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Feiern Moslems Loy Krathong?

Feiern Moslems Loy Krathong?

Während sich Nachtschwärmer im ganzen Land auf das Loy-Krathong-Festival freuen, bedeutet dieser Tag nichts für fast vier Millionen Thais, die lieber zu Hause bleiben.

Für die zweitgrößte religiöse Gruppe des Landes ist das Wasserfest bedeutungslos, und es ist profan, ihm durch Fröhlichkeit zu huldigen. Loy Krathong zu feiern bleibt für Moslems ein Tabu – ein Dogma, das von der höchsten islamischen Autorität durchgesetzt wird und dem viele junge Moslems folgen.

„Ich feiere Loy Krathong nicht. Da der Islam eine monotheistische Religion ist, glauben wir an den einen Gott“, sagte Noorulhuda Chalermthai (26) in einem Interview. „Der Zweck von Loy Krathong ist, soweit ich weiß, der Göttin des Wassers zu huldigen und sie anzubeten.“

Ein anderer Moslim, der 21-jährige Pitchaya Vimonthammawath, wiederholte eine ähnliche Botschaft: „Meine Familie und Freunde sagten mir, dass wir dort nichts zu schaffen haben, dass das nicht für uns ist, sondern für thailändische Buddhisten.“

Auf der anderen Seite sagten Anhänger einer anderen großen monotheistischen Religion in Thailand – Christen –, sie hätten keine Probleme mit Loy Krathong, obwohl sie geringfügige Vorbehalte gegen einige Gesten im Ritual haben, die als Akt des Götzendienstes interpretiert werden könnten.

In einem Land, in dem Religionen und animistischer Glaube bis zur Unkenntlichkeit verschmolzen sind und dessen Kalender mit Feiertagen gespickt ist, die von mehreren Glaubensrichtungen inspiriert sind, ist es verzeihlich zu vergessen, dass Loy Krathong tief im Hinduismus verwurzelt ist. Die farbenfrohen Krathongs sind eine Hommage an die indische Wassergöttin Ganga, die die Thais Phra Mae Kongka nennen.

Aufgrund der traditionellen Verbindungen zur Gottesverehrung untersagten islamische Geistliche die Teilnahme an dem Festtag, sagte Wisut Binlateh, ein Beamter des Sheikul Islam Office, der Autorität in Fragen des islamischen Glaubens.

„Wir glauben nicht an andere Götter, die über Berge und Flüsse herrschen“, sagte Wisut in einem Interview. „Es gibt nur einen Gott, an den wir glauben. Der hat alles erschaffen.“

Der traditionelle Glaube, dass man Sünden bzw. ein schlechtes Karma wegspülen kann, wenn man ein kleines Boot aus Bananenblättern („Krathong“) zu Wasser lässt, widerspricht auch den Grundsätzen des Islam in Bezug auf Vergebung.

„Wenn wir Sünden oder Karma haben, liegt es an unseren Handlungen. Der einzige Weg, Allah um Vergebung zu bitten, ist, Gutes zu tun“, sagte er. „Man kann seine Sünden nicht einfach wegzaubern.“

Keine Teilnahme

Eine Volkszählung des National Statistics Office of Thailand aus dem Jahr 2018 ergab, dass es in Thailand rund 3,7 Millionen Moslems gibt, das sind 5,4 Prozent der Bevölkerung. Viele von ihnen leben im Süden, wo sie fast 30 Prozent der Bevölkerung ausmachen.

Um ihren religiösen Glauben in einer Gesellschaft zu bewahren, in der bis zu 93,5 Prozent Buddhisten sind, nutzen viele Moslems jedes Jahr soziale Medien, wenn Loy Krathong vor der Tür steht, um sich gegenseitig daran zu erinnern, nicht an den Festivitäten teilzunehmen.

„Der Islam hat keine Loy-Krathong-Tradition“, heißt es in einer beliebten Botschaft, die von Moslems auf Facebook verbreitet wurde.

„Ich feiere Loy Krathong nicht, weil ich Moslem bin“, heißt eine andere Botschaft die Hunderte von Malen geteilt wurde.

In einer Antwort auf einen Facebook-Thread, in dem diskutiert wurde, wen man zu Loy-Krathong-Festivals einladen sollte, schrieb ein moslemischer User: „Ich hatte dieses Problem nie. Der Islam kennt kein Loy Krathong.“

Auch ohne diese Ermahnungen können Moslems nicht behaupten, dass sie nicht wussten, dass die Teilnahme an Loy Krathong ein Tabu ist, sagte Wisut vom Sheikul Islam Office, denn: Unwissenheit schützt vor Strafe nicht.

„Moslems können nicht einfach sagen, dass sie an den Feierlichkeiten teilnehmen und später sagen, dass sie nicht wissen, was Loy Krathong wirklich bedeutet, oder sie vorgeben, einfach Modeerscheinungen und Trends folgen“, sagte er.

Bukhari Alkaremi, 33, arbeitet bei einem Fernsehsender, der sich der Ausstrahlung islamischer Lehren widmet. Er sagte, Buddhisten mögen Loy Krathong als rein kulturelle Angelegenheit betrachten, aber für ihn ist das anders.

„Wenn etwas mit anderen Glaubensrichtungen zusammenhängt, können Moslems nicht teilnehmen, auch wenn es sich um einen Teil der Kultur handeln sollte“, sagte er. „Mitmachen heißt, die Rituale zu akzeptieren.“

Es geht nicht nur Loy Krathong: Moslems können auch nicht an anderen Festivals mit religiösen Wurzeln teilnehmen, wie Weihnachten, die buddhistische Fastenzeit oder Silvester und Neujahr. Feiern sind nur auf Eid al-Fitr und Eid al-Adha erlaubt, die auf Thai Eid Lek („kleine Eid“) und Eid Yai („große Eid“) heißen.

