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Digitale Diät und Covid-19

Ein Virus, das auf einem anderen Virus reitet. Auf diese Weise tobt die „Infodemie“ in Online-Räumen aus. Im Mittelpunkt steht der Ausbruch des neuartigen Coronavirus Covid-19, über den seit Ende Januar 2020 nahezu ununterbrochen berichtet wird.

Nun, in Deutschland anfangs weniger. Dort wurde wochenlang über eine Landtagswahl in Thüringen berichtet und diskutiert, und alle taten so, als ob von dem Wahlergebnis abhinge, ob die Welt sofort untergeht oder erst ein paar Monate später. Jetzt ist ein paar Monate später …

So ernst wie das Bestreben, die Atemwegserkrankung Covid-19 in den Griff zu bekommen und die Kranken zu heilen, so wichtig ist es auch, auf Fakten zu regieren. Es kommt darauf an, wie man Informationswege schafft und aufrecht erhält, die verzerrten, verdrehten und teilweise völlig unzutreffenden Falschinformationen oder rassistische und voreingenommene Ansichten oder alles zusammen entgegen treten.

Angst und Verwirrung gehen mit Krisen einher, aber Online-Gewohnheiten und die Beliebtheit sozialer Plattformen haben eine weitere Front im Kampf gegen das Virus Covid-19 eröffnet, das im Dezember 2019 im chinesischen Wuhan entdeckt wurde.

Einige der schlimmsten Gerüchte verhalten sich wie multiresistente Virusstämme und werden in verschiedenen Ländern endlos repliziert.

Da ist beispielsweise die Behauptung, dass Covid-19 aus dem Labor der chinesischen Wissenschaftlerin She Zhengli „entkommen“ ist, deren Forschung zu Fledermäusen und Coronaviren bei der Identifizierung dieses neuen Coronavirus von unschätzbarem Wert war.

Einmal schrieb sie, die mit dem National Biosafety Laboratory in Wuhan zusammenarbeitet, auf der chinesischen sozialen Plattform WeChat: „Ich schwöre bei, meinem Leben, dass das Virus nichts mit dem Labor zu tun hat.“

Eine andere Mutation dieser Geschichte besagt, dass Covid-19 Teil eines chinesischen Programms zur biologischen Kriegsführung ist.

Eine russische Mutation besagt, dass Microsoft-Gründer Bill Gates das Virus herstellen ließ, damit er es mit einem von ihm hergestellten Impfstoff bekämpfen und dabei gut verdienen kann.

Die Mythen, denen die Welt gesundheitsorganisation (WHO) auf ihrer Website begegnet, sagen auch viel über die Verbreitung angstbasierter „Informationen“ aus.

Die WHO stellt klar, dass es sicher ist, Pakete aus China zu erhalten.

Haben Sie überlegt, Alkohol über Ihren ganzen Körper zu sprühen oder Ihre Nase als Präventionsmaßnahme mit Kochsalzlösung zu spülen? Das seien keine guten oder effektiven Ideen, warnt die WHO.

Die WHO sagte, dort arbeite man 24 Stunden pro Tag, um die am weitesten verbreiteten Gerüchte zu erkennen und zu widerlegen.

Damit Sie und Ihre Angehörigen nicht auf die anhaltende Epidemie von Gerüchten und Vorurteilen hereinfallen, finden Sie hier mehrere Tipps, wie Sie sich in diesen viralen Zeiten online bewegen können.

Denken Sie daran, dass Sie im Internet niemals allein sind.

Sie sind vielleicht allein in Ihrem Zimmer und haben Ihren Bildschirm ganz für sich allein, aber das World Wide Web ist sehr öffentlich. Alles darin, ob wahr oder erfunden, wird verstärkt, so dass man lauter, größer und schriller wird.

Was Sie im Web ausgewählt oder gefunden haben, obliegt nicht allein Ihrer Entscheidung.

Jedes Mal, wenn Sie ins Internet gehen, wird Ihr Online-Verhalten was Sie kaufen, was Sie gesucht haben, welche Seiten Sie besucht haben von den Browsern, Anwendungen oder Social-Media-
Plattformen verfolgt. Algorithmen verfolgen diese kontinuierlich und verwenden sie, damit sie herausfinden können, was zu Ihnen „passt“.

Wenn Ihr Social-Media-Feed Ihnen ähnliche Themen übermittelt, bedeutet das nicht, dass das Universum Ihnen eine Nachricht schickt oder diese speziellen Ereignisse notwendigerweise häufiger auftreten. Es sind lediglich algorithmische Formeln bei der Arbeit: Das interessiert Sie? Also bekommen Sie davon mehr zu lesen und zu sehen. So simpel funktionieren diese Algorithmen.

Es kann nützlich sein, Suchmaschinen wie DuckDuckGo zu benutzen, die Ihr Verhalten nicht speichern. Und ja, es gibt ein Leben außerhalb von Google.

