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Die große Überraschung

Die große Überraschung

US-Präsident Donald Trump kommt bei deutschen Politikern und in der deutschen Presse immer sehr schlecht weg. Er kann machen, was er will: Zum einen ist es immer falsch und zum anderen könnte man den Eindruck gewinnen, dass er von den deutschen Mainstream-Medien für alles Unglück dieser Welt verantwortlich gemacht wird.

Es kommt aber noch etwas anderes hinzu: Deutschland zahlt weniger als vereinbart für die NATO und zwingt die USA auf diese Weise, den Löwenanteil der  Kosten zu übernehmen.

Das rächt sich jetzt, denn Trump befahl den Abzug von einem Drittel der US-Truppen aus Deutschland. Außerdem soll das Militärhauptquartier in Europa von Deutschland nach Belgien verlegen.

Das Pentagon kündigte an, 12.000 Soldaten aus Deutschland abzuziehen. Vermutlich wird auch das europäische Militärhauptquartier von Deutschland nach Belgien zu verlegt.

Rund 6400 aktive US-Truppen in Deutschland werden nach Hause geschickt, während fast 5600 weitere in andere NATO-Länder verlegt werden, sagte US-Verteidigungsminister Mark Esper. Rund 24.000 Soldaten bleiben in Deutschland, das seit dem Zweiten Weltkrieg als einer der engsten Verbündeten und Handelspartner der USA gilt. Doch dieses Bündnis bekam spätestens seit Trumps Wahl zum US-Präsidenten erhebliche Risse. Der in Deutschland tief verwurzelte Anti-Amerikanismus hatte endlich ein Gesicht, und man kann sich daran abarbeiten ohne Rücksicht nehmen zu müssen wie noch bei Trumps Vorgänger Obama, der allerorten als Heiland dargestellt worden war.

Verteidigungsminister Esper sagte, dass die Entscheidung zwar durch Trumps frühere Aufrufe zum Truppenabzug, die im Juni begannen, „beschleunigt“ wurde, die Maßnahmen aber auch größere strategische Ziele fördern, um Russland abzuschrecken, europäische Verbündete zu beruhigen und Streitkräfte weiter nach Osten an das Schwarze Meer und die baltische Region zu verlagern.

Einige Militärangehörige könnten auch nach Polen und in die baltischen Staaten gehen, wenn Warschau ein bereits von beiden Seiten entworfenes Abkommen durchführt, sagte Esper.

Trump hat wiederholt gesagt, dass Deutschland nicht genug für Verteidigung ausgibt. Der Rückzug steht auch im Einklang mit der „America-First“-Plattform des Präsidenten und den Zusagen der Kampagne, das Engagement der USA in Übersee abzubauen, was entfernt an die Monroe-Doktrin erinnert. James Monroe (US-Präsident von 1817 bis 1825) hatte mittels einer Doktrin unter anderem festgelegt, dass sich die USA nicht mehr in europäische Angelegenheiten einmischen.

Verteidigungsminister Esper sagte, er möchte, dass einige Schritte innerhalb weniger Wochen beginnen, aber noch Konsultationen bevor stünden.

Schicht im Hauptquartier

Deutschland ist derzeit das Zentrum der US-Militäroperationen in Europa sowie eine Drehscheibe für Operationen in Afrika und im Nahen Osten.

US-Beamte sagten, dass wegen der Personalverschiebung wahrscheinlich Luft- und Bodentruppen in andere Länder verschickt würden, in denen es bereits eine amerikanische Truppenpräsenz gibt.

Während der Pressekonferenz sagte General Tod Wolters, US-Kommandeur für Europa und Oberster Alliierter Befehlshaber der NATO, das Pentagon rechne damit, das Hauptquartier des US-Kommandos für Europa sowie das Hauptquartier des US-Spezialoperationskommandos für Europa von Deutschland nach Belgien zu verlegen.

Insgesamt haben die USA derzeit rund 47.000 Soldaten und Zivilpersonal in Deutschland, verteilt auf eine Reihe von Stützpunkten, Hauptquartieren und kleineren Einrichtungen.

Die meisten der 36.000 im aktiven Dienst befinden sich in einer Handvoll größerer Armee- und Luftwaffenstützpunkte, einschließlich der Ramstein Air Base, einem Drehkreuz in der Region.

Es gibt auch 2600 Nationalgarde- und Reservetruppen in Deutschland und fast 12.000 Zivilisten, die für die Dienste oder das Verteidigungsministerium arbeiten.

Während Beamte des Pentagon versuchten, sich auf die strategische Motivation hinter den Maßnahmen zu konzentrieren, verstärkte Trump seine Kritik an Deutschland und sagte, das Land habe seinen Anteil an den Verteidigungskosten der NATO nicht getragen. Statt den zwei Prozent würde Deutschland nur ein Prozent zahlen. Die Deutschen „haben uns seit vielen Jahren ausgenutzt“, sagte er und fügte hinzu, er könnte die Entscheidung überdenken, „wenn sie anfangen, ihre Rechnungen zu bezahlen“.

Geschenk an Russland

US-Oppositionspolitiker sowie hochkarätige Mitglieder aus Trumps eigener Partei kritisieren die Rückzugspläne.

22 Republikaner sandten bereits im Juni ein Schreiben an Trump, in dem sie sagten, ein geringeres Engagement der USA für die Verteidigung Europas würde die russische Aggression und den Opportunismus fördern.

Nachdem der Plan bekannt gegeben worden war, bezeichnete Senator Mitt Romney, Republikaner und Trump-Kritiker, den Abzug als „Geschenk an Russland“.

Post source : https://www.aljazeera.com/news/2020/07/pentagon-announces-11900-troops-moved-germany-200729133125564.html

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