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Risiken: Virus und Wirtschaft

Risiken: Virus und Wirtschaft

Risiken: Virus und Wirtschaft

Die Coronavirus-Pandemie verlangt von den Regierungen in aller Welt, dass sie schnell auf Veränderungen reagieren und die Situation ständig neu bewerten.

Was vor ein oder zwei Monaten richtig war, muss möglicherweise diese oder nächste Woche neu kalibriert werden, um ein Gleichgewicht zwischen Risiken und Zielen herzustellen.

Für Thailand ist das Gleichgewicht zwischen Sicherheit im Bereich öffentlicher Gesundheit und wirtschaftlicher Realität verloren gegangen. Das Zentrum für die Covid-19 Situationsverwaltung (CCSA) läuft Gefahr, Opfer des eigenen Erfolges zu werden.

Das bedeutet, dass die Regierung von Premierminister General Prayuth Chan-ocha Wirtschaftswissenschaftlern und Sozialarbeitern mehr Gehör schenken sollte als Epidemiologen und Ärzten, da sich Thailands Prioritäten bei der Virusbekämpfung geändert haben.

Als Corona in Thailand vor ziemlich genau vier Monaten das erste Mal auftrat, glänzte die Regierung durch Trägheit, mangelnde Wachsamkeit und Entschlossenheit. Am 13. Januar gab es den ersten Covid-19-Fall außerhalb Chinas – ausgerechnet in Thailand.

Die Infektionen blieben zunächst konstant bei 40 Fällen, vielleicht erinnert sich der eine oder andere noch daran. Doch nach dem Vorfall „Lumpini-Boxstadion“ am 6. März explodierten die Fallzahlen.

Es dauerte bis zum 26. März, bis die Regierung mit dem Notstandsdekret reagierte, und dann die CCSA ins Leben rief. Alsbald gingen die Neuinfektionen stetig zurück.

Im April feierten die Thais, wie viele andere Völker auf der ganzen Welt, ihre Ärzte, Krankenschwestern und alle anderen medizinischen Fachkräfte, die unermüdlich daran gearbeitet haben, Leben zu retten und das Virus abzuwehren.

Die täglichen Medienbesprechungen der CCSA wurden für viele Zuschauer zum wichtigsten Ereignis des Tages. Die Fallzahlen stiegen und blieben dreistellig, gingen dann aber zurück, als Ausgangssperren, soziale Distanzierung und andere strenge Hygienemaßnahmen wirksam wurden.

Im Mai reduzierten sich die Infektionsraten auf einstellige Werte. Am 13. Mai wurden 0 (in Worten: null) neue Covid-19-Fälle gemeldet. 117 Patienten wurden an diesem Tag wegen der Infektion in Krankenhäusern behandelt. 56 Personen sind bislang verstorben, 2844 Menschen wurden wieder gesund.

Das Gesundheitssystem hat keinerlei Probleme mit Covid-19, wie die obigen Zahlen beweisen. Aber auf sozialer und wirtschaftlicher Ebene verursacht das Virus das totale Chaos. Nach Angaben des Ministeriums für soziale Entwicklung und menschliche Sicherheit steigt die Selbstmordrate. Leute begehen Suizid, weil sie arbeitslos sind, Schulden oder psychische und familiäre Probleme haben, sich vor Covid-19 fürchten oder vom Staat nicht (rechtzeitig) die versprochene Soforthilfe von 5000 Baht erhielten.

Laut Aussagen der Bank of Thailand, des Internationalen Währungsfonds und des Thailand Development Research Institute wird die Wirtschaftsleistung in diesem Jahr um fünf bis zehn Prozent schrumpfen. Für die nächsten zwei bis drei Jahre wird eher ein längerer Einbruch als eine schnelle Erholung prognostiziert. Die Auswirkungen auf das Land sind gravierend, da die weltweite Nachfrage nach Gütern wegen der Pandemie eingebrochen ist.

Südkorea veröffentlichte vor ein paar Tagen entsprechende Zahlen. Dort sind zwischen dem 1. und 10. Mai die Exporte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 46,3 Prozent zurückgegangen, die Importe schrumpften um 37,2 Prozent. In anderen Ländern wird es nicht viel anders sein.

Trotz des massiven Konjunktur- und Hilfspakets der thailändischen Regierung von unglaublichen 1,9 Billionen Baht werden Unternehmensinsolvenzen, notleidende Kredite, steigende Arbeitslosigkeit, Nachfrageschocks und Unterbrechungen der Lieferketten dazu führen, dass Investitions- und Kreditzyklen für mehrere Jahre gedrosselt werden.

Das Risiko hat sich eindeutig von Gesundheit auf Wirtschaft verlagert. Natürlich sind und bleiben Ärzte und Mediziner die Helden. Ihr Fachwissen, ihre Arbeitsleistung und ihre Solidarität werden weiterhin Thailands Versicherung gegen mögliche zukünftige Ausbrüche sein. Aber im Moment sollte die CCSA nicht zu stolz auf die Infektionszahl „Null“ sein, wenn gleichzeitig die Bürger links und rechts des Weges unter unermesslichen Schwierigkeiten leiden.

Hier geht es nicht darum, Thailand für nationales „Gesicht“ und patriotischen Stolz aufs internationale Parkett zu bringen, sondern es geht vielmehr um eine gesunde Mischung aus Zielen und Risiken.

Soziale Distanzierung und Hygiene müssen auf unbestimmte Zeit bestehen bleiben. Da viele Fragezeichen über dem Virus schweben, sollten neue Ausbrüche und mögliche neue Wellen nicht abgetan werden. Die Entdeckung und Erschwinglichkeit von Impfstoffen sind weitere Unbekannte. Vielleicht sind viel mehr Thais infiziert als alle denken, falls nur wenige Symptome zeigen oder viele Thais aus bislang unbekannten Gründen asymptomatisch sind.

Es geht um die Fähigkeit der Gesellschaft, mit Covid-19 in ihrer Mitte zu leben. Es ist daher an der Zeit, dass ein Großteil der thailändischen Wirtschaft wieder anläuft sowie Schulen und Universitäten geöffnet werden – selbst dann, wenn das Risiko von Neuinfektionen besteht.

Es sollte sich dabei nicht um eine sofortige Wiederaufnahme des alten Lebensstils handeln, sondern um eine notwendige Abkehr von der Wirtschaftsflaute und der gesellschaftlichen Verzweiflung, die das Land seit mehr als zwei Monaten betrüben und verzehren.

Führung ist dabei entscheidend. Obwohl er nicht für großartige Einsichten und visionäre Ideen bekannt ist, sollte der Premierminister wissen, wie und wann er verschiedene Expertenmeinungen gewichtet. Vor nicht allzu langer Zeit musste er mehr auf Ärzte und medizinische Experten hören. Jetzt, da sie effektiv gearbeitet haben, muss der Premierminister auf ökonomische Ratschläge hören, um der Wirtschaft Leben und der Gesellschaft frische Luft einzuhauchen. Es stehen zweifellos schwierige Entscheidungen voller Kompromisse an.

Nicht zuletzt sollte sichergestellt werden, dass der jetzige Lockdown von der Regierung nicht als Mittel zum Zweck missbraucht wird, um eigennützige Ziele durchzusetzen. Mit einem Lockdown regiert es sich sehr bequem. Das stellte nicht nur die thailändische Regierung fest.

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