Und Christen?

Christen sind da weitaus toleranter, denn Loy Krathong ist für sie kein Thema. Sowohl ein katholischer Priester als auch ein protestantischer Pastor sagten, man kenne den Unterschied zwischen Kultur und Glauben.

„Wir können die Kultur vollständig vom Buddhismus trennen und die Feste feiern. Wir können auch ruhig da sitzen, wenn religiöse Gesänge angestimmt werden“, sagte Vissanu Thanya-anan, der ein Amt in der katholischen Bischofskonferenz von Thailand innehat.

Er fügte hinzu: „Kultur ist Kultur, Religion ist Religion. Die Wertschätzung von Wasser ist nicht auf eine Religion beschränkt. Jeder schätzt das Land, in dem er geboren wurde, und damit auch seine Kultur.“

Thongchai Pradabchananurat, Gründer der New Vision Church in Bangkok, sagte: „Obwohl ein Christ nicht verpflichtet ist, Loy Krathong zu feiern, kann er das Festival mit Familie und Freunden natürlich genießen“, sagte. „Wenn man nicht will, kann man zu Hause bleiben, aber es ist nicht nötig, andere dafür zu beschimpfen, dass sie feiern und die Stimmung aller anderen zu ruinieren.“

Christen sind eine Minderheit, die laut einer Volkszählung von 2018 in Thailand nur 1,1 Prozent oder rund 617.000 Menschen ausmachen.

So wie Thailand verschiedene Einflüsse importiert wie den Hinduismus, so übernimmt der lokale Zweig des Christentums auch einen Teil der „Thainess“, sagte Vissanu.

Pastor Thongchai ist auch einer der Herausgeber der Broschürenreihe „Können Christen das tun?“ Hier bietet er thailändischen Christen Ratschläge an, wie sie sich bei religiösen Feiertagen in Thailand wie Loy Krathong und Songkran verhalten sollen.

In der Broschüre über Loy Krathong schlägt er vor, zu Gott zu beten, während man einen Krathong schwimmen lässt, oder man legt anstatt eines Räucherstäbchens ein kleines Kreuz in den Krathong, den ein Kreuz ist ein religiöser Gegenstande mit dem Gott verehrt wird.

Thongchai glaubt, dass ein Christ keine Sünde begeht, wenn er an dem Festival teilnimmt.

„Moslems sind strenger und unflexibler und berufen sich ausschließlich auf den Koran. Daher nehmen sie an Loy Krathong nicht teil, sie wollen überhaupt nichts damit zu tun haben“, sagte er. „Ihre Sorge gilt der Reinheit.“

 

Reinheit und Harmonie

In der Tat haben Islamkritiker in Thailand – von säkularen Liberalen bis zu buddhistischen Hardlinern – häufig Probleme mit dem, was sie sehen. Sie erkennen, dass sich thailändische Moslems der Integration entziehen, was nach Meinung der Kritiker zu Konflikten führen und die gesellschaftliche Spaltung vergrößern könnte.

Ihre Sorgen werden von einer Reihe jüngerer Moslems geteilt, die versuchen, ein Gleichgewicht zwischen geistiger Reinheit und sozialer Harmonie in der Nation mit buddhistischer Mehrheit zu finden. Einer von ihnen ist ein beliebter moslemischer Prediger in den sozialen Medien mit dem Namen Matty Ibnufatim Hamady.

In einem Facebook-Beitrag sagte er, dass Moslems kulturell sensibel sein sollten, auch wenn sie über Feiern oder Festlichkeiten sprechen, an denen sie nicht teilnehmen wollten.

„Wenn wir nicht teilnehmen können, sollten wir schweigen. Wenn wir sehen, wie Chinesen das chinesische Neujahr feiern und ‚Muslime sagen Nein zum chinesischen Neujahr’ posten, werden sich eure chinesischen Freunde schlecht fühlen“, schrieb er. „Kein Muslim würden es mögen, wenn ein Buddhist ‚Nein zum Hari-Raya-Tag’ schreibt.“

Einige Leute sagten allerdings, sie kennen Moslems, die an Loy Krathong teilnehmen.

„Einige Leute sehen es nur als Party oder kulturelle Tradition“, sagte Pitchaya, ein Student der Kommunikationskunst in Bangkok.

Bukhari, der in einem Schmelztiegel eines Moscheeviertels in der Nähe der Khaosan Road lebt, sagte, seine Erfahrung habe ihn gelehrt, dass die Teilnahme an religiösen Festen nicht notwendig ist, um gute Beziehungen aufzubauen. Stattdessen können Moslems immer an nicht-religiösen Aktivitäten wie Sportveranstaltungen mit Mitgliedern anderer Glaubensrichtungen teilnehmen.

„Buddhisten respektieren uns, wenn wir an Loy Krathong oder Songkran nicht teilnehmen“, sagte er.

Wisut, der Geistliche des Sheikul Islam Office, schlug eine ähnliche Lösung vor.

„Du solltest überhaupt nicht zum Festival gehen, weil nichts davon in Ordnung ist“, sagte er. „Aber wenn die Leute dich danach einladen, den Fluss zu säubern, kannst und solltest du gehen, weil es etwas Gutes für die Gemeinde ist.“

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