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Die Wirtschaft sollte die Regierung beunruhigen

Die Wirtschaft sollte die Regierung beunruhigen

Wirtschaft und Politik sind untrennbar miteinander verbunden. Die gegenwärtigen landesweiten Demonstrationen gegen die Regierung scheinen nur politische Agenden zu haben, aber die zugrunde liegende treibende Kraft der aufkeimenden Demonstrationen könnte die Wirtschaft sein.

Wirtschaftswissenschaftler Chartchai Parasuk fragt: Warum gerade jetzt?

Der Premierminister ist seit Anfang 2019 im Amt und, wenn man seine vorherige Amtszeit als Putschist mitzählt, dann seit Mitte 2014. Die derzeitige Verfassung ist seit 2017 in Kraft.

Wäre der natürliche Zeitpunkt für einen Protest gegen den Premierminister und die Verfassung nicht unmittelbar nach der Auflösung der Future Forward Party im Februar dieses Jahres gewesen? Zumal diese Partei eine Hoffnung für zahlreiche junge Wähler war.

Warum demonstrieren erst acht Monate nach der Auflösung Hunderttausende Demonstranten? Welche „zusätzlichen“ Beweggründe haben diese Ereignisse ausgelöst? Die Antwort könnte die schlechte Wirtschaftslage sein. Es folgen zwei Beispiele.

Die erste Geschichte, die ich ausführen will, ereignete sich in Bangkok in einem öffentlichen Bus in Richtung Kreuzung Bang Na. Wegen einer großen Demonstration in der Nähe der Kreuzung war der Verkehr schrecklich. Einer der Passagiere beschwerte sich lautstark über die durch die Demonstration verursachten Verkehrsstörungen.

Der Busfahrer drehte sich um und fragte: „Fühlen Sie sich wohl in diesem kaputten Bus, der nie pünktlich kommt?“

Die Fahrkartenverkäuferin fügte schnell hinzu: „Vielleicht könnte die Demonstration eine bessere Zukunft bringen.“

Eine andere Geschichte. Einer der Demonstranten ging in ein Geschäft, um ein Megaphon zu kaufen. Der Verkäufer fragte, ob dies für die Demonstrationen verwendet werden sollte. Der Demonstrant bejahte. Der Verkäufer sagte, er könne die wirtschaftliche Situation nicht mehr tolerieren und bat alle Mitarbeiter im Geschäft, bei der Bezahlung des Megaphons zu helfen. Alle Mitarbeiter legten zusammen ohne weiter nachzufragen.

Wenn wir Hunderttausende von Demonstranten sehen (und Millionen weiterer stiller Unterstützer wie den Busfahrer, die Fahrkartenverkäuferin und die Mitarbeiter des Megaphongeschäfts), sind sie möglicherweise nicht da draußen, weil sie ähnliche politische Standpunkte teilen. Aber sie könnten wegen ihrer starken wirtschaftlichen Unzufriedenheit dort sein.

In diesem Fall steckt die Regierung in großen Schwierigkeiten, da sich die wirtschaftliche Situation nur noch weiter verschlechtern wird. Hier ist der Grund.

Erstens sind Geschäftsinhaber mit ihrem Latein am Ende. Es wird noch lange dauern, bis ausländische Touristen nach Thailand kommen. Nach den derzeitigen Prognosen der Bank of Thailand werden ausländische Touristen Thailand erst im dritten Quartal nächsten Jahres wieder besuchen.

Noch problematischer ist, dass weniger als die Hälfte der Touristen zurückkommen wird. Die jüngsten Corona-Ausbrüche in Europa und den USA werden dies wahrscheinlich weiter beeinflussen, so dass möglicherweise erst 2022 eine große Anzahl ausländischer Touristen nach Thailand reist.

Unternehmen können nicht so lange warten. Tatsächlich können es sich Firmen nicht einmal leisten, bis zur zweiten Hälfte des nächsten Jahres zu warten. Den meisten von ihnen wird bis Ende dieses Jahres das Geld ausgehen. Massive Entlassungen sind zu erwarten.

Sie glauben mir nicht? Fragen Sie Thai Airways. All Nippon Airlines hat gerade Bankdarlehen in Höhe von 3,8 Milliarden US-Dollar erhalten, um die Fluglinie bis zur zweiten Hälfte des kommenden Jahres am Leben zu erhalten. Thai Airways hat wie die meisten thailändischen Unternehmen keine solchen Kreditpolster und versucht jetzt verzweifelt alte Flugzeuge zu verkaufen, die bei der derzeitigen Lage wohl niemand haben will.

