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Das Problem mit der Luft

Das Problem mit der Luft

Der Regierung fehlt der politische Wille, die wirklichen Ursachen des Problems der Luftverschmutzung anzugehen.

Die Luftverschmutzung hat Bangkok und den größten Teil Thailands im letzten Monat erneut erfasst. Wie erwartet, hat die Regierung mit den üblichen Notfallmaßnahmen reagiert, aber nichts unternommen, um das Problem an der Wurzel anzugehen.

Der Prototyp eines Luftreinigers der von der Bangkoker Stadtverwaltung (BMA) Anfang letzten Monats im Herzen der Stadt installiert wurde, sorgte für Schlagzeilen, doch die Maßnahme kam etwas spät, meinen viele Bürger.

Sie befürchten, dass die kalte Jahreszeit wieder zu besonders schlechter Luftqualität führen wird wie schon Anfang des Jahres. Da hatte es Bangkok in die Welt-Top-Ten der Städte mit der schlechtesten Luft geschafft. Auch in vielen anderen Regionen Thailands war das bloße Einatmen der Luft ungesund. Anfang November wurde die Luft wieder zusehends schlechter.

Seit Jahren pendeln Kanyarat Chaksuwong und ihr Ehemann 60 Kilometer von ihrem Zuhause in der Provinz Samut Sakhon zu ihren Arbeitsplätzen in Nakhon Pathom.

„Wir wissen, dass Staub und Auspuffgase giftig sind und immer schlimmer werden, aber wir müssen jeden Tag arbeiten“, sagte Kanyarat.

Sie forderte alle Leute auf, sie und ihren Mann beim Pendeln einmal zu begleiten, sollten diese Leute den Versprechungen der Regierung glauben, die Luftverschmutzung reduzieren zu wollen.

„Es sind nicht nur die ekelhaften Abgase, die wir einatmen müssen, die aus alten Autos, Lastwagen und Bussen strömen, sondern auch die schwarzen Wolken, die aus Fabriken kommen“, beklagte sie sich.

Obwohl das Verkehrsministerium im vergangenen Monat Beamte entsandte, um umweltschädliche Fahrzeuge auszumachen und aus dem Verkehr zu ziehen, wurde Kanyarat zufolge zu wenig Aufmerksamkeit darauf verwendet, das Problem an der Quelle zu beheben.

In den ersten beiden Monaten dieses Jahres wurden in Bangkok weitere 180.000 Neufahrzeuge von der Straßenverkehrsbehörde zugelassen.

Während die Kommunalverwaltungen versuchten, das Abfackeln von Feldern zu verbieten, fördert die nationale Agrarpolitik gleichzeitig den Ausbau der darauf angewiesenen Industrien. Zwischen November 2018 und Februar 2019 wuchsen die Felder, auf denen Mais angebaut wird, um zwei Millionen Rai.

Kein politischer Wille, keine Reform

Supat Wangwongwattana, ehemaliger Generaldirektor der Behörde für Schadstoffbekämpfung (PCD) und jetzt Dozent für öffentliche Gesundheit an der Thammasat-Universität, sagte, eine Fallstudie über Fahrzeugabgase hebe hervor, was eine Reform der Luftqualität behindere.

Fahrzeugabgase aus unvollständiger Verbrennung sind seit langem als Hauptverursacher von Feinstaub in Bangkok bekannt. Dementsprechend wurden regelmäßig strenge Emissionskontrollstandards als Hauptstrategie diskutiert, um das Problem an seinem Ursprung zu lösen.

Als ein Beispiel nannte Supat die mangelhaften Bemühungen, Motoren umzurüsten um den Schwefelgehalt zu senken bzw. um die Abgasnorm Euro 5 zu erfüllen.

Im Wesentlichen wird der Schwefelgehalt durch die Euro-5-Norm auf 10 Mikrogramm pro Kubikmeter begrenzt, was einem Fünftel der Euro-4-Norm entspricht, die in Thailand seit 2010 gilt.

„Die Implementierung hat sich seit unserem ersten geplanten Termin um 13 Jahre verzögert“, erinnerte er sich. „Einige Unternehmen wollten keine neuen Investitionen tätigen, deshalb forderten sie die Regierung auf, den Plan so lange aufzuschieben, bis sie dazu bereit sind.“

Die Umsetzung der seit einem Jahrzehnt in Südkorea geltenden Abgasnorm Euro 5 ist daher in Thailand noch nicht vollzogen. Erst im vergangenen Jahr, nach dreijähriger Verhandlungsdauer, erklärten sich die Ölraffinerien damit einverstanden, und selbst dann forderten und erhielten sie eine  Nachfrist von fünf Jahren.

