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Exodus der Rentner

Exodus der Rentner

Als vor zehn Jahren der Ruhestand unaufhaltsam näher rückte, zog der Metzger Waldemar Hackstätter eine Bilanz seiner Finanzen und kam zu dem Schluss, dass er und seine Frau Hildegard es sich nicht leisten konnten, in ihrem Heimatland zu bleiben.

Also zogen sie ins ländliche Bulgarien, wo sie wussten, dass ihr kombiniertes Einkommen von 1200 Euro monatlich viel mehr wert sein würde als in Deutschland.

Am Ende der Rente war zu viel Monat übrig, meinte er, und in Deutschland wollten sie ihren Kindern nicht zur Last fallen, sagte der 78 Jahre alte Waldemar.

Waren die Hackstätter Pionierauswanderer, gehören sie heute zu einer Diaspora, die sich langsam entwickelt.

Seit ihrem Weggang hat Deutschland auf Einladung von Bundeskanzlerin Angela Merkel seit 2015 einen stetigen Zustrom von Zuwanderern gesehen. 2015 sollen es eine Million gewesen sein.

Danach kamen jährlich über 100.000 – das ist die Einwohnerzahl einer Großstadt.

Während die meisten Migranten in die Sozalsysteme einwandern, was die Politik allerdings bestreitet, ist in letzten zehn Jahren die Anzahl der Renter, die auswandern, ums Achtfache gestiegen weil viele sich Deutschland nicht mehr leisten können.

Absolut gesehen ist der Trend zwar bescheiden, aber klar. Im Jahr 2002 erhielten 107 Deutsche ihre Rente in Bulgarien. 2018 waren es schon 652.

In Thailand waren es 2002 671 Rentner, 2018 waren es bereits 5415 Personen.

Viele, wie die Hackstädters, werden aus wirtschaftlichen Gründen ausgewandert sein, denn immer mehr Rentner leben in Deutschland unter der Armutsgrenze.

Dieser Kaufkraftverlust war ein Faktor für die Flucht älterer Bürger – einer traditionell loyalen konservativen Wählerbasis –, die mit Merkels links-grüner Politik nichts mehr anfangen kann.

Daher wählen sie Parteien, die Positionen einnehmen, die früher die CDU vertrat, was Merkels Position als Regierungschefin schwächt.

Die CDU mag zwar bei Wahlen immer noch stärkste Partei sein und sich als Siegerin hinstellen – in Wirklichkeit bekommt sie aber immer weniger Stimmen.

Bei den Bundestagswahlen 2017 hat jeder zehnte Wähler der Altersgruppe 60-69 dem ehemals konservative Bündnis CDU/CSU der Bundeskanzlerin den Rücken gekehrt und jeder zwölfte wählte die AfD.

Das könnte unter anderem auch daran liegen, dass Migranten unter Umständen höhere staatliche Zahlungen erhalten als Rentner, die ihr Leben lang in die Sozialkassen einbezahlt haben.

Ein Streit um staatliche Renten ist nahe daran, Merkels Koalition mit der SPD, die bei den nächsten Wahlen zittern muss, ob sie die Fünf-Prozent-Hürde überwindet, platzen zu lassen. Im November letzten Jahres einigte sich die große Koalition auf die Schaffung einer „Grundrente“ für Personen, die ihr ganzes Arbeitsleben lang beschäftigt waren.

Aber dieser Kompromiss, der zu einem „Waffenstillstand“ führte, scheint fragil zu sein, und die Debatte über die Renten dürfte ein entscheidender Faktor bei den nächsten Wahlen sein, die für 2021 vorgesehen sind.

Zwar stiegen die deutschen Renten in den letzten zehn Jahren mehr als die Inflation, doch ist auch die Ungleichheit gestiegen. Der Anteil der in Armut lebenden Rentner stieg im vergangenen Jahr auf 19 Prozent von 16 Prozent im Jahr 2017. Rentner, die verzweifelt nach Pfandflaschen suchen, um sich etwas „hinzuzuverdienen“ hat es früher nicht gegeben. Jetzt gehören sie zum alltäglichen Straßenbild.

Zuhause ist da, wo ich es mir leisten kann Für mich ist mein Zuhause da, wo ich es mir leisten kann zu leben, und ich kann nicht in Deutschland leben“, sagte Waldemar.

Sirakovo, das Dorf, in dem er und Hildegard leben, hat auch andere ältere Deutsche angezogen, während gleichzeitig viele der jüngeren bulgarischen Einwohner ins Ausland gegangen sind, um dort zu arbeiten.

So spiegelt die wirtschaftliche Abwanderung von Rentnern in Deutschland, wenn auch in weitaus geringerem Umfang, den Zustrom junger Migranten aus armen in reichere Länder wider, wobei beide Grup pen häufig mit ungewissen Zukunftsaussichten konfrontiert sind.

Jörg Dunsbach, ein deutscher katholischer Priester, der Landsleuten in Thailand dient, spricht traurig über diejenigen, die nach ihrer Emigration den Kontakt zu ihren Familien verlieren und einsam sterben.

„Jedes Jahr sterben hier 40 bis 60 deutsche, schweizerische oder österreichische Staatsbürger allein, fast alle sind Rentner”, sagte er.

Aber in Sirakovo geht das gute Leben weiter.

Die deutsche Nachbarin der Hackstätters, Brigitte Haager-Horn, ist auf einen Drink da.

„Ich finde es ist ein schreckliches Zeichen der Verarmung, dass so viele Rentner in Deutschland nicht über die Runden kommen“, sagte sie.

„Aber ich bin sehr dankbar, hier zu sein“, fügte sie hinzu.

„In diesem Jahr habe ich meinen ersten hausgemachten Wein und auch meinen ersten Schnaps hergestellt. Prost!“

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