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Das Patpong-Museum

Das Patpong-Museum

Thailands neues PatpongMuseum zeichnet die Geschichte dieses berüchtigten Viertels nach, die in der chinesischen Inselprovinz Hainan beginnt.

Im Museum kann man mutmaßliche CIA-Verbindungen in der Region entdecken und erfahren, warum Go-Go-Bars so erfolgreich wurden, sowie zugleich einen Blick auf die zweifelhafteren Attraktionen der Patpong werfen.

„Ich liebe die Patpong“, sagte Michael Messner, Gründer und Kurator des kürzlich eröffneten Patpong-Museums in Bangkok.

Der österreichische Unternehmer, 42 Jahre alt, sowie fünf Partner, haben mehr als 30 Millionen Baht in das Museum investiert. Es ist ein gut recherchiertes Schaufenster, das mit
Kunst, Artefakten und Informationen die Geschichte eines Viertels aufzeichnet, aus dem eines der berüchtigtsten Rotlichtbezirke der Welt hervorgegangen ist.

Messner möchte jedoch betonen, dass sich das Museum nicht nur auf die Sexindustrie konzentriert.

„In der Museumsführung erzählen wir 100 Jahre Geschichte Südostasiens, die durch die Linse dieser Straße betrachtet werden können“, sagt er.

Messner, Sohn des verstorbenen österreichischen Künstlers Ernst Fuchs, hat die richtigen Voraussetzungen für diese Aufgabe. Seine Familie betreibt das Ernst-Fuchs-Museum in Wien, in dem er schon früh den Umgang mit solchen Orten erlernt hat.

Er wanderte 2001 nach Bangkok aus und wurde schnell von der Patpong wegen der „Authentizität und Geschichte“ verzaubert. Er investierte in eine Bar in der bereits überfüllten Go-Go-Szene und betreibt jetzt den Barbar Fetish Club und die Black Pagoda – direkt über dem Patpong-Museum in der Patpong 2 Road.

Es dauerte eine Weile, bis die Patpong einen guten Ruf erlangt hatte, nachdem sich das Viertel mit seriöseren Anfängen etabliert hatte, und das Patpong-Museum entführt die Besucher in die Vergangenheit.

Die Geschichte beginnt in der südchinesischen Inselprovinz Hainan im Jahr 1893, als die Familie des zwölf Jahre alten Tun Poon ihre Koffer packte und in das damalige Königreich Siam auswanderte. Zu dieser Zeit war China durch innere Unruhen verarmt und geschwächt. Siam war auf dem Vormarsch und hart arbeitende chinesische Einwanderer wurden mit offenen Armen empfangen.

Wie viele Chinesen in Übersee, beteiligte sich Tun Poon schließlich an Thailands Reishandel. Er kaufte Reis auf dem Land und verkaufte ihn in der Stadt. Er stellte fest, dass die Reisfarmer in der Zentralprovinz Saraburi aufgrund der kalkreichen Zusammensetzung des Bodens unterdurchschnittlich produzierten. Das Land war nicht für Reisfelder geeignet, aber reich an Kalzit, dem perfekten Rohstoff für die Herstellung von Zement.

Tun Poon begann mit dem Abbau des Kalzits, um diesen an die Siam Cement Company zu verkaufen, die durch königlichen Erlass von König Vajiravudh (Rama VI.) gegründet worden war. 1930 wurde Tun Poon von Vajiravudhs Nachfolger, König Prajadhipok (Rama VII.), der Titel Luang Patpongpanich oder „Ehrwürdiger“ Patpongpanich für sein in Saraburi ansässiges Unternehmen verliehen. Sein Geschäft half der Siam Cement Company – heute Thailands führendem Industriekonzern –, sich von Kalzitimporten unabhängig zu machen.

So begann der Aufstieg des Patpongpanich-Clans, wie das Patpong-Museum in seinem Einführungsraum zeigt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kaufte Patpongpanich 1946 eine Bananenplantage in Bangkok. Während des Krieges hatte er seinen Sohn Udom zum Studium in die USA geschickt, wo er sich der antijapanischen Widerstandsbewegung der Seri Thai anschloss. (Thailand hatte sich während des Krieges mit Japan verbündet.) In Übersee soll Udom Kontakte zu Mitgliedern des US-amerikanischen Office of Strategic Services (OSS), dem Vorgänger der Central Intelligence Agency (CIA), geknüpft haben.

Als er nach dem Tod seines Vaters 1950 die Kontrolle über das Eigentum übernahm, baute Udom eine Straße durch die Bananenplantage, um die Straßen Silom und Surawong zu verbinden. So entstand die Patpong Road, eine der wenigen in Privatbesitz befindlichen Durchgangsstraßen in der thailändischen Hauptstadt.

Udom verstand, wie wichtig ein solcher Schritt für die Entwicklung der Infrastruktur war, und verwandelte die Patpong in ein modernes Geschäftsviertel – später wurde die Patpong Road 2 entwickelt mit Läden und Bürogebäuden.

Aufgrund seiner angeblichen Verbindungen waren viele von Udoms frühen Mietern US-amerikanische Unternehmen, darunter IBM, Trans World Airlines, Caltex, United Press International, die US-amerikanische Informations-dienstbibliothek und die US-Handelskammer sowie zahlreiche europäische Unternehmen wie Shell, die holländische Fluggesellschaft KLM und die belgische Airline Sabena.

