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Corona und die Wirtschaft

Corona und die Wirtschaft

Corona und die Wirtschaft

Der frühere Botschafter und Autor James Wise erläutert, wie Thailand die Corona-Katastrophe abgewendet hat und wie es mit der Wirtschaft des Landes aussieht.

Thailand wurde 2011 von einer Jahrhundertflut bedroht und versank vorübergehend im Wasser. Die Weltuntergangspropheten sagten voraus, dass massenweise Menschen sterben würden, weil Leptospirose – eine durch Urin von Nagetieren übertragene bakterielle Infektion, die häufig in kontaminiertem Wasser vorkommt – sich weit verbreiten würde, es in Bangkok kein Trinkwasser mehr geben und die Stromversorgung zusammenbrechen und das Land lähmen würde.

Es gab jedoch keinen Anstieg von Leptospirose. Europäische Experten standen bis zu den Oberschenkeln im Bangkoker Hochwasser, drehten den Wasserhahn auf – und heraus kam Wasser, das man zur Not auch hätte trinken können. Die Lichter blieben an. In der Tat wurden etwa 80 der über 800 Flutopfer durch einen Stromschlag getötet, weil der Strom nicht ausfiel.

Die falschen Vorhersagen wurden jedoch möglicherweise nicht umsonst gemacht. Auf diese Weise wurden vielleicht Beamte des öffentlichen Gesundheitswesens sowie die Wasser- und Elektrizitätsbehörden aufgefordert, Maßnahmen zur Abwendung der vorausgesagten Katastrophen zu ergreifen.

Gleiches kann für Corona gelten. Vielleicht veranlassten Vorhersagen im Januar, dass die Wuhan-Grippe bald Thailand heimsuchen würde, die thailändischen Gesundheitsbehörden, wachsamer zu sein. Die Vorhersagen veranlassten die meisten Bangkoker sicherlich auch, einen Mundschutz zu tragen.

Im Vergleich zu den fünf ASEAN-Gründungsmitgliedern steht Thailand mit rund 6000 Corona-Infektionen und knapp 60 an Covid-19 Verstorbenen am Besten da, denn es hat die niedrigste Infektionsrate. Im kleinen Singapur gab es beispielsweise weit über 20.000 Fälle.

Die niedrige Fallrate in Thailand ist in hohem Maße auf die Vorbereitung auf Pandemien zurückzuführen. Bei der Bewertung von 195 Ländern durch die Johns Hopkins University im Oktober 2019 belegte Thailand den sechsten Platz weltweit und den ersten Platz in Südostasien – eine wirklich beeindruckende Leistung. Niemand konnte ahnen, welche wichtige Rolle dieses gute Ergebnis nur ein paar Monate später schon spielen würde.

Der bisherige Erfolg Thailands bei der Reaktion auf Corona könnte einen weiteren Grund haben. Thais geben sich weder die Hand noch Küsschen zur Begrüßung. Der unverwechselbare thailändische Wai-Gruß (Aneinanderlegen beider Handflächen vor der Brust) ist ein Beispiel für jahrhundertealte soziale Distanzierung auf nationaler Ebene.

Die meisten Thais waschen sich die Hände und duschen oft. Im Gegensatz zu einigen Nachbarn spucken nur wenige auf der Straße herum. Bangkok mag chaotisch und verschmutzt wirken, aber die Einwohner sind ordentlich und sauber, die Häuser picobello.

Auch wenn Epidemiologen immer noch nicht erklären können, weshalb es so ist, scheint die Zahl der Fälle in der Mekong-Region gering zu sein. Weniger Fälle können einfach weniger Tests widerspiegeln. Diese Erklärung wäre aber zu einfach. Denn selbst wenn nicht getestet würde, wären an Covid-19 Erkrankte bei hohen Infektionsraten in Scharen in Hospitäler eingeliefert werden. Dies ist aber nicht der Fall. Vielleicht ist das Mekong-Klima ein Faktor. Wissenschaftler wissen es einfach noch nicht.

Aber diese Silberstreifen befinden sich am Himmel, der mit düsteren Coronavirus-Wolken verhangen ist. Weder der Premierminister, noch seine Minister, einschließlich des Gesundheitsministers, haben sich in der Krise mit Ruhm bekleckert.

Anfangs erlaubten sie weiterhin die Einreise chinesischer Besucher, diese konnten sogar ohne Visum nach Thailand kommen. Zum Glück verbot China seinen Bürgern schließlich die Ausreise. Erst da brach der Besucherstrom aus China nach Thailand ab.

Rückkehrwilligen Thais wurde anfangs die Rückkehr verweigert, obwohl das verfassungswidrig ist. Thais im Ausland mussten zunächst einen Arzt aufsuchen, der bestätigte, dass sie nicht an Covid-19 erkrankt waren. In der Anfangszeit der Pandemie-Krise war es schwierig, dieser Auflage nachzukommen. Dann sollten die zurückgekehrten Thais in Quarantäne, später nicht, und dann doch wieder. Ausländer, die mit einem thailändischen Partner verheiratet sind oder Kinder in Thailand haben, ist die Rückkehr nach wie vor nicht gestattet. Für die Situation dieser auseinander gerissenen Familien scheinen sich die zuständigen thailändischen Beamten und Politiker nicht besonders zu interessieren.

Und sie schauten auch weg, während Armeegeneräle Boxkämpfe in Bangkok organisierten, bei denen das Virus hundertfach verbreitet wurde. Sie überlegten dagegen, das Budget für die Allgemeine Krankenversicherung (30-Baht-Versicherung) zu kürzen und verschoben größere Anschaffungen fürs Militär erst nach einem öffentlichen Aufschrei.

