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Auf Augenhöhe mit der DDR

Auf Augenhöhe mit der DDR

Die heutige Kolumne ist ein wenig anders als sonst. Ich möchte auf die Zustände in Australien aufmerksam machen, denn darüber wird in deutschen Medien so gut wie überhaupt nicht berichtet.

In Australien herrschen inzwischen Verhältnisse, die man sich in anderen Ländern nicht vorstellen kann. Corona macht’s möglich. Beispielsweise werden Australier mit Drohnen ausspioniert und überprüft, ob sie auch einen Mundschutz tragen. Oder es wird überprüft, ob sie sich mit ihrem Fahrzeug nicht zu weit von zu Hause entfernt haben, weil es Bewegungseinschränkungen innerhalb des Landes gibt. Diese Einschränkung der Reisefreiheit betrifft auch Reisen ins Ausland. Genau wie man es aus Geschichtsbüchern über die DDR kennt oder von Erzählungen von Bürgern, die das miterlebt haben.

Das ist sicherlich der Gipfel von alledem: Wenn Australier ausreisen wollen, müssen sie einen Ausreiseantrag stellen.

Die Regierung argumentiert, dass die Leute, die ausreisen, irgendwann auch einmal nach Australien zurückkehren. Man kann Leuten mit australischer Staatsbürgerschaft oder Langzeitvisum die Einreise nach Australien nicht verwehren. Sie müssen nach der Einreise in staatliche Quarantäne.

Es wird befürchtet, dass die Kapazität der Quarantäneeinrichtungen nicht ausreicht, wenn zu viele Australier gleichzeitig ins Heimatland zurückkehren. Aus diesem Grund werden drei von vier Ausreiseanträgen abgelehnt.

Es ist wohl eine Ironie der Geschichte, wenn man bedenkt, dass Australien doch früher ein britisches Straflager war und quasi alle Australier von Sträflingen abstammen. Jetzt sind sie wieder auf einer Gefängnisinsel bzw. einem Gefängniskontinent. Und da soll mal einer sagen, Geschichte würde sich nicht wiederholen.

Der Abgeordnete Dave Sharma sagte, dass es innerhalb der australischen Regierung inzwischen Bedenken hinsichtlich des Reiseverbots gebe, das er als „ziemlich außergewöhnliche Einschränkung der Freiheit der Menschen“ bezeichnete.

„Das ist eine extreme Maßnahme für extreme Zeiten, aber es kann nicht etwas sein, das wir langfristig in Betracht ziehen sollten“, sagte Sharma. „Es gibt kein anderes Land, von dem ich weiß, dass es den Bürgern ein Ausreisegenehmigungssystem aufzwingt, wie wir es in Australien haben.“

Seit dem 25. März benötigen die meisten australischen Staatsbürger und Einwohner mit Langzeitvisum die Erlaubnis der Regierung, wenn sie ins Ausland reisen oder umziehen wollen. Befristete Visumsinhaber und Australier in bestimmten Kategorien, wie zum Beispiel Personen, die normalerweise im Ausland leben, benötigen keine Erlaubnis zum Verlassen des Landes.

Die australische Grenzpolizei teilte mit, sie habe vom 25. März bis 31. Juli 22.640 Bürgern und ständigen Einwohnern die Erlaubnis erteilt, Australien zu verlassen. Allerdings hatten 91.950 Australier einen entsprechenden Antrag gestellt. Demnach wurden drei Viertel der gestellten Anträge abgelehnt.

So musste beispielsweise die 57-jährige Donna Burton aus Balmoral Beach ihren Flug nach London verfallen lassen. Sie wollte bei der Heirat ihrer einzigen Tochter dabei sein.

Burton beantragte eine Reiserlaubnis und wurde daraufhin um weitere Informationen gebeten. Sie hörte nichts mehr und vermutete, alles sei in Ordnung. Als sie ihren Flug antreten wollte, wurde sie abgewiesen.

„Ich kann beide Seiten verstehen … aber ich bin verzweifelt, als ich an diesem wichtigen Ereignis nicht teilnehmen konnte“, sagte Burton.

Premierminister Scott Morrison warnte kürzlich, dass in absehbarer Zeit wohl nicht mit internationalen Reisen zu rechnen sei und diese in diesem Jahr unwahrscheinlich seien.

Sharma sagte, dieser Zeitraum sei zu lang, um die derzeitigen Beschränkungen aufrechtzuerhalten. Australien sollte das Risiko bewältigen, „nicht indem es die Australier daran hindert, das Land zu verlassen, sondern ihre Rückkehr und die Reisen von Ausländern nach Australien kontrolliert.“

Premierminister Morrison sagte im März, das Verbot sei erforderlich, weil die Leute immer noch versuchten, Urlaub im Ausland zu machen, was deren Heimatorte bei deren Rückkehr gefährde.

Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums sagte, das Reiseverbot sei regelmäßig überprüft worden, und es sei weiterhin notwendig, die Ausbreitung von Corona einzudämmen, da sich in 23 Prozent aller Fälle die Träger des Virus im Ausland angesteckt hatten.

„Wir können nicht riskieren, das Gesundheitssystem durch eine weitgehende Lockerung der internationalen Reisebeschränkungen und den potentiellen Import zusätzlicher Fälle zusätzlich zu belasten“, sagte der Sprecher.

Die Regierung ist auch besorgt darüber, dass die Gewährung der Reisefreiheit das Problem der im Ausland festsitzenden Australier verschärfen würde. Manchmal stünden diese ohne medizinische Versorgung oder diplomatische Unterstützung da. Tausende Australier haben Schwierigkeiten, in ihr Heimatland zurückzukehren, da die Anzahl der Flüge begrenzt ist. Weil es so wenige Flüge gibt, sind diese auch sehr kostspielig.

Post source : https://www.smh.com.au/lifestyle/life-and-relationships/on-par-with-north-korea-three-out-of-four-requests-to-leave-australia-refused-20200814-p55luj.html

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