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Frauen im Isan

Frauen im Isan

Zwischen 2000 und 2010 stieg die Zahl der Männer aus dem Westen, die sich mit ihren Isan-Frauen im Nordosten Thailands niederließen, von weniger als 1000 auf fast 25.000. Viele tausend weitere Isan-Frauen zogen nach Europa, Australien oder in die USA und schicken Geld nach Hause.

Rein wirtschaftlich gesehen haben die Verbindungen zwischen westlichen Männern und Isan-Frauen spürbare Auswirkungen auf die gesamte Region. Untersuchungen der Regierung im Jahr 2004 ergaben, dass etwa 15.000 Isan-Frauen in eine Beziehung mit einem westlichen Mann unterhielten, jährlich knapp 1,5 Milliarden Baht an ihre Familien schickten. Das sind durchschnittlich fast 100.000 Baht pro Familie. Das ist nicht wenig, denn 2004 betrug das durchschnittliche Haushaltseinkommen des Landes 40.000 Baht.

In einem Artikel von 2004 wurde darauf hingewiesen, dass die Beiträge von mit Westlern verheirateten Isan-Frauen mehr als sechs Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung jährlich im Isan ausmachten.

Zehn Jahre später, im Jahr 2014, hatte sich der Beitrag dieser transnationalen Paare in Isan fast versiebenfacht und betrug 8,670 Milliarden Baht. Bei einem durchschnittlichen jährlichen Haushaltseinkommen für Thailand von gut 100.000 Baht hätten diese Beiträge mehr als 86.000 Familien im Nordosten das durchschnittliche jährliche Einkommen bringen können.

Bestimmte Dörfer oder Unterbezirke wurden für ihre Verbindung zu westlichen Männern bekannt und erregten Medieninteresse. In einem Dorf in Roi Et, das als „Schweizer Dorf“ bezeichnet wird, gab es in mehr als 18 Prozent der Haushalte einen westlichen Schwiegersohn. Bekannt wurde das Dorf wegen der vielen Luxushäuser, die geballt in dem kleinen Ort stehen. Denn obwohl die meisten Frauen mit ihren Männern in der Schweiz leben, sind ihre Überweisungen dieser ländlichen Gemeinde zugute gekommen.

Der britische Schriftsteller Stephen Leather verewigte dieses Schweizer Dorf in seinem Roman Private Dancer: „Da ist dieses Dorf im Isan, genau am Ende einer staubigen Landstraße in einer der ärmsten Gegenden des Landes. Man kommt um eine Kurve und wird plötzlich mit einem Dutzend riesiger teurer Häuser konfrontiert. Man nennt es Schweizer Dorf. Das hat nichts mit der Architektur zu tun, sondern damit, dass das ganze Dorf mit Geld aus der Schweiz gebaut wurde. Vor etwa fünfzehn Jahren arbeitete eines der Mädchen aus dem Dorf in einer Bar in Zürich. Sie verdiente nach thailändischen Verhältnissen ein Vermögen, kam zurück, baute ihren Eltern ein Haus, kaufte einen Pick-up und ein paar Motorräder für ihre Brüder. Schon bald wussten alle, dass sie Geld hat. Die Mädchen aus dem Dorf standen bei ihr Schlange und fragten, ob sie, die Mädchen, auch in Zürich arbeiten durften.“

In einer anderen Region mit einer hohen Anzahl westlicher Männer, die mit Isan-Frauen in Nong Khai verheiratet waren, wurde in einem Artikel von 2008 ein Mädchen, das in den Kindergarten ging, mit den Worten zitiert: „Ich möchte eine Mia Farang sein, wenn ich groß bin“.

Die Leser des Magazins waren empört, und Regierungsbeamte und Universitätsdozenten äußerten sich entsetzt darüber, weil ihrer Meinung nach die wirtschaftliche Sicherheit den Niedergang der Familieninstitution im Isan auslöste.

Die Mia Farang, die den Artikel lasen, waren ebenfalls empört. Sie fragten sich, warum der Artikel nie das Gute erwähnte, das sie für ihre Familien tun konnten. Sie argumentierten, dass sie wegen „Familienkrisen, der Verantwortungslosigkeit lokaler Männer und dem Wunsch, sich um ihre Eltern zu kümmern“, ausländische Ehemänner gesucht hätten.

