Header Banner
Header Banner
Header Banner
Header Banner

Zwei Seiten einer Geschichte

Zwei Seiten einer Geschichte

Ein australischer Vater wurde auf Phuket angegriffen und schwer verletzt. Während er sich im Krankenhaus erholte, stahl seine Frau die gemeinsamen Kinder und sein Haus. Oder: Australischer Vater fiel sturzbetrunken vom Balkon und verprügelte seine Frau, die deshalb die Flucht ergriff.

Der Journalismus, vor allem in sozialen Netzwerke, und dazu zählen auch Thailand-Foren, scheint doch gelinde gesagt mit Vorsicht zu genießen sein.
So wurde in einem bekannten englischsprachigen Forum eine Meldung veröffentlicht, in der ein Australier namens Dan (Nationalität, alle Namen und Schauplätze von der HALLO-Redaktion geändert) seine Frau und Kinder suchte.

Die Meldung liest sich wie folgt:
Dan, 48, aus Australien, der seit zwölf Jahren in Thailand lebt, berichtete, dass er verzweifelt seine Kinder suche.
Ich will nur, dass meine Kinder leben und es ihnen gut geht“, sagte Dan.
Dan hat seine Kinder Linda, fünf, und Martin, drei, seit fast zwei Jahren nicht mehr gesehen. Er glaubt aber, dass sie sich in Thailand aufhalten.
Dan glaubt, dass seine Exfreundin, die Kindesmutter Nok, mit Michael und Linda in Thailand mit einem anderen Ausländer zusammenlebt.
Dans Misere begann im Oktober 2015, als er auf Phuket ausgeraubt und brutal überfallen wurde. Dort arbeitete er als Tauchlehrer.
Während des Angriffs zog sich Dan schwere Verletzungen zu, die sein Leben veränderten. Er wurde in die Notaufnahme eines Krankenhauses eingeliefert und drei Tage lang in ein künstliches Koma versetzt. Dort blieb er einen Monat, während seine Verletzungen behandelt wurden.
Später wurde er nach Australien geflogen, wo seine Rehabilitation weitere Fortschritte machte. Er blieb dort drei Monate im Krankenhaus.
Dans Verletzungen führten zu einem permanenten Gehirnschaden mit erheblichem Gedächtnisverlust.
Als er aus dem Koma erwachte, erkundigte sich Dan nach seinen Familienmitgliedern, und fragte, ob er seinen Vater sehen könne. Der war aber tragischerweise schon vier Jahre zuvor verstorben.
Dan kam im 2016 nach Thailand zurück, um wieder bei seiner Familie zu sein. Da nahm sein Leben nach seinen traumatischen Erlebnissen eine weitere negative Wende.
Als er sein Haus auf Phuket betrat, fand er es ausgeplündert vor, viele seiner Habseligkeiten waren verschwunden, darunter zwei Motorräder, und die Sachen seiner Kinder und seiner Freundin.
Später fand er heraus, dass eines seiner thailändischen Konten geleert und sein Haus auf den Namen seiner Freundin übertragen wurde, die laut Dan eine Hypothek von 1,8 Millionen Baht aufgenommen hatte ohne dass er davon wusste. Das Haus steht jetzt für drei Millionen Baht zum Verkauf, sagte Dan.

Dan hat seine Kinder bei der thailändischen und britischen Polizei als vermisst gemeldet, und auch die britische Botschaft in Bangkok informiert.
Doch die Ermittlungen führten bislang ins Nirgendwo. Die britische Polizei sagte Dan, sie könne nicht viel machen, und die thailändische Polizei scheint kein großes Interesse an dem Fall zu haben.
Da die Polizei nicht hilft, befindet sich Dan in einer Sackgasse, die ihn zwingt, selbst nach seinen Kindern zu suchen.
Zurzeit befindet sich Dan wieder in Australien, wo er an einem Reha-Programm wegen seiner Hirnverletzungen teilnimmt. Dan versucht über soziale Medien in Erfahrung zu bringen, wo sich seine Kinder aufhalten.

Sein letzter Versuch, seine Freundin zu kontaktieren, schlug fehl. Die Familie, die in der Nähe von Ubon Ratchathani lebt, bestreitet, Nok und die Kinder gesehen zu haben oder zu wissen, wo sie sich aufhalten.
Dan sagte, dass ihm bis zu diesem Tag nicht gesagt wurde, ob jemand wegen des Angriffs auf ihn angeklagt wurde, aber viel wichtiger sei es, seine Kinder zu finden.
Dieser Artikel ist ein klassisches Beispiel für schlechte Recherche und auch ein Beispiel für das, was heutzutage als Journalismus durchgeht.

Die zweite Geschichte hört sich ganz anders an:
Dan betrank sich auf einer Party und fiel sturzbetrunken vom Balkon im ersten Obergeschoss. Bei dem Sturz kam er so unglücklich auf, dass er sich schwere Kopfverletzungen zuzog.
Seine Freundin Nok wich sechs Wochen lang nicht von seiner Seite. Als es ihm besser ging, verprügelte er seine Freundin. Sie packte daraufhin ihre Sachen und flüchtete mit ihren Kindern zu ihrer Familie, damit sie Dan nicht länger ertragen musste.
Dans verdrehte Version der Wahrheit lässt seine Freundin wie ein Monster dastehen. Es gab sicherlich einige finanzielle Probleme, aber er war keineswegs besser als sie. Er hat beinahe jede Brücke nach Australien abgebrochen, weil er log, stahl und medizinische Dokumente fälschte, sowohl in Thailand als auch in Australien.
Ein Zeuge befand sich bei der Party, als Dan vom Balkon fiel. Nok bat den Zeugen darum, Dan in ein Krankenhaus zu bringen.
Zwar geht es ihm körperlich besser, aber wegen des Sturzes auf den Kopf kann das von Dans mentaler Gesundheit nicht behauptet werden. Die Delle im Kopf ließ ein ständig getrübtes Erinnerungsvermögen an die Ereignisse zurück.
Sicherlich vermisst er seine Kinder, aber er ist überhaupt nicht fähig, sich um sie zu kümmern, und Dans jetziger Zustand würde nur dazu beitragen, die Kinder weiter zu traumatisieren.

Nok hat alles getan, um sich zu verstecken und spricht mit niemandem mehr, den sie in Phuket kennenlernte aus Angst, von Dan entdeckt zu werden.
Die ganze Situation könnte einem das Herz zerreißen.
Er war ein talentierter Tauchlehrer mit einer entzückenden Familie. Und an einem Abend mit zu viel Alkohol wurde alles ruiniert.

Die „Journalisten“ in dem englischsprachigen Thaiforum nahmen sich das wohl zu Herzen, denn es dauerte keine Stunde, und das gesamte Thema war komplett gelöscht.

Ähnliche Beiträge