Widersprüchliche Nachrichten über die Verfügbarkeit von Atemschutzmasken führten zu Panikkäufen, dann wurde ein Minister beim Export von Masken nach China erwischt.

Und die Regierung reagierte herablassend auf Thais, die sich darüber beschwerten, dass es schwierig sei, sich für die monatlichen staatlichen Hilfszahlungen in Höhe von 5000 Baht zu qualifizieren, die Teil des Wirtschaftspakets der Regierung waren.

Premierminister Genera Prayuth Chan-ocha sagte anfangs, es handle sich um eine Einmalzahlung. Dann sagte er, es werde drei Zahlungen geben. Dann sagte er, es gebe nur eine Zahlung. Dann sagte er es gebe doch drei Zahlungen. Ein völliges Durcheinander.

Dieselbe Verwirrung herrschte während der Jahrhundertflut 2011. Das eine Ministerium sagte etwas, ein anderes Ministerium etwas anderes, und dann kam irgendein Politiker und hatte eine dritte Version auf Lager.

Doch damals wie heute arbeiteten professionelle Regierungsbeamte fleißig daran, eine Katastrophe weniger katastrophal zu machen, und auf lokaler Ebene reagieren Thais auf die Lage mit einem gelassenen, gemeinschaftsorientierten Pragmatismus.

So haben die Thais die Überschwemmungen trotz politischer Unfähigkeit gemeistert – und werden auch Corona überstehen – nicht wegen der politischen Führung, sondern trotz der politischen Führung.

Sobald die Eindämmungsversuche von Corona abgeschlossen sind, wird die Bevölkerung nicht lange warten wollen, bis kompetente Gesundheitsbeamte und pragmatische lokale Gemeinschaften die größte Herausforderung bewältigen, die auf das Land wartet: die zweitgrößte Volkswirtschaft der Region zu reanimieren. Hier ist eine politische Führung von seltener Qualität gefragt, und selbst Wirtschaftsexperten dürften vor großen Schwierigkeiten stehen.

Die Herausforderungen für die Führung sind größer, da Corona eine bereits schwache Wirtschaft in Mitleidenschaft gezogen hat. Bevor das Virus (vermutlich von Fledermäusen) auf Menschen übertragen wurde, wuchs Thailands Wirtschaft nur um 2,4 Prozent. Wenn man diese Zahl mit den Wachstumsraten der anderen ASEAN-Gründungsmitglieder vergleicht: Indonesien 5,0 Prozent, Philippinen 5,9 Prozent, Malaysia 4,3 Prozent und der vollständig entwickelte Stadtstaat Singapur 0,7 Prozent.

Der Vergleich mit den anderen ASEAN-Mitgliedern wird die Lage in Thailand noch deutlicher: Kambodscha 7,1 Prozent, Laos 5,0 Prozent, Burma 6,8 Prozent, Vietnam 7,0 Prozent und Brunei 3,9 Prozent.

Kurz gesagt, Thailands Industrie, die 35 Prozent zum BIP (Bruttoinlandsprodukts) beisteuert, litt bereits unter einer geringeren globalen Nachfrage, höheren Kosten und einem starken Baht. Der altmodische Agrarsektor, auf den weniger als zehn Prozent des BIP, aber mehr als 30 Prozent der Erwerbsbevölkerung entfallen, war von Dürre und niedrigen Rohstoffpreisen betroffen.

Im HALLO hatten wir letztes Jahr in mehreren Artikeln beschrieben, dass es konjunkturell in Thailand nicht gerade rosig aussieht. Und dann kam Corona.

Ein kürzlich veröffentlichter Bericht der Weltbank zeigt auf, dass zwischen 2015 und 2018 unter General Prayuths Führung und lange vor Corona die Zahl der in Armut lebenden Thais um 1,85 Millionen gestiegen ist.

Der wirtschaftliche Lichtblick war die Tourismusindustrie, die auf über 18 Prozent des BIP wuchs, und in der über 20 Prozent der Erwerbsbevölkerung arbeitete. 2019 kamen fast 40 Millionen Touristen nach Thailand – elf Millionen davon aus China. 2009 waren es 14 Millionen Besucher, davon weniger als 800.000 aus China.

Laut einer Statistik des Ministeriums für Tourismus und Sport von Ende Mai kamen im April 0 (in Worten: null) Touristen nach Thailand. Diese Zahl wird sich im Mai und im Juni nicht geändert haben.

Die Bank of Thailand (BoT) geht davon aus, dass die Wirtschaft im Jahr 2020 um 5,3 Prozent schrumpfen wird, nachdem die BoT im Dezember 2019 noch ein Wachstum von 2,8 Prozent prognostiziert hatte.

Der Internationale Währungsfonds sieht noch schwärzer: minus 6,7 Prozent, auch deshalb, weil die lebenswichtige Tourismusbranche zerstört wurde.

In einer depressiven Weltwirtschaft braucht das bereits angeschlagene Thailand, das stark von Außenhandel, Investitionen und Touristen abhängig ist, neue Visionen und Strategien.

Ob Generäle, die das Pensionsalter schon lange überschritten haben, offen für diese neuen Visionen und Strategien sind? Es wäre geradezu tollkühn, wollte man diese rhetorische Frage bejahen.

Post source : https://asialink.unimelb.edu.au/insights/covid-in-thailand-failed-and-foolhardy-predictions

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