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Mehr Plastik während der Coronakrise

Mehr Plastik während der Coronakrise

Mehr Plastik während der Coronakrise

Es wurde weithin berichtet, dass die Corona-Pandemie einige positive Auswirkungen auf die Umwelt hat. Allerdings ist nicht alles so großartig, was die Natur betrifft.

Die Sichtung von Delphinen in Kanälen, Meeresschildkröten, die am Strand Eier legen, und ein klarer Himmel ohne Kondensstreifen scheinen gute Nachrichten inmitten der von Corona verursachten Verwerfungen zu sein.

Während die Menschen leiden, sieht es so aus, als würden Natur und Umwelt eine dringend benötigte Pause bekommen, um sich von all den menschlichen Aktivitäten zu erholen. Das ist eine positive Auswirkung des Lockdowns. So jedenfalls sieht es oberflächlich aus.

In Wirklichkeit verändern die anhaltende Sperrung und alle Maßnahmen, die wir ergreifen, um die Ausbreitung des Virus zu begrenzen, unseren Lebensstil und unser Verhalten erheblich und führen dazu, dass jeden Tag eine große Menge Plastikmüll produziert wird. Einige Aspekte der Sperrung sind nicht so umweltfreundlich, wie die Fotos von Tieren in Naturschutzgebieten und Meeren angeblich beweisen.

Nach Angaben der International Union for Conservation of Nature (IUCN) werden jährlich etwa 450 Millionen Tonnen Kunststoff produziert, von denen zwölf Millionen im Meer landen. Die UNO prognostiziert, dass es bis 2030 mehr Plastik im Ozean geben wird als Fische, wenn sich dieser Trend ohne Intervention fortsetzt.

Doch wie verändert sich die Plastiksituation während der Pandemie? Das Institut für öffentliche Ordnung und Entwicklung (IPPD) organisierte kürzlich eine Online-Podiumsdiskussion über Thailands Haltung in Bezug auf Plastik und wie die gesamte Situation durch Corona beeinflusst wird.

Es ist erst ein paar Monate her, dass Einkaufszentren und Supermärkte im Rahmen einer Umweltkampagne keine Plastiktüten mehr ausgeben. Zuvor waren in Thailand 45 Milliarden Plastiktüten pro Jahr verwendet worden.

30 Prozent stammten aus Supermärkten, weitere 30 Prozent aus Geschäften und 40 Prozent von Märkten. Die im Januar begonnene Maßnahme zielte darauf ab, diesen Verbrauch um 30 Prozent zu reduzieren. Die Umweltschutzbehörde hatte dieserhalb einen Fahrplan ausgearbeitet, um die Reduzierung in wenigen Jahren auf andere Einweg-Kunststoffartikel wie Styropor, Trinkbecher und Strohhalme auszuweiten. Das ultimative Ziel lautet, dass bis 2027 alle Kunststoffabfälle zu 100 Prozent recycelbar sind.

Diese Maßnahmen wurden durch das Virus gestört. Das IPPD führte Mitte April eine Online-Umfrage durch, in der über 700 Antworten gesammelt wurden, die hauptsächlich von Menschen aus der Region Bangkok stammen. Es wurde festgestellt, dass 62 Prozent Einwegkunststoffe als notwendig betrachten, sich 54 Prozent häufiger Lebensmittel liefern ließen und 47 Prozent mehr Online-Einkäufe tätigten.

Insgesamt kann festgestellt werden, dass Plastik vielleicht eine gar nicht so schlechte Erfindung ist, weil es hier auf jeden Fall hygienisch zugeht, wenn Lebensmittel entsprechend verpackt werden. Das haben die Leute gemerkt, als sie Plastik öfter als zuvor verwendeten. Umweltschützern gefällt diese Argumentation indes nicht.

„Die Welt hat sich während der Pandemie verändert und unsere Lebensweise hat sich seit dem Lockdown auch geändert. Die Menschen arbeiten mehr von zu Hause aus. Wir verwenden mehr Plastik und rechtfertigen dies aus hygienischen Gründen. Handschuhe, Schutzausrüstung und Mundschutz haben alle Plastikkomponenten. Um eine Ausbreitung des Virus zu verhindern, verwenden wir immer häufiger Einwegartikel“, sagte Bussaba Khongpanyakul, Leiterin des Konstruktions- und Testlabors am IPPD.

„Früher sahen wir es als eine Frage des persönlichen Gewissens an, ob wir diese Welt für die zukünftige Generation bewahren. Aber jetzt ist es nicht mehr so. Es geht nicht nur darum, den Planeten zu retten. Es geht ums Überleben und betrifft uns alle“, fügte sie hinzu.

Nattawin Chawaloesphonsiya von der Fakultät für Ingenieurwissenschaften an der Chulalongkorn-Universität, legte Daten der Abteilung für Umweltschutz vor, wonach der Plastikmüll aufgrund von Lebensmittelverpackungen um 15 Prozent von normalerweise 5500 Tonnen pro Tag auf 6300 Tonnen pro Tag gestiegen ist.

Lieferdienste wie Grab oder Food Panda haben dreimal mehr zu tun als vor der Pandemie, weil die meisten Menschen zu Hause bleiben. Die Bangkoker Stadtverwaltung (BMA) stellte außerdem fest, dass die Menge an Lebensmittelabfällen und gebrauchten Atemschutzmasken um 1,5 Tonnen pro Tag gestiegen ist.

Nattawin befürchtet, dass die Leute sich an diesen neuen Lebensstil gewöhnen und wie noch Ende letzten Jahres eine zunehmende Menge an Plastikmüll produzieren.

Außerdem sieht Nattawin nicht ein, dass die Leute in dieser Krise, in der Menschen durchaus Angst um ihr Leben haben, nicht in erster Linie an die Umwelt denken, sondern an ihr Überleben. Ähnliches warf er den Regierungen vor, die verzweifelt versuchen, die Pandemie einzudämmen.

Er merkte an, dass es „besorgniserregend ist, dass viele Länder aus Angst vor Kontaminationen von wiederverwendbaren Tragetaschen abraten oder ihre Initiative zur Reduzierung von Plastiktüten verzögern. Daher könnten unsere Bemühungen im Sande verlaufen, alternative Beutel zu verwenden und den Plastikverbrauch zu reduzieren. Wir kehren zu unseren alten Verhaltensmustern zurück und verwenden wieder Einwegkunststoffe, um das Risiko einer Kontamination zu verringern.“

Nattawin ist der Ansicht, dass es ein guter Anfang sei, Maßnahmen zur Reduzierung des Kunststoffverbrauchs und zur Förderung von Alternativen anzustoßen. Das reiche aber nicht aus, wenn sich die Leute an das Leben mit der Pandemie anpassen müssen.

Nattawin fügte hinzu, dass kontaminierte Abfälle wie Atemschutzmasken ordnungsgemäß getrennt und entsorgt werden müssen, um die Ausbreitung von Krankheiten zu verhindern. Für Unternehmen kann dies eine Chance sein, ihre Verpackungen neu zu gestalten oder alternative Materialien zu finden, die zur Lösung dieser Plastikkrise während der Coronakrise beitragen können.

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