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Millionen warten auf Hilfe, Selbstmordrate steigt

Millionen warten auf Hilfe, Selbstmordrate steigt

Millionen warten auf Hilfe, Selbstmordrate steigt

Millionen von Thais warten weiterhin auf die von der Regierung versprochenen 5000 Baht. Immer mehr Menschen sind so verzweifelt, dass sie sich das Leben nehmen.

Besonders großes Aufsehen erregte der Fall einer Frau, die vor dem Finanzministerium Rattengift trank. Sie hatte bei dem zuständigen Ministerium die 5000 Baht verlangt, die ihr ihrer Meinung nach zustanden. Als sie diese nicht erhielt, nahm sie an Ort und Stelle das Gift.

Sie ist nicht die einzige die wartet. Millionen Thais haben sich registriert, jedoch noch keinen einzigen Baht erhalten.

Die Regierung hatte vorletzten Monat angekündigt, 15.000 Baht (drei Monate lang je 5000 Baht) an diejenigen zu zahlen, deren Arbeitsplätze von den Maßnahmen zum Ausbruch und zur Eindämmung des neuartigen Coronavirus weggefallen sind. Hier sollte es keine Rolle spielen, ob es sich um Angestellte einer Firma oder um Freiberufler wie z.B. Händler auf einem Markt handelt.

Das Hilfspaket der Regierung lässt allerdings auf sich warten, während Millionen von Thais ums Überleben kämpfen. Die Wirtschaft ist wie in anderen Ländern so gut wie zum Stillstand gekommen. Der zweitwichtigste Konjunktursektor, die Tourismusindustrie, wurde ausgelöscht. Die Leute wissen nicht, wie sie die Miete bezahlen, wie sie Lebensmittel kaufen sollen.

Es gibt inzwischen unzählige Armenspeisungen, bei denen sich schon Tausende im Morgengrauen anstellen, um etwas zu Essen zu bekommen. Manchmal wird auch ein wenig Bargeld verteilt. Vor Corona waren 1000 Baht vielleicht nicht mehr sehr viel wert. Während Corona sind 500 Baht in den Augen vieler Leute ein astronomisch hoher Geldbetrag geworden.

Die Frau, die sich vergiften wollte, protestierte gegen das lange Verfahren für einen Antrag, den sie einen Monat zuvor eingereicht hatte, und beschuldigte die Regierung, ihre Notlage missachtet zu haben.

Sie erholt sich im Krankenhaus und wird das Geld erhalten, sagte ein Sprecher des Finanzministeriums.

Attachak Sattayanurak, Dozent an der Universität Chiang Mai, der sich im Rahmen seiner Forschung über die Armen in den Städten immer wieder mit mittellosen Thais gesprochen hat, sagte, die Frau, die das Gift nahm, symbolisiere ein weitaus größeres Problem.

„Der öffentliche Selbstmordversuch spiegelt die absolute Verzweiflung einer Person wider, die versuchte, eine Botschaft dahingehend zu senden, dass sich die Regierung nicht um normale Menschen kümmert“, sagte er.

Schon im März stieg die Zahl der Selbstmorde an. Es sind Geschichten von Verzweifelten, die Leute ebenfalls verzweifeln lassen, wenn sie diese Geschichten hören.

Irada, eine Mutter von zwei Kindern, erhängte sich in der Provinz Maha Sarakham, weil sie kein Geld mehr hatte, Milch für ihre Kinder zu kaufen – ein sechs Monate alten Säugling und ein sechs Jahre altes Kind. Irada verdiente ihren Lebensunterhalt normalerweise damit, von einem Karren aus Trinkjoghurt zu verkaufen. Doch nun konnte sie ihre Kinder nicht mehr ernähren. Sie sah keinen Ausweg mehr.

Vier Tage, nachdem er sich Dutzenden von Menschen angeschlossen hatte, um beim Finanzministerium wegen der ineffizienten Überprüfung der Hilfe von 5000 Baht zu protestieren, beging der 58 Jahre alte Taxifahrer Nam in seinem Haus in Bangkok Selbstmord. Nams Sohn sagte der Polizei, dass sein Vater nicht genug Geld hatte, um die Leasinggebühren für das Taxi von 18.000 Baht für drei Monate zu bezahlen. Er bekam die von der Regierung versprochene Hilfe in Höhe von 5000 Baht nicht und brachte sich um. Er sah keinen Ausweg mehr.

