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Ein Kulturerbe wird platt gemacht

Ein Kulturerbe wird platt gemacht

Die Nationalparkbehörde in der Provinz Phrae empörte die ganze Nation, indem sie ein Haus mit historischem Erbe dem Erdboden gleichmachte. Werden die Behördenmitarbeiter trotzdem ungeschoren davonkommen, fragt Sanitsuda Ekachai.

Die Zerstörung historischer Gebäude ist gesetzeswidrig. Die Täter müssen zur Rechenschaft gezogen werden. Doch werden wir nach dem öffentlichen Aufruhr die Angelegenheit nun ruhen lassen? Immerhin haben die Täter die Experten vortreten lassen und versprochen, die Kosten für den Wiederaufbau zu bezahlen.

Sie verwendeten Steuergelder, um das alte Teakhaus abzureißen, das ein wichtiger Teil der Geschichte von Phrae ist. Als die Einheimischen wütend wurden, sagten sie die Unwahrheit, denn sie meinten, ihre Arbeit diene dem Naturschutz. Als diese Aussage die Menschen noch wütender machte, klopften sie ihnen auf den Rücken, sagten ihnen, sie sollten sich beruhigen und versprachen einen raschen Wiederaufbau – natürlich erneut mit unseren Steuergeldern –, während sie der rechtlichen Verantwortung ausweichen.

Und wir lassen sie auch noch ungestraft davonkommen. Ernsthaft?

Die Behörde für Schöne Künste, die für historische Stätten zuständig ist, hat die Verantwortung, die Nationalparkbehörde und die Dienststelle in Phrae zu verklagen. Doch die Behörde schreitet unterwürfig durch die Trümmer und versucht, aus diesen das ehrwürdige Bombay Burmah House wieder aufzubauen.

Natürlich ist es schön, zumindest eine Nachbildung des nationalen Erbes zu haben. Schließlich können wir den Abriss nicht rückgängig machen. Aber wir können zukünftige Zerstörungsorgien nicht verhindern, wenn mit den vorliegenden Gesetzen Verstöße nicht geahndet werden können.

Ist die „Heiligkeit des Gesetzes“ nicht das Mantra der Nationalparkbeamten, wenn sie Waldbewohner verhaften und vertreiben? Für sie spielt es keine Rolle, ob sie seit Generationen im Wald leben. Jeder muss das Gesetz respektieren, darauf bestehen sie.

Hier sagt das Gesetz, dass es ein Vergehen ist, historische Stätten zu zerstören. Wenn Nationalparkbeamte anordneten, das alte Teakhaus abzureißen, das im Übrigen auch Teil der Geschichte dieser Behörde ist, dann haben sie auch die Konsequenzen zu tragen.

1901 übernahm das Forstamt das Haus sowie die Holzindustrie in Phrae und nutzte es als Wohnsitz der regionalen Forstchefs. Als die Abholzung ein Ende nahm, wurde das Gebäude eine Unterkunft für die Gäste des Forstamtes und später ein Studienzentrum. Das Haus war von üppigem Grün umgeben und grenzte an die Chetawan-Gemeinde am Flussufer, die so alt ist wie das historische Haus, wenn nicht sogar noch älter.

Die Gemeinde bemerkte ein Schild vor dem Haus, auf dem ein „Renovierungs- und Verbesserungsprojekt“ angekündigt wurde. Gut, dachten alle. Obwohl es keine öffentliche Konsultation gab, brauchte das alte Haus tatsächlich ein Facelifting. Bevor sie wussten, wie ihnen geschah, wurde das Haus über Nacht platt gemacht.

Sie waren fassungslos. Die Teakholzsäulen und -bretter lagen ohne Schutz vor Sonne und Regen auf dem Boden verstreut herum. Dekorative Muster wurden in kleine Stücke zerrissen. Das war keine „Reparatur und Verbesserung“, sondern ein Abriss. Wütend protestierten die Einwohner von Phrae im Rathaus und forderten, das Projekt zu beenden, alle Informationen darüber preiszugeben und den örtlichen Gemeinden die Teilnahme an der Restaurierung zu ermöglichen.

Ich muss zugeben, dass ich mir den Abriss aus persönlichen Gründen sehr zu Herzen nahm. In dem Haus lebte mein Großvater, als er der regionale Forstchef in Phrae war. Er starb auch dort.

Dieses Haus war gleichzeitig das Elternhaus meiner Mutter, in dem sie eine glückliche Kindheit verbrachte, und das in unseren Gute-Nacht-Geschichten immer wieder auftauchte. Ihre Augen leuchteten jedes Mal, wenn sie über die Elefanten sprach, die Haustiere waren, wie sie zusammen spielten und wie intelligent die Dickhäuter waren.

Sie konnte im Haus rennen und toben, erzählte sie, weil die Veranda im Obergeschoss so groß und lang war. Die lustigen Geschichten handelten von all dem Blödsinn, den sie immer gemacht hatte. Aber als „Papas Mädchen“ genoss sie immer seinen Schutz. Und wie stolz sie auf ihn war, erinnerte sie sich. Als ein Händler versuchte, ihn zu bestechen, trat er die Schachtel, in der das Geld war, einfach die Treppe hinunter.

Das Leben nach dem frühen Tod ihres Vaters war voller Herausforderungen, aber in diesen Gute-Nacht-Geschichten war diese eiserne Dame des thailändischen Journalismus, die meine Mutter war, wieder dieses sorglose, glückliche kleine Mädchen in diesem alten Teakholzhaus.