Schalten Sie Ihr Zweifelgen ein. Vermeiden Sie es, ein Superspreader von minderwertigen und schädlichen Informationen zu werden. Trainieren Sie sich darin, einige grundlegende Fragen zu stellen, wenn Ihr Telefon oder Ihr Computer die neuesten Informationen an Sie weiterleitet. Machen Sie das zu Ihrem Standardmodus.

„Woher kommt das?“, „Was ist die Originalquelle?“, „Kann das überprüft werden?“ Das sind einige der Einstiegsfragen. Sie müssen nicht 100 Prozent der Antworten erhalten, aber wenn das betreffende Material selbst diese Mindestanforderungen nicht erfüllt, ist es ein Fehler, zu glauben, was dort steht. Klick und weg.

Suchen Sie nach einem Kontext, um das Gesamtbild besser zu verstehen. Es geht nicht nur um die Anzahl der Menschen, die an Covid-19 gestorben sind oder krank wurden. Viele haben sich auch erholt. Das sollte nicht vergessen werden. Der Mangel an Kontext kann Fakten verfälschen und eine schlechte Situation weiter verschlimmern.

Rassismus fällt nicht unter Rede- oder Meinungsfreiheit.

Richtig ist natürlich, dass Covid-19 seinen Ursprung in Wuhan hat. Damit hat aber niemand das Recht, sich gegenüber chinesischen Staatsangehörigen rassistisch zu verhalten. Einige setzen gleich alle Südostasiaten – „Die gelbe Gefahr“ (ja wirklich, das stammt wohl noch aus dem Vietnamkrieg) – auf die Anklagebank.

Vorurteile innerhalb der ethnischen chinesischen Gemeinschaften werden durch die negative Wahrnehmung Chinas als Großmacht verstärkt.

Sicher spielen auch unpopuläre Themen wie die Online-Glücksspieloperationen chinesischer Firmen auf den Philippinen eine Rolle.

Es gibt auch eine Stigmatisierung innerhalb Chinas gegen Leute, die aus Wuhan stammen oder dort waren. Alle Ressentiments werden doppelt und dreifach verstärkt.

Wie gesagt, man sollte das Virus bekämpfen, nicht die Opfer.

Nicht alles, was wie Nachrichten aussieht und klingt, sind Nachrichten.

„Online-Inhalte“ sind keineswegs ein Synonym für Nachrichten. Das Wort bezieht sich auf jegliches Online-Material, einschließlich solches, das in den Papierkorb gehört.

Eine Nachricht ist das Produkt journalistischer Fähigkeiten, bei denen Daten gesammelt und zusammengefügt werden. Anschließend werden sie in einem Nachrichtenproduktionsprozess bearbeitet und diskutiert, bevor sie der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Dies ermöglicht einen Grad an Überprüfung, der in Blogs oder vielen öffentlichen Posts fehlt, und verringert das Risiko von Fehlinformationen.

Besonders problematisch sind Blogger oder YouTuber, die Geschichten erzählen, ohne ihre Behauptungen mit irgendwelchen Quellenhinweisen zu untermauern. Diese Leute sind in der Tat nicht viel mehr als Geschichtenerzähler.

Entscheiden Sie sich für das Original und gehen Sie direkt zur Quelle.

Sie haben in wenigen Sekunden grundlegende Mittel, um einen Artikel, auf den Sie stoßen, zu überprüfen, indem Sie eine echte und zuverlässige Nachrichtenseite besuchen. Es ist riskant, Material zu glauben und weiterzugeben, das in der Anonymität von Chat-Gruppen gesendet wurde, nur weil es Ihnen von jemandem übermittelt wurde, den Sie kennen.

Social-Media-Plattformen filtern, welche Beiträge von den Nachrichten-Websites, die Sie mögen oder denen Sie folgen, in Ihrem Feed angezeigt werden. Es empfiehlt sich daher, Ihre Macht zurück zu gewinnen und sich für die E-Mail-Newsletter der Nachrichtenseiten anzumelden, die Sie nützlich finden.

Vergessen Sie nicht, dass das Internet nicht vergisst.

Was Sie in stressigen Zeiten, in ängstlicher oder verwirrter Weise teilen, ist für immer da.

Es gibt ein Leben nach diesem Ausbruch, und Ihre Kommentare können Ihnen vorgehalten werden. Würden Sie sich wohl fühlen, wenn Sie in einem Jahr sehen, was Sie heute gepostet haben? Überlegen Sie vorher genau, was Sie schreiben oder teilen.

Wir überlegen genau, welches Essen wir unserem Körper zuführen. Genauso können wir auswählen, welche Online-Nachrichten wir unserer Psyche zuführen. Trainieren Sie Ihr Gehirn, um dem Dopaminrausch von Facebook und den sozialen Medien zu widerstehen. Verwenden Sie Technologie, anstatt sie Sie verwenden zu lassen.

Und am wichtigsten: Machen Sie ab und zu eine Pause von Ihrem Bildschirm.

Um bei dem Essensvergleich zu bleiben: Sie sitzen doch auch nicht da und essen stundenlang ohne Unterbrechung.

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