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Das Wunder von Thailand

Das Wunder von Thailand

Das Wunder von Thailand

Thailand hatte den weltweit ersten Coronavirus-Fall außerhalb Chinas. Doch das Land konnte eine Katastrophe vermeiden.

Thailand hat eine weitere Erfolgsgeschichte aufzubieten, diesmal in Bezug auf Corona. Das ist umso bemerkenswerter, weil Thailand das erste Land war, in dem im Januar außerhalb Chinas ein Fall von Covid-19 entdeckt wurde.

Zu dieser Zeit gab es intensive Spekulationen darüber, ob das Virus womöglich katastrophale Auswirkungen auf Südostasien haben könnte. Gleichzeitig behaupteten Regierungen im Westen, darunter auch die deutsche Regierung, dass China bzw. Südostasien weit weg seien und Corona in Europa kein Thema werden würde.

Aber Thailand – und auch Laos, Kambodscha, Burma und Vietnam – haben alle niedrige Fallzahlen, obwohl China nicht weit weg ist, und viele Chinesen die vorgenannten Länder noch bis zuletzt bereisten.

Tanarak Plipat, stellvertretender Generaldirektor der Behörde für Krankheitskontrolle, und maßgeblich an der Reaktion Thailands auf das Coronavirus beteiligt, sagte, das Land sei aufgrund von Reisenden aus China als Hochrisikogebiet eingestuft worden.

„So gesehen wussten wir, dass viele Touristen aus China hier waren – insbesondere aus der Provinz Hubei und zu Beginn der Epidemie“, sagte er. „Sie dachten, wir wären das Land mit dem höchsten Risiko, weil so viele Touristen aus der Provinz Hubei nach Thailand kamen.“

Eine Armee von Freiwilligen

Im März erklärte Thailand den Ausnahmezustand. Den Leuten wurde gesagt, sie sollten im Haus bleiben, es wurde eine nächtliche Ausgangssperre verhängt.

Geschäfte und Unternehmen mussten schließen, und die Nervosität wegen des sich schnell ausbreitende Virus nahm zu.

Doch anstatt sich in ihrem Haus einzusperren, begab sich der freiwillige Helfer Aksorn Boosamsai nach Klong Toey – dem größten Slumviertel im Zentrum Bangkoks.

„Ich hatte Angst … aber ich denke, es gehörte zu meinen Aufgaben, der Gemeinde zu helfen“, sagte der 52-Jährige.

Boosamsai ist eine Freiwillige von Village Health, eine Armee von überwiegend weiblichen, gemeinschaftsorientierten Mitarbeiterinnen mit medizinischer Grundausbildung.

Während ihre Einsätze normalerweise eigentlich nichts mit Pandemien zu tun haben, hat sich die Stärke dieser Freiwilligen bei der Verbreitung von Corona als wertvoll erwiesen.

Sie haben geholfen, Menschen zu untersuchen und Leute mit Symptomen zum Testen in Kliniken zu schicken. Sie haben ferner Gerüchte und Fehlinformationen über das Coronavirus zerstreut.

„Während des Höhepunkts im März und April besuchte ich jeden Tag die Gemeinde“, sagte Boosamsai und fügte hinzu, dass sie zuerst Vorsichtsmaßnahmen gegen Infektionen getroffen habe.

„Ich haben ihnen Essen, Masken, Handgel gegeben und habe den Bewohnern beigebracht, wie man sich die Hände richtig wäscht“, sagte sie.

Der Einsatz der Freiwilligen ist ein wichtiger Teil einer beeindruckenden Reihe von Maßnahmen, die Thailand ergriffen hat, um bestätigte Corona-Fälle so zu beschränken, dass es kaum mehr als 3000 gab. Bisher gab es 58 Todesfälle durch das Virus, das ist im Vergleich sehr gering.

Unter anderem war das Team, das hauptsächlich aus Frauen besteht, für die Durchsetzung der Quarantäne verantwortlich, wenn Menschen von einer Provinz in die nächste reisten oder aus dem Ausland zurückkehrten.

