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Zu viel Gutes

Zu viel Gutes

Ein „fake“ Schwimmender Markt soll auf einem Kanal hinter dem bekannten Bangkoker Markt Or Tor Kor (OTK) entstehen. Es steht zu befürchten, dass auch dieser sich in eine Reihe von Fehlplanungen in der Hauptstadt einreihen wird.

Der neue künstliche Schwimmende Markt ist auf dem Klong Bang Sue geplant, gleich hinter dem OTK-Markt im Viertel Chatuchak. Ein führender Mitarbeiter des Marktes hatte die Idee, einen Schwimmenden Markt zu bauen, der dann als Touristenmagnet wirken könnte. Der OTK-Markt wurde vom US-Nachrichtensender CNN als Thailands meist besuchtes Reiseziel bezeichnet. Man glaubt daher, dass Touristen auch einen Schwimmenden Markt sehen sollen, wenn sie OTK besuchen.

Die Idee ist gar nicht gut. Touristen besuchen den OTK-Markt, weil sie shoppen und Waren einkaufen möchten. Wenn sie wirklich einen Schwimmenden Markt sehen wollen, dann können sie doch zum berühmten Damnoen Saduak Floating Market fahren. Der Markt hat noch etwas Ursprüngliches weil er nicht künstlich geschaffen wurde, und hier sollten Touristen doch hinfahren, wenn sie einen Schwimmenden Markt sehen wollen?

Vielleicht sollte man sich vorher einmal darüber informieren, wie es zu den Schwimmenden Märkten in Thailand kam, wie sie entstanden. Gleichzeitig sollte man darüber nachdenken, dass künstliche Schwimmende Märkte das Potential haben, Schaden anzurichten.

Schwimmende Märkte und Flohmärkte sind so ziemlich dasselbe. Früher in den alten Zeiten, lebten Thais entlang von Flüssen und Kanälen. Unser Leben hing sehr stark vom Wasser ab. Wir nutzen Boote als Verkehrs- und Transportmittel, fingen Seafood in den Flüssen und Kanälen und lebten in Hütten am Wasser oder in Flößen auf den Gewässern.

Damals gab es zwei verschiedene Arten von Märkten. Der eine befand sich an Land, und zu bestimmten Uhrzeiten wurden hier Waren verkauft. Die Leute kamen mit dem Boot zum Markt, verkauften ihre Sachen und/oder kauften Waren, die sie benötigten.

Die Schwimmenden Märkte waren die zweite Art von Märkten im alten Thailand. Auch hier wurde ein bestimmter Tag und eine bestimmte Uhrzeit ausgemacht. Die Leute paddelten dann mit ihren Booten zum Markt auf dem Wasser und verkauften und kauften Waren.

Vor über 70 Jahren war der Wat Sai Floating Market in Klong Bang Khunthian der berühmteste. Er war der erste Schwimmende Markt, der Ausländern bekannt war. Der Schwimmende Markt konnte nur per Boot erreicht werden. In der Vergangenheit war Bang Khunthian voller Orchideen, geradezu ein Wasserwald. Entlang der Ufer wurden Häuser gebaut. Später änderte sich in der Gemeinde sehr viel. Die Leute änderten ihre Lebensart und hatten auch andere Berufe. Die Wasserwege wurden durch Straßen ersetzt, und das war dann das Ende des bekannten Wat Sai Floating Market.

Ein weiterer bekannter Schwimmender Markt befand sich in Samut Songkhram sowie ein anderer im Gebiet Damnoen Saduak in der Provinz Ratchaburi. Diese Gegenden waren die größten Landwirtschaftsgebiete Thailands, und hier wuchsen allerlei verschiedene Nutzpflanzen wie Chili, Pampelmusen, Kokosnüsse und weitere Arten von Obst und Gemüse.
Der Schwimmende Markt in Klong Amphawa in Samut Songkhram war einst eine Gemeinde, in der mit Hilfe von Booten Handel betrieben wurde. Während die Bürger von Amphawa Obst und Früchte verkauften, gab es dort auch Boote aus anderen Gegenden wie aus Phetchaburi. Diese Händler verkauften Salz, gepökelten Fisch und aus Mangroven hergestellte Holzkohle. Andere Händler verkauften von ihren Booten aus Reis, Handwerksarbeiten, Werkzeuge, Textilien oder Enten. Diese Boote sahen aus wie schwimmende Supermärkte. Von Booten aus wurden auch Nudeln, Curry oder Süßigkeiten verkauft.