„Die Konformität sollte im Jahr 2022 beginnen. Derzeit gibt es jedoch noch keinen Beschluss des Nationalen Umweltkomitees, das die neuen Vorschriften bestätigen müsste“, sagte er.

Supat bezweifelt die jüngsten Medienberichte, dass die Euro-5-Standards möglicherweise früher umgesetzt werden. „Letztendlich liegt es am politischen Willen der Gesetzgeber. Sie müssen auf den Tisch hauen und ein Machtwort sprechen, damit etwas unternommen wird“, betonte er. „Da wir die Umweltverschmutzung nicht ernst nehmen, wird sie Ende dieses Jahres erneut und danach jedes Jahr wieder auftreten.“

Umweltsünder müssen zahlen

Letztes Jahr hat das Zentrum für Wirtschaftsprognosen der Universität der thailändischen Handelskammer (UTCC) mitgeteilt, dass die finanziellen Verluste im Dezember 2018 und Januar 2019 durch Ausgaben für Gesundheit und verminderte Tourismuseinnahmen bis zu sechs Milliarden Baht betragen haben. In diesen beiden Monaten war die Luftverschmut zung in Bangkok am schlimmsten gewesen.

Das Zentrum schätzte, dass die 15 Millionen Einwohner im Großraum Bangkok 600 Millionen Baht ausgaben, um Standardgesichtsmasken zu kaufen.

800.000 Menschen hätten aufgrund der Luftverschmutzung ein Krankenhaus aufsuchen müssen. Einschließlich der Medikamente hätten diese Krankenhausbesuche insgesamt 800 Millionen Baht gekostet.

Supat sagte, es sei ein unfaires System, wenn die Opfer der Umweltver schmutzung zahlen müssen und nicht die Umweltverschmutzer.

„Und wenn sie das Problem nicht an der Wurzel angehen, wird es teuer, das Problem zu lösen. Schlimmer noch, es ist für die Umweltverschmutzer zu einfach, sich ihrer Verantwortung zu entziehen. Schließlich sollten die Umweltverschmutzer zahlen“, sagte er.

Eine der Maßnahmen, mit denen die PCD die Umweltverschmutzer bezahlen lässt, ist die Auferlegung strenger Luftqualitätsnormen.

Die Behörde hat jedoch die Feinstaub-Grenzwerte auf das Doppelte des von den Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlenen Niveaus festgelegt.

Laut WHO-Richtlinien sollte die durchschnittliche jährliche Feinstaubbelastung im Durchschnitt zehn Mikrogramm pro Kubikmeter nicht überschreiten. Für einen Zeitraum von 24 Stunden hat die WHO einen Grenzwert von 25 Mikrogramm festgelegt.

In Thailand beträgt der Grenzwert jedoch 50 Mikrogramm pro Tag und 25 Mikrogramm im Jahresdurchschnitt.

Die durchschnittliche Feinstaubkonzentration des Landes lag zwischen 2011 und 2018 bei 24 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft, wobei der Großraum Bangkok eher bei 30 Mikrogramm lag.

Sirima Panyamethikul von der Fakultät Umwelttechnik der Chulalongkorn-Universität, der das thailändische Netzwerkzentrum für Luftqualitäts management leitet, bekräftigte die Notwendigkeit strengerer Grenzwerte.

„Inzwischen sollte die Behörde für Schadstoffbekämpfung die zulässige Konzentration von Feinstaub längst gesenkt haben. Mit Thailands durchschnittlichen jährlichen Werten unter 30 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft sollten wir in der Lage sein, unseren Grenzwert von 50 Mikrogramm auf 35 zu senken. Das nächste Ziel sollte dann dem Grenzwert der Weltgesundheitsorganisation von 25 Mikrogramm entsprechen“, sagte er.
Sirima weist darauf hin, dass das Nationale Umweltkomitee darauf besteht, dass eine solche Überarbeitung der Gesetzeslage nicht erforderlich ist, da die Luftverschmutzung in der Stadt verringert wird, sobald ein „nachhaltigeres Verkehrssystem“, gemeint sind öffentliche Verkehrsmittel wie U- und Hochbahn sowie Elektrobusse, vollständig vorhanden ist.

