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Der Feinstaub-Teufelskreis

Der Feinstaub-Teufelskreis

Thailand ist bekannt für seine Ad-hoc-Reaktionen auf wiederkehrende und vorhersehbare Probleme von saisonalen Überschwemmungen und Dürreperioden bis hin zu tödlichen Verkehrsunfällen über Neujahr und Songkran.

In den letzten Jahren rückte nun der Feinstaub in den Fokus von Medien und Regierung. Als alle Jahre wieder die Lage lediglich in Chiang Mai und anderen nördlichen Provinzen bedrohlich war, interessierte das im fernen Bangkok kaum jemanden.

Das änderte sich, seit nun auch Bangkok, andere Zentralprovinzen und sogar die Ostküste einschließlich Pattaya vom Smog betroffen sind.

Die Regierung handelte plötzlich sofort allerdings mit umstrittenen Maßnahmen, die wohl nur die Wirkung bekämpfen, nicht aber die Ursachen.

Mit der Ankunft der kühlen Jahreszeit leiden Bangkok und die Provinzen im Norden, im Nordosten, in der Zentralebene und im Osten des Landes unter der neuesten Dosis giftiger Luft.

Die Situation in der Hauptstadt besserte sich Ende Dezember wieder, aber man darf sich nicht täuschen lassen: Wir können davon ausgehen, dass sich die Luftqualität in den nächsten Monaten erheblich verschlechtern wird.

Schon im Januar war es soweit: Die Luftverschmutzung in Bangkok wurde als „gefährlich“ eingestuft.

Fahrzeugabgase, Waldbrände, das Abfackeln abgeernteter Felder und Industrieemissionen sind die bekannten Ursachen für PM2,5. Das ist Feinstaub, bei dem die Partikel einen Durchmesser von weniger als 2,5 Mikrometer haben. Diese Partikel dringen direkt in die Lunge ein und sind daher extrem gesundheitsgefährdend.

Als Reaktion hat die Regierung Richtlinien ausgearbeitet, die von Bemühungen, alte umweltschädliche Autos von der Straße zu bringen, bis zur Förderung eines „saubereren“ Biodiesels reichen. Aber sie hat bislang zwei entscheidende Fragen unberücksichtigt gelassen.

Dies sind die zu Unrecht als „sicher“ bezeichneten Grenzwerte der Behörde für Schadstoffbekämpfung (PCD) von PM2,5, die auf einen 24-Stunden-Durchschnitt von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft festgelegt sind, und das Fehlen praktischer Lösungen für den Umgang mit Industrieemissionen und der Verbrennung im Freien wie das vorgenannte Abfackeln von abgeernteten Feldern oder auch Zuckerrohr, das sich dann leichter ernten lässt.

Der „sichere“ PCD-Wert ist doppelt so hoch wie der Grenzwert der Weltgesundheitsorganisation (WHO), der bei 25 Mikrogramm liegt. Der Generaldirektor der PCD, Pralong Dumrongthai, ignorierte die Forderungen nach einer Übernahme des WHO-Standards und bestand darauf, dass der derzeitige Grenzwert für Thailand sicher genug ist. Ein Grenzwert von 25 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft könne zu Panik führen. Damit meinte er wohl, dass dieser Grenzwert nie und nimmer eingehalten werden könne.

Im Rahmen des am 1. Oktober 2019 genehmigten nationalen Plans der Regierung zur Bekämpfung von PM2,5 wird der Grenzwert bis 2022 oder 2024 auf 37,5 Mikrogramm gesenkt.

Warum muss man da so lange warten? Um erst in zwei oder vier Jahren festzustellen, dass der thailändische Grenzwert nach wie vor nicht dem WHO-Standard entspricht? Das ist jetzt auch schon der Fall. Warum also übernimmt die PCD nicht sofort den von der WHO empfohlenen Standard?

Die Einführung strenger Sicherheitsstandards würde die Kenntnis über die Luftverschmutzung in der Öffentlichkeit verbessern und uns darauf hinweisen, uns bei Bedarf mit einer Atemmaske zu schützen oder unseren Aufenthalt im Freien zu begrenzen.

Bis jetzt machen das nur Interessierte, indem sie beispielsweise auf der Website AirVisual.com die Luftqualität in ihrer Stadt überprüfen.

Gleichzeitig würde es die staatlichen Behörden aus ihrer Selbstzufriedenheit befreien, wenn man sie dazu zwingt, wirksame Maßnahmen zur Reduzierung von PM2,5 in der Luft zu ergreifen.

Dringend erforderlich ist eine Maßnahme zur Bekämpfung der Verbrennung von Feldern im Agrarsektor, vor allem von Mais- und Zuckerrohrfeldern, die von Ende Januar bis April stattfindet. Bisher hat die Regierung Anordnungen erlassen und die Durchsetzung von Gesetzen verschärft, um Farmer vom Abfackeln abzuhalten und bei Gesetzesverstößen zu bestrafen.

Den Landwirten wurden jedoch keine kostengünstigen Alternativen angeboten, denn mit dem Abfackeln wird das abgeerntete Feld auf die nächste Aussaat vorbereitet, so dass die Praxis unvermindert fortgesetzt wird.

Maschinen zum Entfernen von Ernterückständen wären eine solche Alternative, aber die meisten Farmer können sie sich nicht leisten. Hier könnte der Staat eingreifen und den Kauf solcher Maschinen subventionieren und/oder die Entwicklung anderer Technologien fördern, um die Praxis des Abbrennens der Felder zu unterbinden.

Emissionen aus der Industrie müssen ebenfalls dringend berücksichtigt werden. Die Verordnung des Industrieministeriums von 2006 ist lax, da nur Fabriken verpflichtet sind, alle Emissionen zu überwachen und zu melden, nicht speziell PM2,5. Die Regierung muss die Unternehmen dazu verpflichten, insbesondere ihre PM2.5-Emissionen zu messen und zu melden.

Die wirksamste Bekämpfung der gefährlichsten Form der Luftverschmutzung wird einige Zeit in Anspruch nehmen.

Dennoch sollte die Regierung mit gezielten und praktischen Maßnahmen beginnen. Andernfalls wird saisonale giftige Luft nur ein weiteres wiederkehrendes „thailändisches“ Problem, das nie gelöst wird.

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