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Eine Offenbarung

Eine Offenbarung

Wie wird das noch weitergehen mit dem Coronavirus? Das wird wohl niemand voraussagen können. Jedenfalls fiel mir an dieser Stelle ein altes Sprichwort ein: Der Optimist kauft Konserven, der Pessimist kauft Munition.

Nachdem ich mich entsprechend eingedeckt hatte, wurde es Zeit, mich in die entsprechende Stimmung zu bringen.

Ein Zombie- oder ein Weltuntergangs-Film wäre dann doch zu platt gewesen, auch wenn es in diesem Genre wirklich sehr gute Filme gibt. Bei diesen Filmen interessiert mich eigentlich der Hintergrund weniger, sondern hauptsächlich, wie die Zivilisation zusammenbricht. Diese Schicht ist so dünn wie der Lack auf einem Globus. Ist der Lack erst einmal ab, kommt das Tier im Menschen zum Vorschein.

Wie hatte jemand mal gesagt? Zwischen Zivilisation und Barbarei liegen drei Mahlzeiten.

Da gibt es ja so einige Filme, und diese dystopischen Endzeit-Filme, die vielleicht seit Mad Max fester Bestandteil der Popkultur sind, wurden mit der Zeit immer beliebter und sind es noch.

Manche wie beispielsweise World War Z überzeugen durch ihr hohes Tempo, andere wie z.B. The Road durch ihre beinahe literarische Erzählweise.

Das aber wollte ich mir nicht ansehen, weil einem diese Filme bei aller Unterhaltung ganz schön an die Nieren gehen können, vor allem The Road.

Daher entschied ich mich für den richtigen Film zur richtigen Zeit: Contagion von Steven Soderbergh aus dem Jahr 2011.

Es geht um den Ausbruch einer Seuche und darum, was unternommen wird, um diese einzudämmen. Von Ärzten wurde der Film als „realistisch“ eingestuft. Ja, genau so könnte das ablaufen.
Achtung: Spoiler.

Der Film hat nicht wirklich gute Kritiken bekommen und könnte insgesamt auch besser bewertet werden. Auf IMDB (Internet Movie Data Base), der für viele Filmfreunde ultimativen Website, hat der Film 6,6 von 10 Punkten. Da gibt es also deutlich Spielraum nach oben.

Nun sind die Geschmäcker bekanntlich verschieden, und einige nicht so gut bewertete Filme bei IMD können durchaus gute Filme sein. Und dazu ist auch Contagion zu zählen.

Viele Zuschauer dürften mit diesem Film so ihre Probleme haben, das gebe ich gern zu, weil er vollkommen gegen den Strich inszeniert ist.

Die Story an sich hat man schon hundert Mal gesehen. Aber erst einmal kommt der Hammer, denn die Hauptdarstellerin ist nach fünf Minuten tot. Es tritt eine zweite Hauptdarstellerin auf den Plan, und sie überlebt die ersten 50 Minuten nicht. Das ist quasi Psycho im Doppelpack. Kinobesuchern dürfte vor Entsetzen das Popcorn im Hals stecken geblieben sein, denn von Hollywood (in diesem Fall Warner Brothers) haben sie so etwas nicht erwartet.

Ungewöhnlich ist auch, dass der Film nicht bei der Übertragung der Seuche von Tier auf Mensch beginnt, sondern einen Tag später, nämlich mit Tag 2. Dann wird die Geschichte chronologisch bis zum Ende erzählt. Und dann, wenn man denkt, der Film sei jetzt vorbei, kommt der Schluss-Twist mit Tag 1. Diese Sequenz ist die Beste im ganzen Film, denn in einer Minute wird erzählt, wie die Seuche ausbrach und übertragen wurde. Schauplatz Südchina bzw. Hongkong. Hier spielt ein Schwein eine Rolle – und eine Fledermaus. Die Sequenz ist untermalt von den verstörenden Elektronikrhythmen von Cliff Martinez. Großes Kino.

Ansonsten zieht der Film alle Register, was das Genre hergibt. Interessant auch die Rolle, die hier ein YouTube-Blogger spielt, der viele Follower hat und die Menschen mit seinen Verschwörungstheorien beeinflusst. Der Film ist fast zehn Jahre alt und wegweisend, denn inzwischen ist das ist alles noch viel schlimmer geworden.

Da sind diese Westler, die schreien, dass die chinesische Regierung nur Mist baut, wenn es um die Reaktion auf die Epidemie geht. Aber die Kinder dieser Westler kommen mit Masern
aus der Schule zurück, weil sie irgendeine YouTube-Hippiemutter, die eingefleischte Impfgegnerin ist, überzeugender finden als wissenschaftlich erwiesene Notwendigkeiten.

Contagion lässt offen, wie viele Menschenleben dieser Blogger auf dem Gewissen hat, wenn er predigt, dass ein Pflranzenextrakt das Heilmittel gegen das Virus wäre und nicht irgendein von der Wissenschaft noch zu entwickelnder Impfschutz.

Der Film beschreibt beinahe dokumentarisch die Arbeitsweise von Behörden, Wissenschaftlern und Ärzten, die versuchen, die Seuche einzudämmen, die längst eine Pandemie geworden ist. Hierbei springt der Film von Schauplatz zu Schauplatz. Vielleicht entspricht auch das nicht unbedingt den Sehgewohnheiten der Mainstream-Zuschauer.

Da soll nicht abwertend klingen, sie gehen vielleicht einfach mit anderen Erwartungen an diesen Film heran.

Auf mich wirkte Contagion jedenfalls wie eine Offenbarung. Der Film zeigt genau das, was zurzeit passiert und welche Folgen das hat. Wenn man völlig unvoreingenommen an den Film herangeht, trifft er einen wie ein Hammerschlag. Nicht zuletzt liegt das auch an den vielen guten und beliebten Schauspielern, die alle dabei sein – ob ihre Rollen nun groß sind oder nur in klitze-
klein. Eines haben sie gemeinsam: Sie spielen allesamt sehr unterkühlt, es gibt keine Wärme. Das jagt einem einen Schauer über den Rücken!

Mit von der Partie sind zum Beispiel Bryan Cranston, Matt Damon, Laurence Fishburne, Jude Law, Gwyneth Paltrow und Kate Winslet.

Ob man nun Konserven oder Munition kaufen will: Der Film versetzt einen auf jeden Fall in die richtige Stimmung.

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