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Das Schlimmste kommt noch

Das Schlimmste kommt noch

Thailand ist eine Erfolgsgeschichte, was die Eindämmung von Corona betrifft. Da wird es in einem Atemzug mit Ländern wie Neuseeland genannt, in dem die Infektionsrate ebenfalls bei null liegt.

Was die wirtschaftlichen Aussichten betrifft, steht Thailand allerdings nicht gut da.

Ein Überblick

Laut der Bank of Thailand wird das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in diesem Jahr voraussichtlich um 8,1 Prozent schrumpfen. Dies ist schlimmer als die Prognosen für die wichtigen Volkswirtschaften in anderen asiatischen Ländern und wäre Thailands größter BIP-Rückgang aller Zeiten, der sogar den Konjunktureinbruch während der asiatischen Finanzkrise übersteigen würde.

Kiatipong Ariyapruchya, leitender Ökonom für Thailand bei der Weltbank sagte, dass die Tourismusbranche fast 15 Prozent des BIP ausmache, und die Exporte sehr wichtig seien. „Daher der große BIP-Schock.“

Analysten sagen voraus, dass die Wirtschaft in Thailand mit sechs Prozent stärker schrumpfen wird als in anderen südostasiatischen Ländern, und 2021 mit vier Prozent eine schwächere Erholung verzeichnen wird als die Konjunktur in anderen Staaten.

Der Ausnahmezustand, die nächtliche Ausgangssperre und die im ganzen Land verhängten Geschäftsschließungen zur Bekämpfung des Virus haben den Privatkonsum und die Privatinvestitionen nach unten gedrückt, die sich im vergangenen Jahr bereits in einem Abwärtstrend befanden. Es wird erwartet, dass der Konsum anziehen wird, wenn die Sperrbeschränkungen aufgehoben werden und die staatlichen Konjunkturmaßnahmen sich auf die Wirtschaft auswirken. Angesichts der düsteren Aussichten ist es indes möglich, dass die Anleger nur langsam zurückkehren.

Da die Pandemie die Grenzschließungen erzwang, verzeichnete Thailand im Juni den dritten Monat in Folge null Touristen. Damit gab es auch keine Einnahmen von ausländischen Besuchern.

Trotz der Pläne für sogenannte Reiseblasen mit ausgewählten Ländern öffnen die thailändischen Behörden das Land nur langsam und vorsichtig. Die Bemühungen, den Inlandstourismus zu fördern, werden die enormen Verluste für diese kritische Industrie, die im vergangenen Jahr etwa ein Fünftel der thailändischen Wirtschaft ausmachte, nicht wettmachen.

Auf den ersten Blick scheinen sich die thailändischen Exporte in diesem Jahr relativ gut behauptet zu haben und schrumpften nur in den ersten zwei Monaten des ersten Halbjahres 2020.

Wie sich aber herausstellt, haben Verzerrungen dazu beigetragen, auch hier einen stärkeren Schlag abzufedern. Steigende Goldpreise haben lokale Investoren dazu veranlasst, Gold zu verkaufen, was die Gesamtexporte steigerte. Wenn man Gold herausrechnet, sind die Exportdaten verheerend.

Der thailändische Baht hat in den letzten drei Monaten gegenüber dem US-Dollar um fast sechs Prozent zugelegt und ist damit der zweitbeste Performer in Asien. Trotz der drei Zinssenkungen der Bank of Thailand in diesem Jahr, die den Leitzins auf ein Rekordtief von 0,5 Prozent gebracht haben, blieb die Währung wegen des Erfolges des Landes bei der Eindämmung der Pandemie hart.

Die Zentralbank zeigte sich besorgt über die Stärke des Baht, da dies die Exporte behindert und die wirtschaftliche Erholung erschweren wird. Beamte haben gewarnt, dass sie zusätzliche Schritte in Betracht ziehen, um den Wert des Baht bei Bedarf zu zügeln.

Das Schlimmste steht noch bevor

Ich spreche nicht von der Pandemie. Ich gehe optimistisch davon aus, dass die Corona-Pandemie in Thailand vorbei ist, da wir seit zwei Monaten keine Infektionen mehr haben, kommentiert der Wirtschaftswissenschaftler Chartchai Parasuk. Der Lockdown, der darauf abzielt, Besucher von der Einreise nach Thailand abzuhalten, wurde erheblich gelockert, und die meisten wirtschaftlichen Aktivitäten dürfen wieder aufgenommen werden.

