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Normalität bis 2021? Ein Traum!

Normalität bis 2021? Ein Traum!

Der Weltwirtschaft geht es 2020 aufgrund der Corona-Pandemie geradezu katastrophal. Die IWF-Chefin Kristalina Georgieva sagte, es sei die schlimmste Wirtschaftskrise seit 100 Jahren. Diese Krise, die nur alle 100 Jahre einmal vorkommt, scheint jedoch nur von kurzer Dauer zu sein, da der IWF für das nächste Jahr eine vollständige globale Erholung erwartet.

Laut einem Bericht über den Weltwirtschaftsausblick wird die Weltwirtschaft im Jahr 2020 voraussichtlich um 4,9 Prozent schrumpfen, sich jedoch mit einem BIP-Wachstum von 5,4 Prozent im Jahr 2021 wieder gut erholen. Daher werden alle Einkommensverluste aus der Pandemie wiederhergestellt. Das Jahr 2020 ist dann nur noch ein böser Traum, der nach Mitternacht am 31. Dezember spurlos verschwinden wird.

Andere internationale Organisationen kommen zu einem ähnlichen Ergebnis. Die Weltbank prognostizierte ein Negativwachstum von -8,3 Prozent für 2020 und eine Erholung von immerhin +4,2 Prozent für 2021. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) berichtete in ihren Pressemitteilungen, dass die Weltwirtschaft in diesem Jahr um 4,5 Prozent schrumpfen, aber im kommenden Jahr um fünf Prozent wachsen werde.

Sogar der Gouverneur der Bank of Thailand geht davon aus, dass die thailändische Wirtschaft im letzten Quartal des nächsten Jahres wieder ihr Niveau von 2019 erreichen wird. (Das war zwar auch nicht berauschend, aber immerhin.)

Die Schlussfolgerungen, die diese Organisationen und Regierungen auf der ganzen Welt signalisieren, sind ziemlich gefährlich. Sie konzentrieren sich ausschließlich auf die diesjährige Konjunkturpolitik und gehen davon aus, dass die Pandemie im kommenden Jahr spurlos verschwunden ist und sich mit Schlag Mitternacht am 1. Januar 2021 alles wieder normalisiert hat.

Da es sich nicht um ein langfristiges Problem handelt, sind strukturelle Anpassungen auch nicht erforderlich, wenn man diesem Gedankengang folgen will.

Handelt es sich hier nur um ein Märchen, um in Zeiten der Verzweiflung Trost zu spenden und falsche Hoffnungen aufkommen zu lassen? Wohl eher nicht. Es handelt sich um Ökonomen der Weltklasse, die kaum absichtlich falsche Projektionen machen würden. Das Problem liegt in ihren zu optimistischen Ansätzen, die in ihren Wirtschaftsmodellen verwendet werden. Wenn die wirtschaftlichen Aktivitäten 2021 auf dem Niveau von 2019 liegen würden, hätten sie drei Annahmen getroffen.

Annahme 1: Das Beschäftigungsniveau wird auf das Niveau von 2019 zurückkehren. Alle Arbeitnehmer, die entlassen wurden oder nur noch Teilzeit zu arbeiten konnten, oder die während des Pandemiejahres 2020 ein reduziertes Gehalt erhalten haben, müssten zum vollen Gehalt wieder in den Vollzeitstatus versetzt werden.

Das sind schätzungsweise 17 Millionen Arbeitnehmer oder etwa 2,5 Prozent der Gesamtbelegschaft in den OECD-Mitgliedsländern. Wenn man Arbeitnehmer mit reduzierten Arbeitszeiten und Lohnkürzungen mit einbezieht, könnte sich die Zahl leicht verdoppeln. Aber ist es in der Praxis möglich, innerhalb kurzer Zeit mehr als 17 Millionen Arbeitnehmer wieder einzustellen?

Für Thailand berichtet der Verband der thailändischen Industrien, dass 3,4 Millionen Arbeitnehmer aufgrund der Corona-Krise arbeitslos sind, und es besteht die Möglichkeit, dass es bis Ende des Jahres sieben oder acht Millionen sein werden. Über Thailand bricht die absolute Konjunktur- und Arbeitsmarktkatastrophe herein!

