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Hat Thailand genug von Touristen aus dem Westen?

Früher waren Besucher aus Europa, Australien und den USA in der Überzahl und die Hauptstütze der thailändischen Tourismusbranche. Heutzutage sind sie in der Un-
terzahl.

Touristen aus Asien und dem Nahen Osten geben in der Regel täglich mehr aus, doch ihre Aufenthalte ist kürzer.

Thailand braucht den Tourismus. Die Branche, die Reisende an die Strände, in kleine Seitenstraßen in und buddhistische Tempel des Landes bringt, beschäftigt fast sechs Millionen Menschen. In der Branche wurden 2018 109,5 Milliarden Dollar verdient, und das macht laut World Travel and Tourism Council einen von fünf Baht aus, die 2018 ausgegeben wurden.

Laut einem kürzlich veröffentlichten Beitrag auf der Website Pattaya Unplugged, die behauptet, „die Informationsquelle Nummer eins für Touristen in Pattaya“ zu sein, täuscht das Land des Lächelns jedoch den herzlichen Empfang nur vor, wenn es um Besucher aus dem Westen geht.

Der bissig betitelte Meinungsbeitrag „Zehn Gründe, warum westliche ausländische Touristen vom thailändischen Tourismusministerium nicht so sehr geliebt werden wie Inder, Chinesen, Russen, Koreaner usw.“ katalogisiert, warum sich die südostasiatische Nation nicht um westliche Besucher kümmert. Hierbei handelt es sich um Besucher aus Europa, Nordamerika und Australien.

Zusammengestellt von einem in Pattaya lebenden Amerikaner, wurden diese Gründe aus „vielen Gesprächen mit Leuten mit unterschiedlichsten Hintergründen und Kulturen […] nicht nur aus der Sicht von einem Barhocker“ abgeleitet.

Einige Punkte, die der Autor aufführt, sind nahezu korrekt, wenn auch ungelenk erläutert. Da ist beispielsweise die Aussage: „Es gibt einfach mehr von ihnen als von uns“. Politisch Korrekte mögen hier Rassismus erkennen, es ist aber einfach so, dass Statistiken zeigen, dass Thailand deutlich mehr nicht-westliche Besucher hat als Touristen aus dem Westen.

Nach Angaben des Ministeriums für Tourismus und Sport kamen 2019 27,3 Millionen Besucher aus Ost- und Südostasien, 2,4 Millionen aus Südasien, während auf Europa 6,7 Millionen, Amerika 1,6 Millionen und Ozeanien 900.000 Besucher entfielen.

Der Satz „Wir geben oft nicht so viel aus, wie die Leute denken“ ist ebenfalls nicht realitätsfremd. Im Jahr 2017 gaben chinesische Touristen in Thailand jeweils 192,84 Dollar pro Tag aus. Die nächst extravagantesten Besucher kamen aus dem Nahen Osten, die an einem Tag durchschnittlich 190,60 US-Dollar ausgaben. Die sparsamsten Touristen waren Europäer, die sich jeweils mit nur 125,47 Dollar pro Tag begnügten.

Westliche Touristen bleiben jedoch in der Regel deutlich länger: Europäer 17 Tage im Gegensatz zu acht Tagen bei Chinesen – und da sieht die Rechnung wieder anders aus.

Obwohl es nicht einfach zu quantifizieren ist, ob westliche Touristen tatsächlich dazu neigen, sich „online öfter zu beschweren, zu trollen, negative Bewertungen und Rückmeldungen zu schreiben und zu streiten“, ist es durchaus möglich, dass „westliche Ausländer persönlich anspruchsvoller sind“ und ein „höheres Anspruchsgefühl haben als Reisende aus vielen anderen Ländern“.

Da können sicherlich die bedrängten Bürger von Barcelona ein Lied von singen, die von Touristen aus Frankreich, Amerika, Großbritannien, Italien und anderen Teilen Spaniens belagert werden. Es sind nicht die Chinesen, die in der katalanischen Hauptstadt „Touristenphobie“ verursacht haben, sondern ein nicht nachlassender Zustrom von Westlern.

Die Aussage „Sie machen doch nur Pauschalreisen“ zeugt nicht nur von Unwissenheit, sie ist schlichtweg falsch. „Die meisten von uns Westlern sind vor Jahrzehnten aus Pauschal und Gruppenreisen hervorgegangen“, erklärt der Autor. „Bei Chinesen, Indern und einigen Russen ist das nicht der Fall. Daher ist es einfach, sie mit hohem Gewinn von einer Touristenattraktion zur nächsten zu karren.“

In der Bangkok Post erschien kürzlich ein Artikel, in dem berichtet wurde, dass 60 Prozent der chinesischen Besucher in Thailand Individualreisende sind.

Das Bild der Gänsemarschtouristen, die wie eine Herde hinter einer Fahne herlaufen, wirkt zunehmend veraltet.

Die Chinesen beherrschen den thailändischen Immobilienmarkt, wenn es darum geht, welche Ausländer aus welcher Nation die meisten Eigenheime und Eigentumswohnungen kaufen. Dennoch heißt es pauschal, Chinesen hätten kein Geld und würden nichts ausgeben.

Ähnlich bei den Indern. Sie gelten als noch knauseriger als Chinesen. Da passt es gar nicht ins Bild, dass Inder zur Eheschließung nach Thailand reisen, hier ihre Flitterwochen verbringen und zusammen mit den Hochzeitsgästen zehn Millionen Baht ausgeben. Wir berichteten darüber in der letzten HALLO-Ausgabe.

67 Prozent der Inder sind laut einem anderen Bericht der Bangkok Post Individualreisende und werden genau deshalb von der thailändischen Tourismusindustrie umworben.

Pauschalangebote mögen die Leute anziehen, aber sie generieren nicht so viel für die lokale Wirtschaft wie Individualreisende, was der thailändischen Tourismusbehörde (TAT) seit einiger Zeit bekannt ist. Im Jahr 2016 startete das TAT dieserhalb eine Kampagne, um den Schwerpunkt vom Massentourismus auf sogenannte „Qualitätserlebnisse“ zu verlagern.

Der letzte Punkt auf der Pattaya-Unplugged-Liste besagt, dass die meisten nicht-westlichen Besucher keine Sextouristen sind, was nicht heißt, dass alle Westler es sind. Der Autor schreibt: „Die meisten Russen und Chinesen haben kein Interesse an Rotlichtvierteln und kommen mit ihren Familien“, eine Tatsache, die anscheinend „viele der langjährigen Besucher und Fans des Rotlichtviertels verärgert.“

Es heißt weiter: „Einige westliche Ausländer würden es vorziehen, zwei Wochen lang besoffen in einer Bar herumzusitzen. Die Touristen, die wegen Familienaktivitäten und Unternehmungen hierher kommen, sind im Allgemeinen viel beliebter als die Barhocker.”

Diese Aussage ist nicht von der Hand zu weisen. Dennoch sollte jeder Besucher ein breites, authentisches Lächeln erhalten. Vor allem während des Tourismus in den Zeiten des neuartigen Coronavirus Covid-19.

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