Pacharin Lapanun, Autorin einer der detailliertesten Studien zum Phänomen Mia Farang im Isan und Dozentin an der Universität Khon Kaen, berichtet in einem Buch darüber, wie sich die Zentralregierung, die jetzt auf das „Problem“ des Mia-Farang-Phänomens aufmerksam gemacht hat, Sorgen machte, dass diese Regionen die thailändische Seele verlieren und die lokalen Traditionen und Familienwerte Schaden erleiden. Ein Forscher befürchtete, dass amerikanisches Junk Food wie Hamburger das Isan-Essen in diesen gefährdeten Dörfern ersetzen würde.

Die Regierung untersuchte das Problem und kam zu dem Schluss, dass es sich um Menschenhandel handelt, was darauf hindeutet, dass aus Sicht der Regierenden „ein Zusammenhang zwischen dem Frauenhandel und aktuellen internationalen Ehen besteht“.

Eine einheimische Frau, die an einer von der Regierung arrangierten Informationsveranstaltung teilnahm, berichtete von ihrer Verwunderung. In der Sitzung wurde betont, wie westliche Männer eingesetzt wurden, um „Frauen in die internationale Prostitution zu locken“ – ein Thema, das nichts mit ihrer Erfahrung oder der anderer Mia Farang in der Region zu tun hatte. Ihrer Meinung nach wollten die Mia Farang doch nur ihren Eltern ein besseres Leben ermöglichen.

Es dürfte sich hier wohl um ein kulturelles Missverständnis handeln, denn wie soll jemand, der in Bangkok lebt und auf Zentral-Thailand fixiert ist, verstehen können, was eine Mia Farang denkt. Dann veröffentlicht diese Person aus Bangkok einen Artikel, der den Charakter der Isan-Frauen in Frage stellt. Dies war beispielsweise der Fall bei dem bevormundenden, sexistischen und rassistischen Leitartikel, der im vergangenen Dezember von der Matichon Weekly veröffentlicht wurde und bei den Isan-Frauen für Aufruhr sorgte.

Mia Farang

In den 1980er und 1990er Jahren beruhte ein Großteil des sozialen und akademischen Diskurses über die Mia Farang auf „der weit verbreiteten Annahme in westlichen Ländern sowie bei Stadtbewohnern in Bangkok, dass thailändische Farang-Ehefrauen junge naive Frauen sind, die dem internationalem Braut- und Sexhandel zum Opfer gefallen sind.“

Das häufigste Stereotyp war, dass die Frau eine „Prostituierte“ und der Mann ein „Sexpat“ war.

In ihrem Artikel aus dem Jahr 2013 betonen Sirijit und Angeles, dass Isan-Frauen vor einem von Armut gekennzeichneten Leben in der Agrarwirtschaft im Nordosten geflohen sind und häufig alleinerziehende Mütter waren, die von unzuverlässigen einheimischen Männern im Stich gelassen wurden.

„Diese Frauen werden aufgrund ihres Geschlechts, ihrer ethnischen Zugehörigkeit, ihrer Klasse und/oder ihrer Nationalität auf mehreren Ebenen an den Rand gedrängt“, schreiben die Autoren.

Diese Frauen ziehen nach Zentral-Thailand und finden einen Platz in der dortigen Arbeiterklasse. Die Autoren sind der Ansicht, dass diese Frauen versuchen, trotz ihres marginalisierten Status und ihrer begrenzten Möglichkeiten, die soziale Leiter zu erklimmen, indem sie Männer aus dem Westen heiraten.

Während ein Löwenanteil der Gewinne in der Tourismusindustrie im Allgemeinen in die Hände von „internationalen Unternehmen, Fluggesellschaften und Hotelketten“ gefallen ist, konnten Isan-Frauen einen angemessenen Teil des Reichtums zurück in den Isan bringen.

Durch die Erfüllung ihrer Rolle als „gute Tochter“ und „großzügiges Gemeindemitglied“ werden diese „mutigen“ Frauen von der Isan-Gesellschaft in einem positiveren Licht gesehen. Die Heirat mit einem Westler wird im Isan mehr akzeptiert und erfährt weniger Stigmatisierung als in den vergangenen Jahrzehnten, was sich in den Worten eines Dorfchefs im Isan widerspiegelt.

„Die Mia Farang können bei der Geburt weder Ort noch soziale Stellung wählen, aber sie können wählen, wo sie sein möchten (physisch und gesellschaftlich), und solange ihre Wahl sie und ihre Familien glücklich und sicher macht, habe ich nichts dagegen.“

Diese Frauen, so berichten die Autoren, sollten nicht mit Argwohn betrachtet werden. Stattdessen zeigen sie, wie Menschen „in den untersten sozialen Schichten trotz begrenzter Ressourcen weiterhin kämpfen, sich weiterentwickeln, sich anpassen und Wege finden, um ihr Los zu verbessern“.

