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Corona und das moralische Dilemma

Corona und das moralische Dilemma

Es ist schwierig zu sagen, wie eine angemessene Reaktion auf die Pandemie des neuartigen Coronavirus aussehen könnte.

Aufgrund des Mangels an genauen und verlässlichen Informationen – eben weil es neu ist, trägt das Coronavirus die Zusatzbezeichnung „neuartig“ –, eines Medienrauschs und einer Angst, die bald schon an Massenpsychose grenzt, gibt es nur noch alles oder nichts, und dazwischen ist nicht viel.

Einzelpersonen, Gesellschaften und Staaten weltweit werden jetzt dazu angeregt, es zu übertreiben und auf Nummer sicher zu gehen. Das bedeutet, dass die Wahrscheinlichkeit eines „über das Ziel Hinausschießens“ mit Covid-Reaktionen in absehbarer Zukunft angesichts moralisch inakzeptabler Alternativen wahrscheinlich noch zunehmen wird.

Natürlich sind die Zahlen hoch. Am 8. April gab es über 1,4 Millionen Fälle weltweit, und die Zahl der Todesopfer lag bei fast 82.000.

Schlimmer noch ist die Tatsache, dass das neuartige Coronavirus unaufhaltsam seinen Weg in Gesellschaften und Gemeinden über Ozeane und Kontinente hinweg findet. Das macht allen überall Angst. Im Gegensatz zu früheren globalen Bedrohungen und Katastrophen, von Krieg und Naturkatastrophen bis hin zu früheren Pandemien, scheint es nichts Vergleichbares wie Covid-19 zu geben.

Die internationalen Behörden waren hilfreich, aber widersprachen sich auch. Zum Beispiel meint die Weltgesundheitsorganisation (WHO), dass das Virus womöglich in der Luft schwebt und so übertragen werden könnte – da hilft das „Social Distancing“ eigentlich nicht.

Spekulationen über Virusmutationen haben die Unruhe in der ganzen Welt verstärkt, während ein Impfstoff noch weiter Ferne zu sein scheint. Allerfrühestens Anfang 2021 könnte es laut Expertenmeinung so weit sein.

Der WHO wurde auch vorgeworfen, dass sie China lobte, obwohl hier der Ausbruch von Covid-19 so lange zu vertuscht wurde, bis es nicht mehr ging, und gleichzeitig Taiwan unerwähnt blieb, das das Virus schulbuchmäßig eindämmt. (Taiwan am 8. April: 376 Fälle, fünf Tote.)

Die meisten Regierungen haben strenge Maßnahmen ergriffen, um die ansteckende, mit Lungenentzündung verbundene grippeähnliche Krankheit einzudämmen. Infolgedessen ist mehr als die Hälfte der Menschheit derzeit in unterschiedlichem Maße „eingesperrt“, womit die Ansteckungskette durchbrochen werden soll. Das Leben ist für Milliarden von Menschen auf ihr Zuhause und ihre Wohnbereiche beschränkt.

Die Weltwirtschaft ist fast zum Erliegen gekommen. Der Welthandel ist seit Entstehung des globalen Handelssystems vor 70 Jahren mehr Herausforderungen ausgesetzt als jemals zuvor. Lieferketten sind allgegenwärtig gestört. Die Fluggesellschaften werden einige Zeit lang kein Land mehr sehen, wie der Anblick leerer Flughäfen bestätigt.

Die globalen Wirtschaftsbedingungen in diesem Jahr werden voraussichtlich so schlecht sein wie die globale Finanzkrise 2008/09, vielleicht sogar vergleichbar mit konjunkturellen Kontraktionen im Zusammenhang mit der Depression der 1930er Jahre.

Mit dem Rückgang von Handel und Reisen kommt den Grenzen wieder mehr Bedeutung zu. Der Nationalismus erhebt sein hässliches Haupt.

Zweifellos sind Gesellschaften in der ganzen Welt nicht nur von Angst und Panik erfasst, sondern erliegen auch einem Medienrausch. Es ist eine Art Herdeninstinkt, über den wir oft lesen und den wir vermeiden sollten. Aber wir tun es nicht. Aus diesem Grund stürzen die Aktienmärkte ab und tun dies in regelmäßigen Abständen erneut. Es ist wie die Geschichte, in der in einem überfüllten Kino jemand „Feuer“ ruft. Mit oder ohne Rauch findet ein Ansturm auf die Ausgänge statt, während die Informationen unvollständig und möglicherweise ungenau sind.

Netzwerke in den sozialen Medien wie Facebook sind der Angstmultiplikator des Coronavirus. Weil die Leute nichts zu tun haben und zu Hause herumsitzen, hängen sie an ihren Geräten und nutzen die Leerlaufzeit, sich dem Covid-19-Blues auszusetzen, starren standing auf ihre Smartphones und beschäftigen sich mit Inhalten, die miteinander konkurrieren, indem sie sich auf Panikmache stützen.