In Ayutthaya wurden die Leichen eines 41-jährigen Mannes und seiner fünf Jahre alten Tochter im Pa Sak River gefunden. Anwohner sagten der Polizei, dass der Vater arbeitslos war und keinen Job finden konnte. Eine Zeugin sagte, sie habe gehört, der Vater sei zuerst ins Wasser gesprungen, gefolgt von seiner weinenden Tochter.

Premierminister General Prayuth Chan-ocha sagte in einer Fernsehansprache, er sei sich der Verteilungskämpfe bewusst, mit denen die Bürger konfrontiert seien, insbesondere die Geringverdiener.

„Wir kümmern uns um Menschen aus allen Bereichen, ob Farmer, Freiberufler, formelle oder informelle Arbeiter“, sagte er.

Unternehmensgruppen haben geschätzt, dass zehn Millionen Menschen oder 26 Prozent der arbeitenden Bevölkerung des Landes arbeitslos sein werden, wenn sich der Ausbruch aufgrund von Beschränkungen in Sektoren wie Einzelhandel und Bauwesen über einige Monate hinzieht.

Der Staat hat Hilfsmaßnahmen im Wert von mindestens 2,4 Billionen Baht zugesagt, was mehr als 14 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) entspricht, um Einzelpersonen und Unternehmen zu helfen, die von der Pandemie betroffen sind.

Insgesamt haben 24 Millionen Menschen die staatliche Hilfe beantragt. Bislang haben allerdings erst 7,5 Millionen Bürger die erste von den drei Zahlungen erhalten.

Es wurde festgestellt, dass insgesamt 16 Millionen Anträge die Kriterien erfüllen, aber nur 10,6 Millionen von ihnen wurden genehmigt, während der Rest noch geprüft wird, sagte der Finanzminister.

Universitätsdozent Attachak sagte, Thailand müsse schnell handeln. „Der Corona-Ausbruch hat die Ungleichheit in Thailand verschärft. Den Bedürftigen muss auf ganzer Linie und umgehend geholfen werden.“

Wirtschaftswissenschaftler prognostizieren ein düsteres Jahr mit der schlimmsten Rezession der asiatischen Finanzkrise 1997/98 aufgrund eines Rückgangs der Exporte und anhaltender Auswirkungen auf den Tourismus.

„All das wird durch den Lockdown, der die inländischen Wirtschaftsaktivitäten stört, weiter verschärft“, sagte der Ökonom Charnon Boonnuch.

Satit Pitudecha vom Gesundheitsamt sagte, dass bereits im März mehr als 600 Anrufe bei seiner Krisen-Hotline eingingen. In den beiden Monaten davor waren es nur 20 bis 40 Anrufe.

Psychische Krisen sind nicht auf Thais beschränkt. Ende März sprang ein 26 Jahre alter Brite, der in Bangkok als Englischlehrer arbeitete, von einem Balkon im 13. Stock. Ein Freund erzählte der Polizei, er sei depressiv gewesen, weil er aufgrund der Corona-Krise kein Einkommen mehr hatte.

Wenige Wochen später sprang ein 74-jähriger britischer Geschäftsmann von einer Überführung auf die Ramkhamhaeng Road in den Tod. Er soll über die hohen Verluste bei seinen Geschäften verzweifelt gewesen sein und sah keinen anderen Ausweg mehr.

Kiattiphum Wongworajit, Direktor der Abteilung für psychische Gesundheit, verglich die aktuelle Krise mit der von 1997, als während der thailändischen Finanzkrise die Selbstmordrate stieg.

Er nannte erschreckende Zahlen. Zwischen dem 20. März und 25. April sei die Selbstmordrate um das Dreifache angestiegen. 605 Menschen nahmen sich das Leben. Im Vergleichszeitraum vor einem Jahr wurden 191 Selbstmorde gezählt.

Kittiphum sagte, die Leute sollten in schwierigen Zeiten gut aufeinander aufpassen. Er wies darauf hin, dass Personen mit psychischen Problemen die Hotline unter 1323 anrufen können.

Zurzeit ist es allerdings schwierig, zu einem Seelsorger durchzukommen, weil die Leitungen überlastet sind.

Die Behörden werden seit rund einem Monat kritisiert, weil sie nach wie vor nicht in der Lage sind, die versprochenen 5000 Baht schnellstmöglich an alle Bedürftigen zu zahlen. Das Regierungsprogramm sollte seinem Namen Ehre machen, denn es heißt „Niemand wird zurückgelassen“.

Post source : https://forum.thaivisa.com/topic/1161863-public-suicide-bid-as-millions-of-thais-wait-for-virus-aid/ https://coconuts.co/bangkok/news/at-breaking-point-thailands-poor-are-killing-themselves/

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