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Zurück zu den Wurzel

Zurück zu den Wurzel

Wie verzweifelt ist das Militär, wenn es um die Wahlen geht? Armeechef General Apirat Kongsompong hat ein Lied aufs Tapet gebracht, das von „Nichtsnutzen“ und „undankbaren Verrätern“ handelt. Es gilt als das Propagandalied, das im Land den meisten Hass verbreitet (hat), schreibt Kolumnistin Atiya Achakulwisut.

Die Generäle haben sich selbst enttarnt. Das antikommunistische Lied Nak Phandin, (Wertlose Bürde für das Land) ist mit derartig hasserfüllter politischer Propaganda überladen, dass es eigentlich die Karriere von General Atiya versenken müsste.

Das wäre jedenfalls der Fall, wenn Thailand ein normales, demokratisches Land wäre und keine Militärdiktatur, in der an jeder Ecke ein neuer Militärputsch lauert.

Was war passiert? Die Phuea Thai Party hatte das Wahlversprechen abgegeben, nach einem Wahlsieg das Budget für den Verteidigungshaushalt um 20 Prozent zu kürzen. Die Future Forward Party beschwerte sich, dass es zu viele Generäle gäbe. Außerdem schlug sie vor, nach den Wahlen die Wehrpflicht abzuschaffen.

Da sah General Atiya nur noch rot und sagte, man solle sich doch bitte einmal das Propagandalied aus den 70er Jahren anhören.

Was ist so wichtig an der Begegnung mit der Vergangenheit? Oberflächlich hört sich Nak Phandin an wie ein patriotisches Lied. Im Text geht es um Leute, die auf ihr Land herabblicken, während sie von diesem profitieren, und daher für das Land eine „wertlose Bürde“ sind.

Wenn man sich mit dem Lied auseinandergesetzt hat, weiß man aber, dass es sich nicht um irgendein Lied handelt.

Die Geschichte von Nak Phandin hängt immer mit rechtsgerichteter Propaganda zusammen. Mit dem Lied wurde Hass gegenüber linken politischen Gruppierungen verbreitet, was letztendlich dazu führte, dass sich Aktivisten und Studenten 1973 gegen die Regierung auflehnten und Demokratie einforderten.
Aus Angst vor dem Kommunismus wurde das Lied in dieser turbulenten geschichtlichen Periode Thailands immer wieder gespielt. Das alles gipfelte in dem Massaker an Studenten in der Thammasat Universität am 6. Oktober 1976.

Seitdem gilt Nak Phandin als integraler Bestandteil rechtsgerichteter Kampagnen. Es ist ein Lied mit einer blutigen Vergangenheit. Jedes Wort des Textes steht für Spaltung, Extremismus und Gewalt.

Ist sich der Armeechef darüber bewusst, worum es in dem Lied wirklich geht? War sein Kommentar ein Hinweis oder eine Drohung? Was dachte er sich dabei? Niemand weiß es.

Die Tatsache, dass er der Meinung war, an dieses hasserfüllte Lied zu erinnern, das in der Vergangenheit ganz offensichtlich die Bürger gegeneinander aufgehetzt hat, dient dem jetzigen Klima vor den Wahlen und der Rückkehr zur Demokratie nicht.

Eine Wahl sollte ein Marktplatz der Ideen sein. Eine Wahl ist eine freie Arena für Leute, die sagen, was sie im besten Interesse des Landes und des Volkes vorhaben. Jeder hat eine Stimme, lautet das Prinzip, und wer das Vertrauen der Mehrheit gewinnt, kann sich als legitimer Repräsentant des Volkes ansehen und seine Politik machen.

Wenn die Politik gut ist, wird er wiedergewählt. Wenn die Politik schlecht ist, wird er bei den nächsten Wahlen abgewählt. Das klingt sehr einfach, aber in Thailand funktioniert das so nicht, weil die Opposition (und dazu zählt auch das Militär, wenn es nicht an der Regierung ist) immer so ungeduldig ist, dass es ihr entweder nicht möglich ist, eine Legislaturperiode abzuwarten bzw. ihr klar ist, dass sie bei Wahlen sowieso keine Chancen hat. Dann wird die Regierung mit anderen Mitteln vorzeitig gestürzt.

Die letzten legitimen Wahlen fanden vor acht Jahren statt. Das ist eine lange Zeit. Fast fünf Jahre lang hatten Thais keinen Zugang zur Demokratie. Doch wir sollten die demokratischen Prinzipien nie vergessen, schon gar nicht bei deren Rückkehr.

Das gilt insbesondere für die Männer in Grün, und dazu gehört auch der Armeechef, der merken sollte, dass der Militarismus erst einmal ein Ende hat.

Der Wille des Volkes muss respektiert werden. Falls nicht, dann gibt es keinen Grund für Wahlen.
Was ist falsch, wenn es Politiker gibt, die die Militärausgaben kürzen oder die Wehrpflicht abschaffen wollen? Was stimmt mit den Leuten nicht, die diese Politiker wählen wollen? Warum werden sie Verräter genannt oder als wertloser Bürde bezeichnet, was sie zudem noch entmenschlicht? Am Ende werden die Wahlen zeigen, wie sich das Volk entschieden hat. Das Schicksal der Politiker liegt demnach in den Händen der Wähler, nicht in denen des Armeechefs.

Es sei denn, es gibt einen Putsch, wenn aus Sicht der Militärs die falsche Partei gewinnt. Das ist in Thailand nichts Neues, ganz im Gegenteil. Die hasserfüllte Reaktion des Armeechefs gegenüber Parteien, die eine andere Ansicht haben als er, ist jedenfalls ein Zeichen dafür, wie sehr sich die Generäle vor dem Wahldatum fürchten.

Im Grunde treten bei dem Rennen um den Regierungssitz nur zwei Gruppierungen an. Die eine unterstützt das Militär, die andere ist gegen das Militär.
Machthaber gegen Liberale. Tradition gegen kritisches Denken. Die alte Schule gegen die Freiheit, das Unbekannte zu entdecken.
Diese Zweiteilung, man könnte das auch Spaltung nennen, ist ein Symptom der beiden unterschiedlichen Ideologien im Land. Merkwürdigerweise kommen die meisten Vorwürfe aber immer von den Machthabern, wenn es darum geht, eine der Parteien zu diskreditieren. Die eine habe das gemacht, die andere jenes. Dieser Politiker sei nicht loyal, jener Politiker unpatriotisch. Beweise werden meist nicht vorgelegt.

Der Armeechef hat mit seiner Reaktion auf den Vorschlag, das Militärbudget zu reduzieren, erneut einen emotionalen Ton angeschlagen. Die Wahrheit aber ist, dass dieses Propagandalied alles andere als melodisch ist.

Beitragsquelle : https://www.bangkokpost.com/opinion/opinion/1631306/army-chief-sings-out-hateful-blast-from-gory-past

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