Die guten Töchter

Thompson, Pattana und Suriya weisen auch darauf hin, dass frühere Forschungen dazu tendierten, „insbesondere Frauen zu stigmatisieren („ehemalige Sexarbeiterinnen“), aber auch Männer („Sexpats“), als ob dies der einzige Teil ihrer langen Lebenserfahrungen wäre.”

Sie wollen stattdessen „eine breitere Diskussion darüber eröffnen“, wie sich der Status von Mia Farang und „Zehntausenden von Farang-Männern, die sich im Isan niedergelassen haben“ verändert hat.

Der Isan ist traditionell matrilinear in dem Sinne, dass Land und Reichtum größtenteils von Frauen kontrolliert werden. Wenn sie heiraten, müssen die Familien des Ehemanns nicht nur eine „Mitgift“ zahlen, sondern verlieren auch ihre Söhne. Daher haben Töchter im Vergleich zu Söhnen einen hohen Stellenwert, aber sie unterliegen auch höheren Erwartungen an die Pflege der Familie.

In der Tat, so schreiben die Autoren, „ist der primäre kulturelle Ausdruck der Matrilinealität die kindliche Pflicht der Töchter gegenüber den Eltern.“

Keyes stellt fest, dass es in den frühen 1980er Jahren 500.000 bis 700.000 (3,3 bis 4,7 Prozent) der thailändischen Frauen im erwerbsfähigen Alter gab, die als Prostituierte arbeiteten. Damals war Thailand als „Bordell der Welt“ bekannt. Er argumentiert, dass diese Frauen aus „ländlichen Familien in großen finanziellen Schwierigkeiten“ stammten und „sexuell ausbeuterische Beziehungen zu Männern aufnahmen“. Obwohl eine solche Frau ihre Rolle als pflichtbewusste Tochter ausübte, stellte sie häufig fest, dass „die Vorteile … die Erniedrigung, die mit dem Spielen ihrer Rolle verbunden ist, kaum ausgleichen“.

Untersuchungen von Pasuk zeigen, dass kommerzielle Sexarbeiterinnen in dieser Zeit ihre Rolle als pflichtbewusste Töchter erkannten. Sie merkt an, dass die Mehrheit der Befragten ihre Rolle als „Ernährer der Familien“ anerkannte, „gute Beziehungen zu ihren Familien unterhielt“ und Geld an ihre Familien schickte.

Als das landwirtschaftliche Einkommen zurückging, wurden Isan-Familien zunehmend abhängig von Überweisungen durch Familienmitglieder, die in städtische Gebiete innerhalb Thailands oder ins Ausland abgewandert waren. Das war Teil eines Musters, das sich „vom ländlichen zum lokalen, zum städtischen und zum internationalen Bereich ausgeweitet hat.”

Die Heirat mit einem westlichen Mann wurde zu einer „wichtigen Strategie für Frauen bei der Erfüllung ihrer Pflicht“ und zu einer Möglichkeit, den Status dieser Frauen zu stärken. Die westlichen Männer waren Teil der „Reproduktion der matrilinearen Familien- und Verwandtschaftsbeziehungen des Isan, die materielle und finanzielle Beiträge sowie immaterielle Pflegearbeit leisten“, wie beispielsweise die Unterstützung der Kinder, die die Frau aus erster Ehe in die Ehe mit dem Westler bringt.

Da ein westlicher Schwiegersohn oft eine stabile Quelle für das Familieneinkommen im Isan darstellt, vergleichen Familien das mit dem Gewinn einer Lotterie – oder sogar noch besser, denn bei der finanziellen Hilfe des Schwiegersohns aus dem Westen handelt es sich anders als beim Lottogewinn nicht um eine Einmalzahlung.

Obwohl die Heirat mit einem Westler immer noch einer gewissen Stigmatisierung unterliegt, ist sie zu einem weit verbreiteten kulturellen Ziel bei den Isan-Frauen geworden.

Die Zentralregierung hat diesen Wunsch der vielen Isan-Frauen als besorgniserregend identifiziert und möglicherweise gut gemeinte, aber sicherlich falsch verstandene Anstrengungen unternommen, um „das Problem“ anzugehen. Das angebliche Problem ist aber gar keines, denn der westliche Schwiegersohn kann häufig den Status seiner Isan-Frau verbessern, wenn auch innerhalb kultureller und geschlechtsspezifischer Grenzen.

In den meisten Fällen sind Isan-Frauen in der Lage, ihre Pflichten zu erfüllen, was sie zu „guten Töchtern“ macht.

Post source : https://isaanrecord.com/2020/08/24/the-good-daughters-of-isaan-2/

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