Das ausländische Touristeneinkommen – das sich bis 2019 auf etwa zwei Billionen Baht pro Jahr belief – war entscheidend für das Überleben der thailändischen Wirtschaft. Nicht nur, weil der Betrag etwa zwölf Prozent des BIP entspricht, sondern weil es sich um „Nettogeld“ handelte.

Zum Vergleich: Bei dem Export von Waren müssen wir zunächst Rohstoffe importieren, um diese Waren erst einmal zu produzieren, die wir dann exportieren können. Etwa die Hälfte des Geldes verbleibt in der thailändischen Wirtschaft. Um die zwei Billionen Baht Tourismuseinnahmen zu ersetzen, muss Thailand daher vier Billionen Baht mehr Waren exportieren, was einer Exportsteigerung von 50 Prozent entspricht.

Das ist nicht möglich? Genau. Die Regierung ist besser dran, Zeit damit zu verbringen, dieses langfristige und kritische Problem des Landes zu lösen, als zu versuchen, die Demonstrationen zu beenden und die Medien zu kontrollieren.

Zweitens könnte der Regierung das Geld ausgehen, um sinnvolle wirtschaftliche Impulse oder Hilfspakete zu schnüren. Ich muss zu diesem Thema nicht viel erklären. Im zweiten Quartal gab die Regierung 600 Milliarden Baht für Konjunkturpakete aus. Die drei für dieses Quartal angekündigten Pakete hatten zusammen einen Wert von nur 60 Milliarden Baht, ein Zehntel des vorherigen Budgets. Die 600 Milliarden Baht Ausgaben im zweiten Quartal hatten nicht die gewünschten Auswirkungen, da die Wirtschaft immer noch um 12,2 Prozent schrumpfte. Man sollte nicht auf ein Konjunkturpaket hoffen, das nur ein Zehntel des vorherigen Umfangs hat.

Drittens müssen Schuldner (auch bekannt als Verbraucher und Geschäftsinhaber) damit beginnen, ihre Schulden zurückzuzahlen. Dieses Problem ist immens.

Nach Angaben der Bank of Thailand haben Schuldner, die zusammen mit 6,89 Billionen Baht in der Kreide stehen, das sind etwa 27 Prozent der gesamten Privatschulden in diesem Land, Zahlungsaufschub und Umschuldung beantragt.

Das Zahlungsaufschubprogramm der Bank of Thailand zur Kreditzahlung endete inzwischen, und die Schuldner müssen anfangen, Zinsen und Kapital zu zahlen, was bedeutet, dass weniger Geld für den Verbrauch zur Verfügung steht.

Leider liefert die Bank of Thailand keine ausreichenden detaillierten Daten, um die Auswirkungen abzuschätzen, aber ich kann mit Sicherheit sagen, dass die Höhe der Rückzahlung von Schulden um die 100 Milliarden Baht pro Monat beträgt, was die Wirtschaft um sieben Prozent belasten könnte. Seien Sie versichert, dass nicht alle 12,5 Millionen Schuldner im Rahmen dieser Programme ihre Darlehenszahlungen wieder aufnehmen werden. Daher sind die Auswirkungen auf den Verbrauch möglicherweise nicht so stark.

Warum schaden Schuldentilgungen jetzt dem Konsum? In normalen Jahren haben Banken mit Rückzahlungsgeldern neue Kredite für ein größeres Kreditportfolio vergeben. Das Geld, mit dem Kredite zurückgezahlt wurden, ist quasi recycelt worden, um den Verbrauch anzukurbeln. Das ist in diesem Jahr nicht geschehen.

Es ist leicht, Corona dafür verantwortlich zu machen. Chinas Wirtschaft wuchs jedoch im zweiten Quartal um 3,2 Prozent und im dritten Quartal 2020 sogar noch weiter auf 4,9 Prozent. China hat bewiesen, dass die Corona-Krise wirtschaftlich bewältigt werden kann und die Krankheit nicht der einzige Faktor für eine schwindende Wirtschaft ist.

Alles, was man braucht, ist eine gut ausgearbeitete Wirtschaftspolitik und eine fähige Regierung.

Wenn die „ungeschriebene“ treibende Kraft der Massenproteste die wirtschaftliche Unzufriedenheit ist, können weder Notverordnungen der Regierung noch Zensur helfen. Es ist Zeit, die Strategie zugunsten des thailändischen Volkes zu ändern.

Post source : https://www.bangkokpost.com/opinion/opinion/2006231/economy-not-rallies-should-worry-govt

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