Worüber mache ich mir also Sorgen? Sollte die Talsohle der Wirtschaft nicht bereits im zweiten Quartal erreicht worden sein, als der Lockdown in Kraft trat? Sogar Virathai Santipraphob, damals Gouverneur der Bank of Thailand, sagte Anfang letzten Monats, die Konjunktur habe im zweiten Quartal ihren Tiefpunkt erreicht und werde sich im dritten und vierten Quartal des Jahres erholen. Bis Ende nächsten Jahres würde die thailändische Wirtschaft wieder das Niveau der Zeit vor Corona erreichen. Sollten dann keine Armenspeisungen (siehe Foto) mehr nötig sein?

Ich bin mit dieser Vorhersage aus drei Gründen nicht einverstanden.

Erstens war der Lockdown mit vielen Hilfspaketen verbunden. Der Lockdown im zweiten Quartal hat der Wirtschaft großen Schaden zugefügt. Gleichzeitig profitierte dieses Quartal von zahlreichen Konjunkturpaketen im Wert von 1,9 Billionen Baht. Zugegeben, nicht das gesamte Geld kam in diesem Quartal. Aber ein riesiger Betrag von 352 Milliarden Baht an Bargeld aus den Programmen „Niemand bleibt zurück“ und „Hilfe für Farmer“ wurde während eines Zeitraums von drei Monaten an 15,1 Millionen Menschen und zehn Millionen Familien im Agrarsektor verteilt.

Dieser Betrag entsprach 8,3 Prozent des vierteljährlichen BIP und bot mehr als der Hälfte der thailändischen Bevölkerung finanzielle Erleichterungen. Das ist nicht alles. Die Bank of Thailand erlaubte kleinen Privatschuldnern, Kreditrückzahlungen um sechs Monate zu verschieben. Bisher haben sich 11,5 Millionen Schuldner mit einem Gesamtkreditwert von 3,8 Billionen Baht für eine solche Unterstützung entschieden. Das Programm endet im September und Schuldner müssen dann mindestens 100 Milliarden Baht an monatlichen Darlehenszahlungen wieder aufnehmen.

Wie soll das dritte und vierte Quartal für Thais besser werden, wenn keine Bargeldausgabe mehr erfolgt und die Kreditzahlungen wieder aufgenommen werden müssen?

Für diejenigen, die Zahlen lieben: Das zusätzliche Einkommen aus den beiden Haupthilfspaketen betrug im zweiten Quartal 626,5 Milliarden Baht und im dritten Quartal immerhin noch 350 Milliarden Baht. Im vierten Quartal gibt es gar nichts mehr. Wie soll sich die Wirtschaft mit immer weniger zusätzlichen Einnahmen erholen?

Zweitens gibt es nach wie vor Corona-Alarm in den großen Volkswirtschaften. Außer Neuseeland ist kein Land so infektionsfrei wie Thailand. Sogar in Vietnam, das immer so stolz auf seine Maßnahmen war, gab es einen neuen Ausbruch. Da Nang wurde abgeriegelt, 80.000 Menschen aus Angst vor einer zweiten Welle aus der Stadt gebracht. Hongkong erlaubt keine Versammlungen von mehr als zwei Personen. Krankenhäuser in Texas schicken Patienten nach Hause, damit sie dort sterben, da die Hospitäler überlastet sind.

Vor diesem Hintergrund kann Thailand eine Erholung bei der Nachfrage der Exporte für das gesamte Jahr so gut wie vergessen.

Und natürlich werden die Einnahmen durch ausländische Touristen wahrscheinlich bis Ende des Jahres oder bis zur Einführung eines wirksamen Impfstoffs gleich Null bleiben. Die Hochsaison kann wohl abgehakt werden. Es wird nicht einmal eine Nebensaison in der Hochsaison geben.

Das sind keine guten Nachrichten für ein Land, in dem 60 Prozent des BIP vom Export von Waren und Dienstleistungen abhängen, während der Privatkonsum nur die Hälfte des BIP ausmacht. Es gibt keine Möglichkeit, dass sich die Wirtschaft aufrappelt, ohne dass sich Export- und Tourismussektor erholen. Vielleicht ist es an der Zeit, eine Kampagne zu fördern, die das Ziel hat, den Verbrauch einheimischer Produkte zu steigern. Aber wo sollen thailändische Verbraucher das Geld hernehmen, um zu konsumieren?

