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Das TONIKUM

Das TONIKUM

Ludwig lag im französischen Doppelbett und fürchtete nichts als die Hand seiner Frau. Es war zwei Uhr früh. Vor einer Stunde hatte Beate vor dem Fernseher gegähnt und gesagt: Interessiert mich wirklich nicht mehr, der Quatsch, und war ins Bett abgerauscht.

Er hatte noch eine volle Stunde Schulmädchenreport eingeschoben, bevor er ihr folgte. Aber sicher sein konnte man nie. Ob sie wirklich schlief? Ihr Atem ruhig. Verstellung? Ein nackter Schenkel prall auf der Matratze, beschienen. Vom fahlen Licht der Straßenlaterne. Zufall? Hatte sie mit Absicht die Gardine nicht ganz zugemacht? Diese Brust. Es war zum Verrückt werden. Jetzt auch noch die Brust. Weiß und saftig. Sie bewegte den Arm. Der Schlafanzug vorn offen, die Decke verrutscht. Sie räusperte sich, drehte sich zu ihm und pennte. Pennte!

Besser so. Besser als wenn sie aufwachte und auf dumme Gedanken käme. Wenn sie zum Beispiel ihre Hand zu ihm krabbeln lassen würde, wie neulich. Nein, das durfte nie wieder passieren.

Ganz langsam war die Hand gekrochen gekommen. Zu seinem Ellenbogen, den Arm hinauf … Finger, so zärtlich, so sanft … sie kribbelten ihm über die Brust, sie strichen im Unterholz der Behaarung herum, jetzt streiften sie eine Warze. Sie glitten über den Bauchhügel. Ein Kitzeln im Nabel. Jetzt strichen sie talwärts ins Buschwerk weiter unten. Dort eine längere Ruhepause. Und dann die Katastrophe: Sie tat, als würde sie erst jetzt ganz wach, richtete sich halb auf, ließ nicht los und sagte: Was hat er denn heute, der kleine Schnubbel?

Sie, die nie im Bett geredet hatte! Kaum mal gestöhnt hatte sie, wenn er Nacht für Nacht zwei- dreimal über sie kam. Sie redete plötzlich! Und gleich auch noch so was. Werde müde sein, schwerer Tag gewesen, hatte er gebrummt, sich umgedreht und so getan, als schlafe er.

Aber nichts da. Die ganze Nacht hat er wach gelegen und gegrübelt und tonlos geflucht und gebangt. So wie jetzt auch. Nacht für Nacht ging das so. Seit Wochen. Er war bald kein Mensch mehr. Tagsüber hundemüde, halbe Nacht vorm Fernseher bis sie endlich schlief, danach Grübeln und Schiss vor dieser gemeinen, höhnischen Hand. Bis jetzt war sie nicht wiedergekommen, die Hand, aber jede Nacht konnte es passieren. Und beim Schnubbel regte sich nichts. Seit Wochen nicht. Keinen Sexfilm im Fernsehen hatte er ausgelassen, den Alkohol reduziert, zum Schluss sogar „Dr. Müllers Potenz-Tonikum“ aus dem Geschäft mit den schwarzen Schaufenstern: nichts.

Ob es das war? Das Ende? Aber so plötzlich? Konnte das sein? Gestern noch eine Frau geheiratet, die dreizehn Jahre jünger war, gestern noch zwei- dreimal täglich gekonnt und jetzt: aus der Traum.

Zu blöd, dass man darüber nicht reden konnte. Aber das ging einfach nicht. Er war Räuber und Rammler und kein Redner.

Sie fing ja auch nicht an drüber zu sprechen. Kein Wort. Nicht nachts, tags erst recht nicht. Musste ihr doch langsam auffallen, dass sich etwas geändert hatte. Morgens wachte sie auf, gut ausgeschlafen, gutgelaunt, als wäre nichts gewesen. War ja auch nichts gewesen, verdammt! Am Tag trällerte sie in der Küche, telefonierte dauernd mit ihrer Freundin Hildegard, ihrer Mutter, sah immer jünger aus.

Fehlte ihr denn gar nichts? Vielleicht doch. Ob sie ihm deswegen das neue Zeug gab, das er seit ein paar Wochen unter ihren Augen schlucken musste? Nimmst bitte, Ludwig. Ist gut für die Verdauung. In letzter Zeit hast du Blähungen. Nachts stinkt es mir manchmal im Bett. In die Nase. Du verstehst? Nimmst bitte. Mama hat‘s empfohlen. Papa hat es auch ein paar Jahre bekommen.

Er nahm es eben. Ich will dich nachts nicht zu stinken, hat er gesagt, als hätte er das mit den Blähungen geglaubt. Wenn es dem Schnubbel wieder auf die Beine helfen würde, war ihm alles recht. Aber das Zeug half nicht. Jedenfalls bis jetzt nicht. Oder war es wirklich gegen Blähungen? Quatsch. Die hätte er gespürt. Ob er nicht genug nahm? Vielleicht war er ein hartnäckiger Fall?

Vielleicht sollte er mal zwei Löffel verlangen. Ja, das wird gemacht! Morgen, nach dem Abendessen, wenn sie mit dem Zeug kommt, wird er ihr den Hintern streicheln und wird sagen: Ich fühl mich so, als hätte ich Blähungen. Ich nehme heut mal zwei. Und sie wird lächeln, mit dem Schalk in den Augen, den er so liebt, und wird ihm zwei geben, damit die Blähungen weggehen.

Ja, dass wird gemacht.

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