Sie besuchten auch Orte, die als anfällig für Ausbrüche galten und noch gelten – darunter Gefängnisse, Gemeinden in der Nähe von Landesgrenzen und Migrantengemeinschaften – und lieferten wichtige Informationen zur öffentlichen Gesundheit in den örtlichen Gemeinden.

James Wise, ehemaliger australischer Botschafter in Bangkok und Autor von „Thailand: Geschichte, Politik und Rechtsstaatlichkeit“, sagte, die Freiwilligen von Village Health seien „enorm wichtig“.

„Der Hauptfaktor war, dass sie gut darauf vorbereitet waren“, sagte Wise. „Die Freiwilligen arbeiten eng mit den örtlichen Gemeinden zusammen. Sobald das Coronavirus da war, haben sie eine Armee von Fußsoldaten gehabt, die schnell über das Coronavirus informiert wurden und dann in die Gemeinden gingen, Informationen verbreiteten, Falschinformationen aus der Welt schafften und überprüfen konnten, ob die Leute Symptome hatten.“

Der erste Fall

Thailands erste Reaktion war nicht gerade perfekt. Obwohl sich das Virus in Wuhan schnell ausbreitete, setzte Thailand zunächst keine internationalen Flüge aus. Auch nicht nach China. Der erste Fall in Thailand wurde am 8. Januar gemeldet.

In das Land reisen jährlich ungefähr 13 Millionen chinesische Touristen, und schon früh warfen einige Bürger in den sozialen Medien der Regierung vor, die Tourismusgewinne über die öffentliche Gesundheit zu stellen.

Es gab auch Kritik, weil sich bei einem Thai-Boxkampf am 6. März im Bangkoker Lumpini-Stadion mehr als 100 Personen mit Corona angesteckt hatten.

Und es gab Verwirrung über die Verfügbarkeit von Mundschutz, über Quarantänemaßnahmen und die Einschränkungen während des Ausnahmezustandes.

Wenn man sich die Statistik ansehe, seien das aber nur kleine Fehler gewesen, meinte Wise. „Thailand hat sich in Bezug auf die Gesundheit insgesamt sehr gut geschlagen. Ich denke, die Fehltritte waren nicht allzu schwerwiegend.“

Kulturelle Faktoren und Lehren aus SARS

Was Thailand bisher dabei geholfen hat, gut zurechtzukommen, ist, dass es auf Systeme zurückgegriffen hat, die nach Erfahrungen mit SARS (schweres akutes respiratorisches Syndrom) und MERS (nahöstliches respiratorisches Syndrom) entwickelt und verfeinert wurden.

Diese Systeme umfassen ein ausgeklügeltes Screening an Flughäfen und ein großes Netzwerk hoch qualifizierter medizinischer Fachkräfte im ganzen Land.

„Es sind viele Dinge, nicht nur eine Sache“, sagte Tanarak von der Behörde für Krankheitskontrolle. „Wir haben ein sehr starkes öffentliches Gesundheitssystem. Im ersten Monat konnten wir zwei sehr wichtige Dinge tun.“

Die erste dieser Hauptmaßnahmen betraf die Teams zur Eindämmung übertragbare Krankheiten. Es gibt im ganzen Land rund 1000, darunter etwa 100 Teams, die gefährliche Krankheitserreger untersuchen können.

„Wir haben diese Teams alarmiert, um sicherzustellen, dass sie wachsam sind“, sagte Tanarak. „Das zweite, das wir sehr schnell tun konnten, war, alle Krankenhausmitarbeiter aus allen Provinzen in Alarmbereitschaft zu versetzen und sicher zu stellen, dass sie wissen, wie sie Fälle erkennen und Ausbrüche in den Krankenhäusern verhindern können. Wenn wir unser System aktivieren, weiß jeder, was zu tun ist.“

Tanarak sagte, es gebe auch eine „sehr gute Zusammenarbeit“ mit den thailändischen Bürgern, die alle mitmachten, Vorsichtsmaßnahmen trafen und die Ratschlägen von Gesundheitsbeamten befolgten.

Der ehemalige Botschafter Wise fügte hinzu, Thailands ausgezeichnetes öffentliches Gesundheitssystem habe seine Stärke bewiesen und auch kulturelle Faktoren hätten geholfen.