Das Komitee behauptet auch, dass nicht genügend Daten vorliegen, um einen solchen Schritt zu rechtfertigen, und dass Daten für weitere sechs bis sieben Jahre gesammelt werden sollten, währenddessen die Feinstaubwerte in Thailand sinken werden. Daher sind keine neuen Vorschriften erforderlich, die sich auf wichtige Wirtschaftssektoren auswirken könnten.

Eine solche Untätigkeit sei inakzeptabel, sagte Sirima. Die Behörde für Schadstoffbekämpfung ist verpflichtet, die nationalen Luftqualitätsnormen alle fünf Jahre zu überarbeiten und zu verbessern, hat jedoch seit ihrer Einführung im Jahr 2010 nichts unternommen.

Darüber hinaus legen die WHO-Richtlinien auch fest, dass Regierungen regelmäßig strengere Maßnahmen für ihre nationalen Luftqualitätsstan dards ergreifen sollten.

Umwelt und Gesundheit werden ignoriert.

Sirima empfiehlt auch eine behördenübergreifende Zusammenarbeit, um Emissionskontrollnormen für Herkunftsquellen festzulegen und die Umweltschutzbestimmungen besser durchzusetzen.

„Wir sollten ein gemeinsames Ziel beim Schutz der Gesundheit der Thais verfolgen. Das bedeutet nicht, dass wir jetzt alles auf einmal tun müssen, aber wir sollten ein Ziel haben.“

Wenn man Beweise für das Desinteresse der Regierung am Umweltschutz braucht, muss man sich nur das mangelhafte Budget ansehen, sagte Witsanu Attavanich von der Wirtschaftsfakultät der Kasetsart-Universität.
„Das Budget zeigt deutlich, dass Umweltschutz keine Priorität der Regierung ist“, bemerkte er.

„Sie konzentrieren sich nur auf wirtschaftliche Stabilität und Wachstum. Im Ausgabenhaushalt der Regierung von 2015 bis 2019 stehen die wirtschaftsbezogenen Ausgaben hinter den Verwaltungsausgaben an zweiter Stelle, während das für den Umweltschutz vorgesehene Budget äußerst gering ist.“

Für das Haushaltsjahr 2019 beläuft sich das Budget für Umweltausgaben auf 10,9 Milliarden Baht, was nur etwa 0,4 Prozent des Gesamtbudgets von 3,1 Billionen Baht entspricht. Dies sind nur 0,05 Prozent des thailändischen Bruttoinlandsprodukts. Dies ist die Hälfte der in Südamerika zugewiesenen Mittel, 13 Mal weniger als in China und 14 Mal weniger als in der Europäi schen Union.

„Die Luftverschmutzung ist in den letzten Jahren gefährlich hoch, und die Luftqualität scheint sich nicht zu verbessern. Das liegt daran, dass wir uns nur auf die wirtschaftliche Entwicklung konzentrieren und dem Schutz und der Erhaltung der Umwelt weniger Aufmerksamkeit schenken. Natürlich hat sich die Konjunktur deutlich verbessert, aber die Frage ist, wie nach haltig ist sie?“, sagte Witsanu.

Er weist darauf hin, dass die wirtschaftlichen Kosten, die mit einer schlechten Luftqualität verbunden sind, weithin bekannt sind. Eine Studie der Weltbank aus dem Jahr 2017 ergab beispielsweise, dass die Luftver schmutzung zu einem von zehn Todesfällen weltweit beiträgt und dass sich die wirtschaftlichen Kosten der Luftverschmutzung für Thailand von 211 Milliarden Baht im Jahr 1990 auf 871 Milliarden Baht im Jahr 2013 vervierfachten.

Laut Air Quality Index (AQI) ist Thailand das siebtverschmutzte Land der Welt. Schlechte Luftqualität senkt die durchschnittliche Lebenserwartung um zwei Jahre. Einwohner in und um Chiang Mai würden sogar vier Jahre länger leben, wohnten sie in einer anderen Stadt.

In weniger als einer Generation ist Thailand von einem Land mit niedrigem Einkommen zu einem Land mit mittlerem Einkommen aufgestiegen.

„Aus wirtschaftlicher Sicht dürfen wir also nicht nur an die Effizienz des Ressourcenmanagements denken“, argumentierte Witsanu. „Wir sollten unsere Aufmerksamkeit auf die Umwelt richten und, ohne zu vergessen, dass unsere heutigen Entscheidungen die nächste Generation betreffen, bei jedem Schritt Fairness in die Gleichung einbringen.“

Post source : https://www.bangkokpost.com/thailand/special-reports/1796019/the-pollution-paralysis-thailands-structural-inability-to-clean-up-its-air

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