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Toller Internetservice

Toller Internetservice

Bei aller Moserei à la „Thailand ist ein Entwicklungsland“ etc. will ich einmal behaupten, dass Thailand sehr viel fortschrittlicher ist als andere Länder. Das Internet in Deutschland ist beispielsweise eine einzige Katastrophe, vor allem dann, wenn man nicht in einer Stadt wohnt. Ebenso das Telefonieren mit dem Handy. Außerhalb von Städten wird es mitunter schwierig.

In Thailand hat doch inzwischen jedes Isan-Büffeldorf Handy-Empfang und jeder Bauernhof Internet.

Das ist sicherlich nicht zuletzt auch den Anbietern geschuldet, die immer einen tollen Service abliefern. Und zu diesen Telekommunikationsunternehmen gehört auch eines, das im Besitz einer der reichsten fünf Familien in Thailand ist. Die betreibt gleichzeitig die Supermarktkette 7-Eleven und den größten Lebensmittelkonzern Thailands. Offenbar passen Telefon und Internet und Lebensmittel gut zusammen.

Ein Freund berichtete mir folgendes:

„Bis 2019 war ich mit meinem Anbieter immer sehr zufrieden, doch letztes Jahr begannen die Aussetzer. Einmal hatte die gesamte Straße, in der ich wohnte, kein Internet. Die Leitung war für zwei Tage ausgefallen – und alle Nachbarn waren ebenso wie ich bei diesem Anbieter. Da ging metaphorisch gesprochen in der ganzen Straße das Licht aus.

Wirklich erholt hat sich das alles seitdem nicht mehr. Es gab immer mal wieder Ausfälle, meistens kam das Internet nach ein paar Stunden aber wieder zurück. Das darf man nicht zu eng sehen. Doch dann:

Tag 1: Das Internet fiel am frühen Nachmittag aus. Und da es am frühen Abend immer noch weg war, ahnte ich, dass das was Ernstes war. Ich erkundigte mich bei meinem Nachbarn, wie oben angedeutet, ist er ebenfalls bei meinem Anbieter. Bei ihm alles in Ordnung. Das Problem lag also bei mir, vermutlich vor meiner Haustür am nächsten Kabelmast. Da war wohl eine Schraube locker oder was auch immer.

Tag 2: Dem armen Internet gab ich über Nacht Zeit, sich zu erholen. Aber diese Erholungsphase hat leider nicht ausgereicht. Daher musste ich mich an das Call Center wenden und die armen Mitarbeiter mit meinem Anruf belästigen. Das Problem wurde notiert und versprochen, dass es am nächsten Tag behoben werden würde. Stichwort: Tomorrow.

Tag 3: Weil bis nachmittags nichts geschehen war, niemand auftauchte oder anrief und mein Internet nicht funktionierte, wendete ich mich erneut an die völlig überlasteten Damen und Herren im Call Center. Diese sagten, man arbeite schon am Problem, es sei in Kürze behoben.

Tag 4: Mir war es auch schon peinlich, aber schon wieder musste ich die Nummer des Call Centers wählen. Nur um zu erfahren, dass – wie am Vortag versprochen – an dem Problem gearbeitet worden war und es nun behoben sei. Da fiel es schwer zu monieren, dass ich immer noch kein Internet hatte.

Tag 5: Da das mit dem Call Center nicht so funktionierte, musste ich mir etwas anders einfallen lassen. Die haben im Call Center sicher viel zu tun und haben wohl nicht auf meinen täglichen Anruf gewartet. Das muss man schon verstehen. Daher machte ich mich auf, um persönlich bei einer Filiale vorzusprechen. Zum Glück gibt es in meiner Nähe eine Niederlassung des Anbieters. Ich schilderte das Problem, es wurde herum telefoniert, und schließlich ein Versprechen. Morgen käme der „Enschinir“ und würde das Problem beheben. Morgen. Tomorrow.

Tag 6: Warten auf den Enschinir, der nie auftauchte. Es erfolge auch kein Anruf. Der arme Mann hatte sicherlich viel zu tun und nicht einmal Zeit, kurz durchzurufen, um zu sagen, dass er sich um einen Tag oder so verspätet. Alles kein Problem.

Tag 7: Wieder bin ich in der Niederlassung. Da arbeiten fast nur junge Frauen. Die scheinen dieselbe Politik zu verfolgen wie 7-Eleven. Wie gesagt, ist ja auch derselbe Mutterkonzern. Aber das nur am Rande. Mir wurde versprochen, dass am nächsten Tag der Enschinir käme und sich des Problems annehmen wird. Schon wieder: Morgen. Tomorrow. Gibt es da nicht diesen Witz, dass es in Spanien immer „mañana mañana“ heißt?

Tag 8: Der Tag lief ab wie Tag 6.

Tag 9: Neun Tage kein Internet. Ich weiß, das hört sich unglaublich an, es ist aber so. Mein Anbieter nimmt über 800 Baht pro Monat, ich hatte bis dahin also schon fast 300 Baht für nix und wieder nix bezahlt. Auf zur Niederlassung. Da fahre ich gern hin, der Weg dorthin ist schön, und die Damen sind auch nett.

Eine besonders freundliche Mitarbeiterin sagte mir, ich solle abhauen. Die Niederlassung sei nur zum Telefonkaufen, Vertrag abschließen und Kohle abdrücken da. Und wenn ich was wolle, dann solle ich das Call Center anrufen.

Fehlte nur noch, dass sie eine Peitsche gezückt oder mit dem Sicherheitsdienst gedroht hätte. Ansonsten war sie aber ausgesprochen nett.

Tag 13: Ein Enschinir war da. Ich habe Internet!

Tag 20: Wie Tag 1.“

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