Drittens werden im dritten und vierten Quartal massive Entlassungen stattfinden. Wir haben es mit einem verzögerten Effekt der wirtschaftlichen Kontraktion zu tun.

Unternehmen werden an ihrer wertvollen Belegschaft festhalten, bis sie entweder sicher sind, dass sich ihre Unternehmen nicht bald erholen werden, und/oder ihnen das Geld für den laufenden Betrieb ausgeht. Genau das passiert gerade.

Die Weltbank hat geschätzt, dass 8,3 Millionen thailändische Arbeitnehmer oder 21,7 Prozent der Gesamtbelegschaft bis Ende des Jahres entweder arbeitslos werden oder Einkommensverluste hinnehmen müssen.

Derzeit konzentrieren sich die Entlassungen auf den Tourismussektor und die exportorientierte Industrie. Es wird jedoch nicht lange dauern, bis sich die Entlassungen auf alle Sektoren ausbreiten, wie die Weltbank vorausgesagt hat.

Die BIP-Zahlen sind nur Zahlen, aber hinter diesen Zahlen spielt sich ein Drama ab. Die Arbeitslosigkeit ist die wahre Tragödie der zerstörten Konjunktur. Die Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre ist bekannt durch Bilder von Arbeitslosen, die sich für Lebensmittel anstellen, nicht für negative BIP-Wachstumszahlen.

Selbst wenn die Wirtschaft aus irgendeinem Grund in der zweiten Hälfte dieses Jahres zulegt, werden Millionen Thais immer noch keinen Arbeitsplatz im Tourismus- und Exportsektor haben.

Was sollte die Regierung tun, um den Schmerz arbeitsloser und hungernder Thais zu lindern?

Die Antwort: Nichts anderes hilft als noch mehr Konjunkturpakete. Die Europäische Union hat ein neues Konjunkturpaket in Höhe von 750 Milliarden Euro genehmigt, und die US-Republikaner schlagen ein zusätzliches Paket von einer Billion US-Dollar vor, um die Zahlung von Arbeitslosengeld zu verlängern. Es wird immer mehr dieser großen Konjunkturpakete auf der ganzen Welt geben. Die Frage ist: Können sich die Regierungen das leisten?

In den meisten Ländern werden diese Konjunkturpakete finanziert, indem die Zentralbanken Geld drucken, da kein Land so viel Geldreserven hat, um die Pakete zu bezahlen. Die weltweiten Einsparungen betragen etwa 25 Prozent des BIP, und die Hälfte davon, 12,6 Prozent des weltweiten BIP, wurde bereits für die Konjunkturpakete der ersten Runde in Höhe von 11,1 Billionen US-Dollar verwendet.

Das zweite oder vielleicht das dritte und vierte Paket muss durch Gelddruck finanziert werden. Es bleibt keine andere Wahl, es sei denn, das Land ist bereit, Kredite beim Internationalen Währungsfonds (IWF) aufzunehmen.

Wie soll Thailand weitere Hilfspakete finanzieren? Die Möglichkeit, Kredite beim IWF oder im Ausland aufzunehmen, ist politisch oder wirtschaftlich nicht akzeptabel. Daher besteht die verbleibende Option darin, dass die Bank of Thailand Geld druckt. Die Folgen sind Inflation und Leistungsbilanzdefizite.

Glücklicherweise verfügt Thailand über internationale Reserven, die zwölf Monaten Import von Waren und Dienstleistungen entsprechen, und wir können die Hälfte davon opfern, um mehr Konjunkturpakete zu finanzieren.

Bevor Sie fragen: Singapur nutzt seine internationalen Reserven, um einen Teil des Corona-Konjunkturpakets zu finanzieren. Ein Reservebetrag in Höhe von 11,78 Milliarden US-Dollar wurde grundsätzlich genehmigt.

Basierend auf dieser Idee kann die Bank of Thailand neue Konjunkturpakete bis zu 4,2 Billionen Baht oder 25 Prozent des BIP unterstützen, bevor die Wirtschaft destabilisiert wird. Das sollte der Regierung in dieser schwierigen Zeit Raum zum Luftholen geben und Millionen Thais vor dem Hunger bewahren.

Post source : https://www.bloomberg.com/news/articles/2020-07-06/here-s-why-thailand-s-dire-economic-outlook-is-the-worst-in-asia https://www.bangkokpost.com/opinion/opinion/1959763/the-worst-of-covid-19-is-yet-to-come

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