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Zehn Minuten in der Bank

Zehn Minuten in der Bank

Auf in die Bank. Zur Bangkok Bank, der größten thailändischen Bank, die auch immer für Auslandsüberweisungen zuständig ist, früher war das jedenfalls so. Da hatte ich ein Konto eröffnet, weil ich meinte, die wissen sicher, wozu ein Computer da ist.

Ich begab mich also an den Schalter und fragte nach einer Überweisung auf mein Konto. Auf diesem waren knapp 3.000 Baht eingegangen, und ich wusste nicht, wer mich mit dieser Summe beglückt hatte. Ich freute mich, klar, aber von wem das Geld kam, das interessierte mich schon.

Die Dame am Schalter tippte auf ihrem Computer herum und sagte nach zehn Sekunden, dass der Betrag von XY stamme.

Nein, natürlich sagte sie das nicht, sonst würde ich diese Geschichte nicht erzählen. Sie sagte, sie wisse es nicht und müsste erst einmal einen Kollegen konsultieren. Sie besprach sich mit einem Herrn. Das dauerte geraume Zeit.

Dann kehrte sie zurück und meinte, sie müsse erst einmal telefonieren. Sie rief die Hotline der Bank an, von der ich meinte, dass die nur für Bankkunden da ist? Da muss man die fünf drücken, wenn man total bekloppt ist, und die vier ist für weniger Bekloppte reserviert. Bekloppt oder nicht, warten muss man auf jeden Fall, auch die so bemühte Bankangestellte.

Nach zehn Minuten oder so erreichte sie jemanden. Der konnte ihr nur insoweit helfen, als dass sie eine Telefonnummer bekam, die sie im Anschluss anrief. Wieder vergingen zehn Minuten. Dann gab sie mir den Hörer. Am anderen Ende der Leitung fragte mich jemand, wer ich sei und was ich überhaupt wolle. Zu dieser Zeit war ich schon auf 175, die 180 noch nicht ganz erreicht. Ich war jetzt schon eine halbe Stunde in der Bangkok Bank, die ich spontan in Bekloppten-Bank umtaufte.

Ich gab der bemühten Dame das Telefon zurück ohne auch nur ein Wort gesagt zu haben. Wieder sprach sie mehrere Minuten mit dem Gegenüber. Dann legte sie auf und sagte, wir würden jetzt auf ein Fax warten.

Fax? War das nicht 20. Jahrhundert? Wie lange das dauere? Zehn Minuten. Ich solle mich setzen und warten.

Ich setzte mich und wartete.
Nach mehr als zehn Minuten fragte ich, was denn nun sei. Der Herr, mit dem sich die Bemüh-Dame beraten hatte, schlug vor, dass ich an einem anderen Tag wiederkomme, vielleicht am nächsten?

Jetzt war ich auf 179. Ich sagte, zehn Minuten dauern nicht die ganze Nacht. Die Bemüh-Dame meldete sich zu Wort und meinte, es dauere nicht mehr lange, vielleicht nur noch zehn Minuten.

Ich stand kurz vor dem Nervenzusammenbruch, als ich an den Schalter gerufen wurde. Dort erhielt ich tatsächlich das Fax mit den Daten.

Die Bemüh-Dame sagte, das habe so lange gedauert, weil jemand im Archiv den Überweisungsbeleg heraussuchen musste. Was? Bei einer Überweisung, die erst rund eine Woche zuvor angewiesen wurde? Da müssen die im Keller der Zentrale in der Silom Rod in verstaubten Kisten rumkramen?
So viel zum Computer- und Internetzeitalter in Thailand.

Kerstin Ostwald, Pattaya

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