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Exodus der Expats

Exodus der Expats

Auf Twitter schrieb kürzlich jemand: „Letzten Monat war ich in Vietnam, um ein paar Freunde zu besuchen, die vorher in Thailand lebten. Ich staunte, als ich sah, wie viele ehemalige Farang-Expats aus Thailand jetzt in Vietnam sind. Fahrt mal hin!“
Für viele Expats ist das, woraus Träume gemacht sind, in Thailand zu finden. Mit seinem wunderschönen Klima, dem Essen und den wunderbaren Thais ist das Land ein Paradies. Aber alles hat einmal ein Ende oder zumindest einen Wendepunkt. Niemand weiß genau, wann der Wendepunkt für Expats in Thailand erreicht worden ist, aber es scheint, dass immer mehr Leute packen und gehen. Oder darüber nachdenken. Oder es am liebsten tun würden, wenn es keine Sachzwänge gäbe, die sie an Thailand binden.
In letzter Zeit gab es eine ganze Reihe von Faktoren, die das Leben in Thailand schwieriger gemacht haben, vor allem für Expats im Ruhestand.
Das Leben für Rentner ist in Thailand wegen des starken Baht ein ernstes Problem geworden. Bei einigen kommt noch hinzu, dass die eigene Währung nachgeben hat wie das Britische Pfund. Das ist kaum mehr wert als ein Euro. Für ein Pfund gibt es zurzeit ca. 36 Baht. Vor rund zehn Jahren waren es über 85 Baht. Wenn man nun noch die Preissteigerung einbezieht – Thailand ist kein billiges Land mehr – dann ist für den einen oder anderen Expat das Ende der Fahnenstange erreicht.
Ein bekanntes Thailandforum führte bereits vor einem Jahr eine Expat-Umfrage durch, an der über 1.400 Befragte teilnahmen. Vielleicht sind die Ergebnisse nicht repräsentativ, einen Trend kann man aber in jedem Fall ablesen.
Die Briten bekamen im August 2018 noch 42 Baht pro Pfund. So schlecht hatte der Kurs nie zuvor gestanden. 40 Prozent aller Befragten gaben an, sie hätten in den letzten zwölf Monaten erwogen, Thailand wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten zu verlassen. Wenn das der Fall wäre, könnte man argumentieren, dass die Zahl jetzt bei einem Kurs von rund 1:36 noch höher ist.
Es ist auch eine faire Annahme zu glauben, dass von den 40 Prozent, die das Verlassen des Landes in Betracht zogen, einige Thailand bereits verlassen haben, um woanders neu zu beginnen.
Die Umfrage ergab auch, dass einer von vier Expats (26 Prozent) mit weniger als 45.000 Baht pro Monat auskommen musste. Wenn man die Wechselkurse zwischen Großbritannien und dem thailändischen Baht ansieht, bedeutet dies, dass mit dem weiteren Wertverlust des Pfundes die 45.000 Baht von vor einem Jahr heute näher bei 40.000 Baht liegen.
Der Währungsverfall bzw. der starke Baht betrifft aber nicht nur die Briten. Der US-Dollar wird unter der psychologischen Grenze von 1:30 gehandelt, auch der Wert des Euro kennt nur eine Richtung. Auch andere Währungen haben stark nachgelassen wie beispielsweise die Schwedische Krone.

Wie viele Rentner leben in Thailand?

Es war schon immer ein Spiel, die Zahl der Rentner in Thailand zu erraten. Wenn man vor ein paar Jahren mit Expats gesprochen hat, haben sie oft gesagt, dass wohl zwischen 250.000 und 500.000 Auswanderer in Thailand leben. Aber es handelte sich immer nur um Schätzungen.
Anfang dieses Jahres lebten laut Migrationsbericht der Vereinten Nationen fast 75.000 ausländische Rentner in Thailand. Dies war eine Zahl, die viele schockierte, da sie viel niedriger ist, als man hätte ahnen können.

Wandern thailändische Expats nach Vietnam aus?

Die Geschäftsführerin einer der sechs großen Versicherungsgesellschaften für Expats in Thailand sagte, jede Woche bekäme sie fünf Anträge von Rentner-Expats, die darum bitten, ihre Krankenversicherung nach Vietnam zu verlegen.
Das sind mehr als 20 Anfragen pro Monat, und wenn dies bei den anderen Versicherungsunternehmen ähnlich aussieht, steigt die Zahl auf 120 Expat-Anfragen monatlich.
Wenn man gleichzeitig ein Umfrageergebnis berücksichtigt, wonach ein Drittel der Rentner-Expats nicht krankenversichert sind, dann wären es 160 Expats, die von Thailand nach Vietnam ziehen. Pro Jahr fast 2.000 Personen.
Diese Zahlen sind natürlich nur eine grobe Schätzung, aber auch hier wird ein Trend wiedergegeben.
Ist es nicht inzwischen so, dass jeder jemanden kennt, der nicht mehr nach Thailand kommt? Abgesehen von den Expats, die im Land ganzjährig leben, kommen sehr viele Überwinterer, die hier rund sechs Monate verbringen. Sie kommen im Oktober und reisen vor der Wasserschlacht im April wieder ab.
Es mag Ansichtssache sein, ob man diese Leute als Expats bezeichnen will, aber sie bringen Geld, das sie hier zum Leben brauchen. Und wenn das Preiseistungs-Verhältnis allein wegen des Wechselkurses nicht mehr stimmt, dann werden wohl einige von ihnen nicht mehr nach Thailand reisen. Sondern lieber nach Vietnam oder in ein anderes Land, das preisgünstiger ist als Thailand.
Denn Thailand ist, um noch einmal auf das Traumland, auf das Paradies auf Erden zurückzukommen, nicht mehr ganz so traumhaft und paradiesisch wie noch vor zehn Jahren. Das wird wohl niemand bestreiten wollen.

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