Alle Arbeitnehmer müssten Anfang  2021 wieder eingestellt werden, damit die thailändische Wirtschaft ihr BIP-Niveau von 2019 erreichen kann. Unmöglich? Wenn man wie der Gouverneur der Bank of Thailand die Rückkehr zum Einkommensniveau von 2019 sehen will, muss das aber ermöglicht werden – je früher im Lauf des Jahres 2021, desto besser.

Die Annahme, das Beschäftigungsniveau von 2019 zu erreichen, ist notwendig, damit die Leute wie 2019 konsumieren können. Weniger Konsum bedeutet weniger BIP. Das ist Ökonomie für Anfänger.

Die Wirtschaftswissenschaftler des IWF scheinen jedoch ein Problem mit dieser einfachen Rechnung zu haben. Einerseits erwarten sie für das nächste Jahr eine Wachstumserholung von 5,4 Prozent, andererseits prognostizieren sie, dass die Arbeitslosenquote auf einem hohen Niveau von 7,2 Prozent bleiben wird. Damit ist sie wesentlich höher als die Arbeitslosenquote von 4,8 Prozent im Jahr 2019. Vielleicht sollte der IWF die in seinen Wirtschaftsprojekten getroffenen Annahmen erneut überprüfen. Und damit zu

Annahme 2: Unternehmen müssen wieder öffnen und an ihre glorreichen Tage von 2019 anschließen. Nach Angaben des thailändischen Arbeitsministeriums wurden seit Oktober 2019 4254 Unternehmen geschlossen. Natürlich haben unzählige Unternehmen im Jahr 2020 unrentable Niederlassungen und unnötige Abteilungen still gelegt. All diese müssen wieder in Betrieb gehen, damit die sieben oder acht Millionen entlassenen Mitarbeiter wieder Arbeit haben.

Wenn man sagt, dass dies nicht möglich ist, weil viele Geschäfte pleite, Fabriken unrentabel und Einrichtungen verkauft wurden, dann handelt es sich um die zweite falsche Annahme und man kann langsam den Traum vergessen, dass sich nächstes Jahr wieder alles normalisieren wird.

Annahme 3: Banken müssen wie 2019 großzügig Kredite vergeben. Thais konsumieren nicht nur aus laufenden Einnahmen, da sie mit diesen kaum über die Runden kommen. Sie konsumieren auch Kredite, die als Privathaushaltsschulden auf der Sollseite stehen.

Im Jahr 2019 gaben Banken Kredite in Höhe von 654 Milliarden Baht an Verbraucher aus. Um die Wirtschaft 2021 auf das Niveau von 2019 anzukurbeln, müssten die Banken einen ähnlichen Kreditbetrag genehmigen. Da darf es eigentlich keine Rolle spielen, dass die Verschuldung der Privathaushalte bereits bei 80,1 Prozent des BIP liegt und die notleidenden Kredite schnell steigen.

Hinzu kommt die Tatsache, dass die Rückzahlungen für Kredite im Wert von 7,2 Billionen Baht (das sind 28,2 Prozent des gesamten Kreditportfolios) in diesem Jahr aufgeschoben wurden und nicht bekannt ist, wie viele Kreditnehmer es sich überhaupt noch leisten können, die Kreditzahlungen wieder aufzunehmen.

Ohne neue Kredite können die thailändischen Verbraucher das Verbrauchsniveau von 2019 allerdings nicht erreichen. In anderen Worten: Falls das der Fall sein sollte, wird das BIP-Wachstum von 2021 um 3,88 Prozent unter dem Ziel liegen.

Jetzt sollte klar sein, dass alle Annahmen zur Rückkehr auf das Niveau von 2019 auf dem Papier zwar gut aussehen, mit der realen Welt der Wirtschafts-, Finanz- und Arbeitsmärkte indes nicht viel zu tun haben.

Die traumhaften Wachstumsprognosen für 2021 werden daher nichts weiter bleiben als das: ein Traum.

Post source : https://www.bangkokpost.com/opinion/opinion/1990751/returning-to-normal-by-2021-a-dream

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