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Zwölf Euro pro Bier

Zwölf Euro pro Bier

Immer öfter bekomme ich zu hören, dass Thailand ein teures Pflaster geworden ist. Da ist natürlich erst einmal der Wechselkurs. Über den gibt es ja allerlei zu sagen und damit auch zu meckern. Positives kann man einem Kurs, der auf
1:30 zusteuert, wohl eher nicht abringen.
Es gab mal Zeiten, da hofften die Leute, dass es noch einmal einen paradiesischen Tag geben würde, bei dem vielleicht für einen Euro um die 50 Baht und noch mehr gewechselt werden. Dieser Wunsch ging nicht in Erfüllung.
Wenn man sich das Bild oben ansieht, das auf den ersten Blick recht langweilig erscheint, dann wird es aber doch spannend, sich hier einmal die Wechselkurse ansieht. Da steht der Euro nämlich fast bei 39 Baht. Die Aufnahme wurde im Dezember 2010 gemacht. Da hatten schon alle gemeckert, der Baht sei zu teuer. Was sagen die Leute jetzt erst?
Seit dem Tag der Aufnahme ging es mit dem Euro eigentlich nur noch bergab, wobei ich wohl besser formuliere, wenn ich sage, dass es mit dem Baht in nur eine Richtung ging: bergauf. Ob Euro oder Dollar oder Pfund: Das Leben eines Auswanderers, der auf Geld aus dem Ausland angewiesen ist, ob er nun von einem Unternehmen bezahlt wird oder Rente bekommt, wurde auf Dauer immer teurer. Allein schon vom Wechselkurs her.
Dass in Thailand abgesehen davon die Preise steigen, und zwar manchmal auf recht unverschämte Art und Weise, indem Waren von heute auf morgen um 20 Prozent oder noch mehr teurer werden, darüber hatten wir im HALLO schon öfter berichtet, und Leser klagten auch allzu oft ihr Leid auf der Leserbriefseite.
Es ist eben nicht mehr so wie früher und es wird alles noch teurer werden. Da muss man kein Hellseher sein, um das vorauszusagen. Es ist ja auch nicht so, dass die Klientel aus dem Westen hier noch die ganz große Rolle spielt. Die Chinesen strömen ins Land, und wer denkt, dass es sich nur um Pauschaltouristen handelt, die kaum Geld haben, lebt in seiner eigenen Welt und hat nicht mitbekommen, wie sehr sich alles geändert hat. Immer mehr chinesische Individualtouristen kommen, geben viel Geld aus, gehen in Läden shoppen, die nur Markenartikel verkaufen, erwerben Häuser, Wohnungen und alles, was der Immobilienmarkt so hergibt.
Und da kommen ein paar Expats oder Touristen aus dem Westen und beschweren sich über den Wechselkurs, weil das Bier noch teuer ist als sonst.
Und damit wären wir beim Thema. Alkohol ist in Thailand grausam teuer, wenn man die Preise mit Deutschland vergleicht. Da spielt der Wechselkurs natürlich auch noch mit rein. Aber sagen wir einmal der Einfachheit halber, dass ein Bier in Deutschland 50 Cent kostet, das wären 20 Baht oder nach der neuen „Schweinekurs“-Rechnung (1:35) 17 ½ Baht. Da alle gern mit runden Zahlen rechnen, bleiben wir einmal bei 20 Baht. Das jedenfalls ist der Preis, wenn man in Deutschland eines im Laden kauft.
Nun gehe ich hier nicht in den 7-Eleven oder eine andere Supermarktkette, weil ich gerne Tante Emma unterstütze, die hier Ba Noi heißt. Tante Noi verkauft eine große Flasche Bier für 60 Baht. Das ist ein durchaus akzeptabler Preis, im 7-Eleven kostet es auch nicht viel weniger, vielleicht ist es dort fünf Baht oder so billiger.
Wie dem auch sei. Ein Bier kostet hier also schon mal das Dreifache eines Biers in Deutschland.
Verdienen die Thais auch das Dreifache? Nein. Oder zumindest dasselbe wie die Deutschen? Nein.
Wie könnte ich denn den Unterschied beim Lohnniveau ausrechnen? Nun, da gehe ich einfach her und nehme den Mindestlohn als Maßstab. Unzählige Arbeiter in Thailand verdienen den Mindestlohn. Ob es in Deutschland sehr viel weniger sind, die auch für so wenig arbeiten, sei einmal dahin gestellt.

Zwölf Euro pro Bier
Zwölf Euro pro Bier

Bei der Berechnung des Mindestlohns in Deutschland gehe ich von einem stündlichen Gehalt von acht Euro aus. Pro Stunde wohlgemerkt. Das sind bei einem Acht-Stunden-Tag 64 Euro. Also umgerechnet (1:40) 2.560 Baht pro Tag.
Davon kann man sich eine ganze Menge Bier kaufen, zumal in Deutschland eine Flasche nur einen halben Euro kostet.
Der Mindestlohn in Thailand beträgt 300 Baht. Nicht pro Stunde, sondern pro Tag. Das sind pro Tag fünf Flaschen Bier.
Wenn sich ein Deutscher mit einem Mindestlohn von 64 Euro pro Tag nur fünf Flaschen Bier leisten könnte, dann würde eine Flasche 12,80 Euro kosten. Oder anders gerechnet: Eine Flasche Bier entspricht dem Wert von rund 500 Baht.
Diese Rechnung sollten sich Ausländer einmal näher ansehen: Eine Flasche Bier in Thailand kostet aus Thai-Sicht über zwölf Euro bzw. 500 Baht! Und wenn man den Mindestlohn verdient und fünf Bier trinkt, dann ist das Tagesbudget aufgebraucht. Es bleibt nichts für Lebensmittel, Miete oder Nebenkosten übrig. Vom Sparen soll hier gar nicht erst die Rede sein. Alkohol ist in Thailand ein Vermögen wert.

Euer Walter Weiß

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