergen

Ein Bekannter von mir hat Alexa zu Hause. Wenn ich bei ihm zu Besuch bin, komme ich mir immer total überwacht vor. Eigentlich reagiert Alexa nur auf Befehle, wenn man vorher laut und deutlich „Alexa“ sagt. Unter anderem lautet einer dieser Befehle „Katze“. Dann fängt Alexa an zu miauen und zu schnurren.

(Falls jemand einen Beweis brauchte, dass es sich bei Alexa um unnötigen kindlichen Kram handelt bzw. um ein Spielzeug für Männer, die nicht erwachsen geworden sind, das war er.) Darum geht es aber nicht.

Wenn mitten in einer Unterhaltung das Wort „Katze“ fällt, zum Beispiel „Ich habe vorhin eine Katze gesehen“, dann fängt Alexa an zu miauen. Ohne vorher „Alexa“ zu sagen und das Gerät auf einen Befehl vorzubereiten. Das bedeutet: Alexa hört die Gespräche komplett ab und reagiert auf bestimmte Schlagwörter.

Als ich meinen Freund darauf hinwies, kam die wunderbare Ausrede, dass es ihm egal sei, weil er nichts zu verbergen habe.

Daraufhin nagelte ich ihn mit einem Zitat von Edward Snowden fest. Der hatte gesagt: Wenn man argumentiert, Privatsphäre sei nicht so wichtig, weil man nichts zu verbergen habe, dann ist es das gleiche als ob man sagt, das Recht auf freie Meinungsäußerung sei nicht so wichtig, weil man nichts zu sagen hat.

Das hörte mein Freund natürlich nur ungern. Damit war die Diskussion aber beendet, weil er offenbar tatsächlich nichts zu sagen hatte.

Am Lenker seines Motorrades hatte er immer eine kleine gelbe Quietscheente, die einen niedlichen kleinen Motorradhelm trug. Eines Tages war diese Ente verschwunden. Ich fragte ihn, ob er sie verloren habe. Er sagte, nein, er habe sie versteckt. Weil sie ein Symbol für die Anti-Regierungsdemonstrationen ist.

Offenbar hat er Angst, dass die Polizei die Ente am Lenker sieht, ihn herauswinkt und an die Wand stellt.

Ich sagte ihm, nun habe er ja doch etwas zu verbergen. Keine Schusswaffe, keine Drogen, kein verbotenes Buch, sondern eine gemeine Gummieente.

Post source : Gustav Tietz

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