Abgesehen vom Klong Amphawa Floating Market ist der Damnoen Saduak Floating Market in Ratchaburi sehr bekannt. Beide Orte sind bei thailändischen Reisenden sehr beliebt.

Wie und wann ein Schwimmender Markt gegründet wurde, hing von unterschiedlichen Faktoren ab. Jeder Markt durfte nur höchstens ein paar Kilometer vom Zuhause der Leute entfernt sein, damit die Anreise zum Markt keine Belastung darstellte. Die Planungsphase nahm einige Zeit in Anspruch. Normalerweise beginnt der Handel auf einem Schwimmenden Markt bei Sonnenaufgang und ist wegen der Mittagshitze gegen neun oder zehn Uhr vormittags bereits vorbei.

So jedenfalls funktionierten Schwimmende Märkte in der Vergangenheit. Geändert hat sich das, nachdem die thailändische Touristenbehörde TAT den Handel auf Schwimmenden Märkte aufs Wochenende verlegte, um mehr Leute dafür zu interessieren. Das stand aber im Widerspruch mit dem Zeitplan der Gemeinden. Die Schwimmenden Märkte Damnoen Saduak, Klong Amphawa and Tha Kha finden jetzt am Wochenende statt. Damnoen Saduak wurde auf drei Orte ausgedehnt, weil es auf dem ursprünglichen Markt zu voll wurde. Ein Dach wurde gebaut, damit hier jeden Tag den ganzen Tag Handel betrieben werden kann. All das wurde für den Tourismus gemacht.
Die Idee, Schwimmende Märkte ausschließlich für Touristen zu schaffen, wurde von Touristenstädten wie beispielsweise Sukhothai, Hua Hin oder Pattaya umgesetzt. Geschäftsleute investierten und bauten große Teiche, die sie in Schwimmende Märkte verwandelten. In Ayutthaya gibt es eine ganze Reihe solcher Orte. Selbst Elefantencamps wurden zu Schwimmenden Märkten umgebaut. Die Händler auf den Booten sind angewiesen, sich traditionell thailändisch zu kleiden und einen Farmerhut aufzusetzen. Fertig ist das Theaterspiel unter freiem Himmel für die touristischen Massen.

Das sind alles „fake“ Schwimmende Märkte, und wenn es zu viele von ihnen gibt, werden sie wieder verschwinden. Gebaut wurden sie schließlich von Geschäftsleuten, die mit ihnen Geld verdienen wollen. Wenn sie Geld verlieren, wird das Geschäft geschlossen.

Einst hat die Regierung einen Schwimmenden Markt vor dem Regierungssitz im Klong Prem Prachakorn gegründet. Dort entlang führt eine Fußgängerzone. Als diese sehr populär wurde, kamen einige Minister auf die Idee, aus dem Kanal nebenan einen Schwimmenden Markt zu machen. Es wurden Boote und Verkäufer herbeigeschafft. Die Verkäufer wussten nicht, wie man ein Boot steuert und drehten sich auf dem Kanal ständig im Kreis. Schon recht bald versank dieser Schwimmende Markt in den Kanalfluten.

Auf dem OTK-Markt soll der Schwimmende Markt auf dem Klong Bang Sue entstehen. So wie es aussieht, wird dieser Schwimmende Markt so organisiert werden, wie alle anderen. Es werden Boote herbeigeschafft und Händler paddeln herum. Am Rand des Kanals entstehen Fußwege, damit Touristen dort herumgehen und von den Händlern auf den Booten Waren kaufen können.

Es bleibt abzuwarten, wie das weitergeht. Vielleicht wird CNN ja noch einmal Werbung für den OTK-Markt machen, diesmal inklusive des dann neu gebauten Schwimmenden Marktes.

Beitragsquelle : https://www.bangkokpost.com/travel/in-thailand/1595006/too-much-of-a-good-thing

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