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Der Protest formiert sich

Der Protest formiert sich

Anfang September wurde ich von einer Bekannten gefragt, was ich von der Demonstration am 29. August halten würde. Habe sie etwas gebracht? Ob ich glaube, dass die Regierung jetzt einen Kurswechsel plane?

Es kommt wohl auf die Erwartungshaltung an. Gezeigt hat die Demonstration, wie nervös die Regierung ist, angefangen von Bundeskanzlerin Merkel bis hin zum Berliner Innensenator Geisel, wenn die Leute auf die Straße gehen und das Vorgehen der Regierung kritisieren.

Aber hat denn wirklich jemand geglaubt, dass sich etwas ändern wird, nur weil ein paar Leute demonstriert haben? Ich kann da auch nur empfehlen, sich keinesfalls auf Zahlenspekulationen einzulassen. Ob 30.000 oder 300.000 spielt keine Rolle, denn: Hat wirklich jemand geglaubt, Merkel wird zurücktreten?

Aber wir können dieses Szenario gern einmal durchspielen: Merkel tritt zurück, und dann? Wer wird denn der Nachfolger? Spahn, der von Demonstranten bei seiner Wahlkampftour als „Mörder“ tituliert wurde? (Das war schon übertrieben.) Laschet? Ich glaube, der hat sich selbst ins Aus gekickt. Bliebe noch Söder. Wenn der Alpen-Cäsar an die Macht kommt, dann Gute Nacht, Marie.

Also, Merkel tritt zurück, es gibt eine Regierungskrise, einen Übergangskanzler, dann Neuwahlen. Wahlen gibt es sowieso in einem Jahr, von daher … Ich habe schon vor ein paar Jahren vorausgesagt, dass Merkel 2021 erneut Bundeskanzler wird. Wenn nicht, dann wird es Baerbock. Die Leute werden sich noch nach Merkel zurücksehnen, wenn Baerbock Kanzler ist. Wenn die weg ist, wird es vielleicht Chebli. Nun, dieses Spiel können wir ewig weiterspielen.

Meine Bekannte sagte, es sei doch einigen Leute klar, was getan werden müsse, um einen Regierungswechsel herbeizuführen.

Daraufhin erzählte ich ihr, wie das in einem Land gemacht wurde, das die HALLO-Leser ganz gut kennen.

Da gab es nicht alle paar Wochen oder Jubeljahre mal eine Demonstration, sondern jeden Tag. Politiker wurden gejagt und mittels Trillerpfeifen ausgepfiffen. Aber nicht ab und zu, sondern wirklich jeden Tag. In der Hauptstadt wurden Straßen und Kreuzungen besetzt. Ministerien gestürmt, der Regierungssitz (auf Deutschland übertragen das Kanzleramt) besetzt. Die Regierung hatte keine Chance mehr, irgendeiner Arbeit, irgendeiner Aufgabe nachzugehen. Die Flughäfen der Hauptstadt wurden auch einmal besetzt. Nun, das wäre bei Berlin-Tegel ziemlich lächerlich. Das müssten schon Frankfurt und München sein. Es würde überhaupt nichts mehr funktionieren, und dann würde sich vielleicht etwas ändern.

Meine Bekannte verstand das nicht so recht und meinte Hilfe müsse von außen kommen.

Ich will niemandem zu nahe treten, aber wer soll das denn sein? Putin? Der hat doch seinen super Gas-Deal mit Deutschland abgeschlossen. Es wäre geradezu dumm, wenn er Merkel absägen wollte. Trump? Der hat doch mit seinem Truppenabzug gesagt, was er von Deutschland hält. Außerdem ist er jetzt mit Wahlkampf beschäftigt. Er wird wiedergewählt, da bin ich mir sicher, aber Deutschland wird er nicht helfen. Bliebe noch China. Die werden Deutschland erst mal Huawei 5G verkaufen.

Ich sehe keine anderen Retter, zumal es in anderen europäischen (westlichen) Ländern auch nicht anders aussieht als in Deutschland. Frankreich? Alle ducken sich vor Macron, der doch normalerweise vom französischen Volk, das für seine Revolutionen bekannt ist, schon einen Kopf kürzer gemacht worden wäre. Großbritannien? Die Briten scheinen sich von ihrer Regierung alles bieten zu lassen.

Auf der anderen Seite sollten mal alle aus ihrem Tunnelblick auftauchen und überlegen, ob die Deutschen in der Mehrzahl überhaupt eine Hilfe wollen. Noch ist eine Mehrheit für CDU/CSU. Vielleicht wollen die Bürger gar nicht mit auswärtiger Hilfe in welcher Form auch immer „beglückt“ werden? Vielleicht wollen die Menschen – das gilt insbesondere für die Deutschen – immer vorgeschrieben bekommen, was sie zu tun und zu lassen haben. Das sollte bei den „Beglückungsüberlegungen“ nicht vergessen werden.

Daraufhin meinte meine Bekannte, die normalen Verbraucher seien alle Schlafschafe.

Diese Beschimpfung finde ich so nicht in Ordnung. Da ist jemand, der acht Stunden pro Tag arbeitet. Dann muss er noch zur/von der Arbeit, nehmen wir an, das dauert eine Stunde. Dann muss er noch etwas einkaufen, etwas erledigen. Sagen wir, er ist zwölf Stunden außer Haus. Er schläft acht Stunden. Bleiben ihm vier Stunden für Familie, Essen, Hobby.

Und dann soll er sich noch über die Tagespolitik ärgern bzw. sich sachkundig machen, dass es nicht genügt, die ARD/ZDF zu gucken, sondern er soll alternative Medien im Internet sehen und lesen.

Die Leute sind doch froh, wenn sie nicht nur zu Corona-Zeiten mit ihren Kindern auf den Spielplatz gehen und ihre Familien irgendwie durchbringen können …

Post source : Gustav Tietz

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