Meine Familie hat das Haus vor 20 Jahren besucht, einige Jahre nachdem meine Mutter gestorben war. Als Privateigentum des Forstamtes war es nicht öffentlich zugänglich. Aber wir trafen eine Anwohnerin, die uns, als wir den Namen unseres Großvaters erwähnten, sofort ins Haus ließ und uns eine Holzplatte zeigte, auf der sein Name und die Namen anderer Forstchefs standen.

Sie erzählte uns auch gruselige Geschichten über das Haus. Über Geräusche eines Mannes, der mitten in der Nacht auf einem Pferd reitet oder über ein totes kleinen Mädchen im Haus. Sie war fassungslos, als ich ihr erzählte, dass die kleine Schwester meiner Mutter dort gestorben war und der Sarg während der Trauerfeier im Haus aufbewahrt wurde.

Ich bat darum, nach oben gehen zu dürfen, damit ich die Veranda sehen konnte, auf der meine Mutter immer gespielt hatte. Das Haus, sagte sie, war vor der Renovierung viel größer, um Forstchefs aus Bangkok unterzubringen. Trotzdem war ich froh zu sehen, dass die Treppe, auf der mein Großvater gegen die Geldschachtel trat, immer noch da war.

Und jetzt ist alles weg.

Der Abriss des Bombay-Burmah-Hauses und die Kultur der Straflosigkeit sollten nicht überraschen. Erinnern Sie sich, wie ein Nationalparkchef seine Männer dazu brachte, die Häuser von Waldbewohnern im Wald von Kaeng Krachan niederzubrennen? Ein Gericht urteilte, dass dies illegal war. Aber anstatt bestraft zu werden, wurde er befördert. Nichts anderes bei einem seiner Kollegen: Der Mann wurde vom Gericht für schuldig befunden, weil er die Stoßzähne eines wilden Elefanten nach dessen mysteriösen Tod im Wald als sein persönliches Hab und Gut aufbewahrt hatte. Anstatt gefeuert zu werden, ist der Mann jetzt Chef eines Nationalparks.

Während der Kontroverse um das Bombay Burmah House gab es genau dieselben Spiele, bestehend aus Unwahrheit, Vetternwirtschaft und Straflosigkeit. Der für Phrae zuständige regionale Fortamtschef sagte, es handle sich um ein Restaurierungsprojekt, das den korrekten Konservierungstechniken und Bauplänen folgte. Die Wahrheit? Als er gedrängt wurde, Beweise vorzulegen, gab er widerwillig zu, dass es keine Pläne gab – aber erst, nachdem sich sein Minister zu Wort gemeldet hatte, um die Forstbeamten in Phrae zu verteidigen und die gleiche unwahre Behauptung vor der ganzen Nation zu wiederholen.

In einer Kehrtwende sagte der Minister, es tue ihm leid, dass er die Fakten nicht überprüft und nun den Forstbeamten versetzt habe. Aber die Minister kommen und gehen. Die tief verwurzelte Kultur der Straflosigkeit in der Nationalparkbürokratie bleibt bestehen. Seien Sie nicht überrascht, wenn der Forstchef der Bestrafung entgeht. Eine Versetzung entspricht übrigens nicht den Buchstaben des Gesetzes. Wenn man gegen das Gesetz verstößt, müsste man „eigentlich“ vor Gericht gestellt werden, entweder vor das Kriminal- oder das Verwaltungsgericht, oder beides.

Das passierte bislang nicht. Als der oberste Chef der Nationalparkbehörde das zerstörte Gebäude in Augenschein nahm, betonte er, dass man nicht über die Vergangenheit sprechen, sondern sich auf Gegenwart und Zukunft konzentrieren sollte.

Wie bitte?

Er versprach, das Haus originalgetreu wieder aufzubauen oder es „noch schöner“ zu machen und zudem die lokalen Eingaben zu beachten. Er erwähnte auch die Möglichkeit, das Gesetz zu ändern, damit seine Behörde die Eintrittsgelder für den Nationalpark nutzen könne, um Budgets für die jeweiligen kulturellen Stätten aufzustocken.

Dieses und jenes zu versprechen, um die verärgerten Bürger zu besänftigen, unterstreicht nicht nur die bevormundende Mentalität der zentralisierten Bürokratie, sondern das klingt auch wie Bestechung.

Sollten die Leute in Phrae ihm das abkaufen? Gemäß der Verfassung haben Lokalgemeinden das Recht, ihre kulturellen und natürlichen Ressourcen zu erhalten und wiederherzustellen. Die Forstbehörde umgeht jedoch weiterhin die Gemeinderechte, weil sie damit durchkommt.

Soll das so weitergehen? Sollen die Anwohner sich weiterhin von den Mandarinen aus Bangkok ihres Rechts berauben lassen, das zu verwalten, was ihnen gehört? Hier geht es nicht nur darum, ein altes, historisches Haus zu erhalten. Es geht um die Notwendigkeit der Dezentralisierung des Landes. Wenn das nicht passiert, werden lokale Rechte, Kultur und Würde weiterhin nicht beachtet. Das Bombay Burmah House ist ein Symbol dafür, welche Auswüchse das haben kann.

Post source : https://www.bangkokpost.com/opinion/opinion/1943856/demolition-lies-nepotism-and-impunity

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