Als die USA 1965 ihr Engagement in Vietnam intensivierten, woraus der Vietnamkrieg resultierte, wurden weitere Niederlassungen in der Patpong gegründet, einschließlich Air America – das ist die geheime Fluggesellschaft, die den amerikanischen Geheimkrieg in Laos unterstützte.

Das Patpong-Museum zeigt die wachsende Präsenz der USA im Land mit verschiedenen Ausstellungsstücken, darunter Ausgaben thaisprachiger Comic-Bücher, die von der US Information Service Library herausgegeben wurden, um antikommunistische Propaganda in ganz Thailand zu verbreiten.

In einem Raum befindet sich eine Miniaturnachbildung des gesamten Patpong-Viertels, über dem sich ein roter Drachenkopf erhebt. Die Schlange, die sich durch das Dach des „historischen“ Abschnitts des Museums schlängelt, ist von einer Feng-Shui-Karte des frühen Bangkok inspiriert, die den Kopf des glücklichen Drachens im Stadtteil Patpong wiedergibt, wobei sich sein Körper durch Chinatown schlängelt und der Schwanz auf der Silom Road endet.

Anschließend verlassen die Besucher den historischen Bereich und betreten eine Bar mit Bildern von tanzenden nackten Frauen, in der ihnen ein alkoholisches Getränk angeboten wird. Der Barbereich enthält Erinnerungsstücke aus Patpongs erster Go-Go-Bar, dem Grand Prix, die 1967 vom Vietnamkriegsveteranen Rick Meynard gegründet wurde.

Meynards Einführung des Go-Go-Tanzes war ein bedeutender Beitrag zur Geschichte der Patpong. Da die Frauen in Bikinikleidung auf einer erhöhten Bühne tanzten, brauchte dieses Etablissement keine Tanzsaallizenz. Diese wäre nur nötig gewesen, wenn Frauen gleichzeitig mit Männern getanzt hätten.

„Daher haben alle Go-Go-Bars in der Patpong Road geöffnet, weil Sie keine Tanzhallenlizenz brauchten, sondern nur eine Ausschanklizenz für Alkohol“, sagte Messner. „Und so ist es auch heute noch.“

Neben dem Grand Prix eröffneten andere Bars, aus heutiger Sicht Pioniere. Da wären unter anderem Namen wie Napoleons, Madrids, Texan Bar, Jockey, Max und Gaslight. Bis auf das Madrid, das 1969 von Khun Daeng eröffnet wurde und nun von ihrer Tochter Jenny verwaltet wird, sind alle geschlossen.

Das Madrid betrieb in den späten 1960er Jahren ein reges Mittagsgeschäft und bietet immer noch beliebte Spezialitäten wie die Madrider Pizza, Gumbo und ein knuspriges Pfeffersteak an. Aber gerade für Bars, die wie das Madrid keine Go-Gos sind, kann es heute schwierig sein, in der Gegend zu überleben.

„In den ersten 20 Jahren lief das Geschäft gut, und dann eröffneten sie Mitte der 1990er Jahre den nächtlichen Straßenmarkt, und damit ging es bergab“, sagte Khun Daeng.

Sie meint damit die Marktstände in der Mitte der Straße, wo allerlei Plunder angeboten wird. Billigwaren, Kleidung oder raubkopierte DVDs gibt es hier. Der Markt, der um 18 Uhr öffnet, zieht viele Touristen an, beeinträchtigt jedoch die Diskretion, die manche Barbesucher bevorzugen.

Im Gegensatz zu verbreiteten Missverständnissen war die Patpong während des Vietnamkrieges nie ein Magnet für US-Truppen auf ihren Rest & Recreation Touren.

„Während des Vietnamkrieges kamen nur Offiziere in die Patpong“, erinnerte sich Khun Daeng. „Alle GIs gingen in die Bangkoker New Petchburi Road“, die damals den Spitznamen „The Golden Mile“ trug.

Als der Krieg nach der Unterzeichnung des Pariser Friedensabkommens 1973 endete, war es auch mit der Petchburi-Barszene vorbei.

„Die Patpong hatte den Vorteil, dass sie sich im zentralen Geschäftsviertel befindet“, sagte Norm Smith, langjähriger Einwohner von Bangkok und Webmaster der Seite Bangkok Eyes.

Der letzte Raum im Museum ist nicht jugendfrei. Hier sind die zweifelhafteren Attraktionen von Patpong ausgestellt. Am denkwürdigsten ist das Bild einer jungen Frau, aus der im unteren Bereich Tischtennisbälle herausspringen, und Fotos, bei denen Besucher entscheiden müssen, ob darauf Transsexuelle oder richtige Frauen abgebildet sind. Wenn sie das Foto anheben, können sie feststellen, ob sie mit ihrer Einschätzung richtig lagen.

Zu den Fotos, die Besucher vielleicht vergessen möchten, gehört die „Rasierklingenshow“, ähnlich der Ping-Pong-Show, aber mit anderen Requisiten, wie der Name schon sagt.

Messner, der mit einer Thai verheiratet ist, mit der er fünf Kinder hat, berichtete, das Museum habe die inoffizielle Genehmigung des Patpongpanich-Clans erhalten, dem die beiden Straßen und alle Immobilien im Patpong-Viertel gehören.

„Sie kamen vor der Eröffnung, um einen Blick zu werfen, und sie schickten danach Blumen“ sagte Messner. „Sie waren besorgt, dass es nur um Go-Go-Bars gehen würde.“

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