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Wie in einer Dystopie (Teil 2)

Wie in einer Dystopie (Teil 2)

Das Echo auf meinen Artikel, in dem ich einen kleinen Rundgang durch Zentral-Pattaya beschrieb, war doch recht erheblich. Auch das Titelbild der letzten HALLO-Ausgabe provozierte einige Reaktionen. Auf diesem ist eine verlassene Hoteleinfahrt zu sehen, aus dem aufgeplatzten Asphalt wachsen Gräser. Die Natur erobert die Stadt zurück.

Tatsächlich ist das alles kaum zu glauben, wenn man es nicht mit eigenen Augen gesehen hat.

Ich wurde nach einer Fortsetzung gefragt, bei der ich auch den Strand einbeziehen sollte. Dieser Wunsch ist mir Befehl, daher gibt es an dieser Stelle einen zweiten Teil.

Diesmal bewegte ich mich Richtung Pattaya North Road. Ge ö ffnete Geschäfte gibt es dort fast überhaupt nicht mehr. Grob geschätzt haben 80 Prozent der Läden auf dieser Straße dicht gemacht. Immerhin sieht der neue Bürgersteig immer noch wie neu aus, vielleicht, weil er kaum benutzt wird.

Das Gehen auf dem Gehsteig ist durchaus komfortabel, man muss nicht dauernd nach unten blicken, weil man Angst hat, in irgendwelche Löcher zu fallen oder über Unebenheiten zu stolpern.

Viele Apotheken haben auf, die scheinen mit der Krise ganz gut zurecht zu kommen. Anders die Massagesalons. Das ist natürlich keine Neuigkeit, aber es tut weh, wenn man geballt sieht, dass ungelogen mindestens jeder zweite Salon geschlossen hat. Auch oder vor allem große Anlagen, die wohl für chinesische und andere asiatische Besucher konzipiert waren. Alles mausetot. Zum wiederholten Male stellte ich mir die Frage, wie viele Arbeitsplätze verloren gegangen sind. Allein im Geschäfts- und Massagesektor.

Es ging am Terminal vorbei, das hatte auch schon mehr Besucher gesehen. An der Beach Road wurden wieder einmal Strandarbeiten vorgenommen. Unter anderen wurde der Strand auch gesäubert, was positiv hervorzuheben ist.

An einigen Strandabschnitten stehen riesige Schilder mit viel Text. Hier ist genau erklärt, was alles zu beachten ist, wenn man den Strand betreten will. Immer mit Maske! Auch bei 35 Grad im Schatten im Freien. Auch hier regiert die Corona-Hysterie! Kein Alkohol und keine Gruppen über fünf oder sechs Personen. Die englische Version ist wohl mit Google übersetzt worden, die war lustig zu lesen. Vor allem bin ich immer über das Wort „beach bed“ (Strandbett) gestolpert, die meinen wohl Strandliege?

Alles erzählen zu wollen, was auf diesem Schild steht, würde nicht nur das Format dieses Artikels sprengen, sondern das gesamte HALLO-Magazin. Die Anweisungen waren länger als die Bedienungsanleitung für einen Videorecorder.

Daher zum Wesentlichen: Auf dem jetzt so breiten Strand kamen bei mir Gefühle auf wie bei dem Film „The Beach“. Ich war nämlich der einzige. Zwischen Dusit im Norden und Central Road in der Mitte habe ich nicht mehr als ein halbes Dutzend Leute am Strand gesehen. Ich habe ein Foto gemacht, auf dem der leere Strand und im Hintergrund das Hilton zu sehen ist. „Pattaya mit einem Bild erklärt“ könnte man dieses Foto nennen.

Es ist niemand da, und deshalb geht es den Leuten im Seebad so schlecht. Mitten auf dem Strand standen zwei vereinsamte Jetskis herum, aber wer soll damit fahren? Weiter hinten erspähte ich ein paar Bananenboote. Sie sehen aus wie gestrandete bunte Robben.

Ich wechselte die Straßenseite und kam an leeren Restaurants vorbei. Geöffnet, aber leer. Eine Kellnerin begrüßt mich und fragte, wie es mir ginge. Ich fragte zurück. Sie sagte, wie solle es schon gehen. Es seien doch keine Gäste da.

Als ich ein paar Tage später noch mal an dieser Stelle vorbei kam, war das Restaurant geschlossen.

Ich bog in die Central Road ab. Dort präsentierte sich mir die ganze Misere. Ich schätze, dass auf dieser Straße – das ist Prime Location – jedes dritte oder vierte Geschäft geschlossen hat. Vor allem in Strandnähe sieht es ganz übel aus. Da ist nichts mehr übrig geblieben. Es ist ein Bild des Jammers.

Weiter oben Richtung Big C Extra wird es besser, aber dennoch. Man denkt, man ist im falschen Film und will nicht glauben, was die eigenen Augen sehen. Die Geschäfte nahe Beach Road hatten alle mit Tourismus zu tun, daher sind die pleite. Die Geschäfte in der Nähe von Big C haben gemischtes Publikum, daher haben viele von ihnen überlebt – bis jetzt.

Da nicht so viele Leute unterwegs waren, versuchten einige Geschäftsinhaber oder Angestellte, mich mit einem Lasso einzufangen, um ihre Dienstleistungen anbieten zu können.

Ich kann nur hoffen, dass es noch in diesem Jahr wieder aufwärts geht. Die Leute, die bisher durchgehalten haben, werden es nicht viel länger schaffen, wenn nicht bald Touristen in die Stadt zurückkehren.

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