Das moralische Dilemma bei Covid-19 besteht darin, dass Reaktionen auf das Virus nicht als Überreaktion abgetan werden können. In jedem vermeidbaren Tod steckt Absolutismus. Wenn ein Todesfall abgewendet werden kann, dann muss es so sein.

Dass eine Million Infektionen im Verhältnis zu 7,8 Milliarden Menschen 0,0001 Prozent ausmachen, wäre bei statistischen Erhebungen eine vernachlässigbare Fehlerquote. Aber zu sagen, dass eine Million Leben statistisch gesehen keine Rolle spielen, ist moralisch abstoßend. Die Sterblichkeitsrate von einem oder fünf Prozent (wie hoch die Sterblichkeitsrate ist, weiß man noch nicht genau) kann auch nicht mit einer statistischen Zahl gleichgesetzt werden. Leben müssen gerettet werden, wenn das möglich ist.

Wie es wirklich mit der Verbreitung von Covid-19 aussieht, weiß ebenfalls niemand. Ein breiter Konsens deutet darauf hin, dass in vielen Ländern unzureichend getestet wird und entsprechende Todesfälle nicht gemeldet werden. Das wiederum bedeutet, dass die Gesamtzahl der Infektionen viel höher sein dürfte.

Der Epidemiologieprofessor John Ioannidis von der Stanford University hat angenommen, dass die nicht eingeschlossenen Infektionen einen Faktor von „drei oder 300“ haben könnten. Je höher die Anzahl der Infektionen ist, desto niedriger ist aber die Sterblichkeitsrate.

In Italien, wo die Opfer von Covid-19 und die Zahl der Todesopfer alarmierend hoch sind, hat ein wissenschaftlicher Berater von Premierminister Giuseppe Conte darauf hingewiesen, dass „nur zwölf Prozent der Sterbeurkunden eine direkte Kausalität zum Coronavirus aufweisen.“ Das bedeutet, dass Covid-19 auch dann als Todesursache genannt wird, wenn die Patienten bereits krank waren und an anderen Krankheiten starben. Sie starben nicht an Covid-19, sondern mit Covid-19.

Wie es weitergeht, wird entscheidend davon abhängen, wie die wenigen Länder, die nicht mit drakonischen Maßnahmen wie bei einer Krebsbehandlung versuchen, Covid-19 einzudämmen, darunter Taiwan, Singapur, Südkorea und Schweden. In diesen Ländern haben Schulen geöffnet, sie erlauben einige öffentlichen Aktivitäten, die für ein normales Leben stehen. Sie verbinden den Nutzen wirtschaftlicher Aktivitäten mit strengen Vorsichtsmaßnahmen wie Mundschutz und höchsten Hygienestandards.

Für den kühnen Ansatz, angesichts des Virus eine „Herdenimmunität“ aufzubauen, wurde die britische Regierung zunehmend kritisiert und war gezwungen, sich zu härteren Maßnahmen durchzuringen.

Aber letztendlich kann das doch der richtige Ansatz sein. Irgendwann müssen sich die Menschen mit dem Coronavirus arrangieren. Genau so, wie die Menschheit auch mit der Grippe lebte und lebt, für die es jetzt Schutzimpfungen gibt, früher aber nicht. Neben einer besseren Hygiene sollte ein Teil des neuen Schwerpunkts auf dem Aufbau einer immunitätsfördernden Lebensweise in Bezug auf Ernährung und körperliche Fitness sowie einem ausgewogenen Verhältnis zwischen Berufs- und Privatleben liegen.

Auch hier kommt die alte Binsenweisheit ins Spiel: Wer gesund lebt, der lebt in der Regel länger.

Es ist ein moralisches und ethisches Dilemma, wenn die Auswirkungen von Covid-19 den Maßnahmen entgegen setzt, die die Ausbreitung des Virus eindämmen sollen. Sind diese Maßnahmen unverhältnismäßig, weil der Preis tödlich ist? Die Maßnahmen führen zu einer potentiellen wirtschaftlichen Depression, zu verzweifelten Menschen, weil sie ihren Arbeitsplatz verloren und kein Geld mehr haben, weil Unternehmen in Insolvenz gingen und zu anderen unermesslichen Schwierigkeiten und Leiden. Betroffen sind Hunderte von Millionen Menschen, insbesondere Geringverdiener.

Wir dürfen nicht zulassen, dass die Angst vor dem Coronavirus mehr Schaden anrichtet als das Virus selbst.

Post source : https://www.bangkokpost.com/opinion/opinion/1891930/moral-dilemmas-of-handling-the-virus

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