„Thais reagieren ziemlich schnell, wenn sie sich unwohl fühlen oder glauben, dass sie sich in der Nähe von Menschen aufhalten, denen es nicht gut geht. Sie setzen sofort einen Mundschutz auf“, sagte Wise. „Es gibt auch einige allgemeine Dinge. Wenn Thais sich grüßen, geben sie sich nicht die Hand, sie geben kein Küsschen.“ Da sie sich mit einem Wai begrüßten, sei das fast eine eingebaute soziale Distanzierung, die zum normalen Leben gehöre, erklärte er.

Unterschätzte Auswirkungen oder Hysterie

Tanarak sagte, er sei äußerst vorsichtig, man solle den Erfolg nicht zu früh zu feiern.

„Wir sind immer noch sehr vorsichtig, und der Premierminister selbst hat dies auch gesagt“, sagte er. „Wir alle wissen, dass dieses Virus sehr geringfügige Symptome verursachen kann und einige Infizierte möglicherweise überhaupt keine Symptome haben.“

Tanarak sagte, das Ziel der Gesundheitsbehörden sei nun, die aktive Überwachung des Virus aufrechtzuerhalten.

Dazu gehört der Versuch, jeden zu identifizieren, der möglicherweise an Corona leidet, auch diejenigen, die geringfügige Symptome haben.Ein wichtiger Teil dieser Strategie ist das Testen.

„Derzeit testen wir mehr als 7000 Proben pro Tag oder etwas mehr als 50.000 pro Woche“, sagte Tanarak. „Für mich ist das eine angemessene Menge an Tests, die wir durchführen, obwohl einige vielleicht möchten, dass wir noch mehr tun. Ich denke, wir werden die Sache so gut wir können überwachen.“

Tatsache ist allerdings, dass es seit sechs Wochen (Stand Anfang Juli) keinen Corona-Fall mehr in Thailand gab. Die einzigen Neuinfektionen betreffen Thais, die aus dem Ausland zurückkehrt sind und sich in Quarantäne befinden.

Bislang konnte kein Wissenschaftler erklären, weshalb die Leute beispielsweise alle mit Mundschutz herumlaufen sollen, wenn es in Thailand kein Corona mehr gibt. Wo sollen die Viren plötzlich herkommen? Haben die Vorsichtsmaßnahmen wie Beschränkungen beim Nachtleben und soziale Distanzierung vielleicht mehr mit Hysterie als mit Vireneindämmung zu tun?

Neben der Aufrechterhaltung einer aktiven Virus-Eindämmung wird die wirtschaftliche Erholung schwierig.

Ex-Botschafter Wise sagte, während Thailand es geschafft habe, die Gesundheitskrise gut zu bewältigen, wird die Regierung, wie überall in der Welt, „anfällig für Kritik sein“, wenn es um den Wiederaufbau der Wirtschaft geht. „Es ist sehr schwer, das richtig zu machen“, sagte er.

Die Regierung hat eine Reihe von Konjunkturpaketen angekündigt oder schon beschlossen, um die Wirtschaft anzukurbeln. Durch das Virus, das die Gesellschaft stark belastet, haben viele Menschen ihren Arbeitsplatz verloren.

Es wird auch Herausforderungen für die Freiwilligen von Village Health geben. Einige machen bereits Schulungen, damit sie Leute erkennen, mit deren Psyche es nicht zum Besten bestellt ist. Sie sollen diese dann an Experten zur Behandlung überweisen.

Auch jetzt ist Boosamsai da, um zu helfen.

„Ich bin froh, dass ich dazu beitrage, der Gemeinde Wissen zu vermitteln, damit sie sich selbst schützen kann, und ich meinem Land helfe, auch wenn es nur um meine Gemeinde geht, die nicht sehr groß ist“, sagte sie. „Ich bin stolz darauf, meinem Land und den Thais zu helfen.“

Post source : https://www.abc.net.au/news/2020-06-22/thailand-defies-odds-to-successfully-manage-coronavirus-pandemic/12359632

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