Header Banner
Header Banner
Header Banner
Header Banner

Wundervolles Indonesien! Oder auch nicht?

Wundervolles Indonesien! Oder auch nicht?

Millionen von Fernsehzuschauern in unzähligen Ländern sehen oft die Werbung des indonesischen Fremdenverkehrsamtes und werden ermuntert, ins „Wundervolle Indonesien“ zu kommen. Das Land hat in der Tat einige außergewöhnliche Sehenswürdigkeiten zu bieten. Antike Orte, Naturwunder, tolle Strände, Wildtiere sowie lokale Kunst und Kultur. Die Hotels sind inzwischen auch auf einem internationalen Standard, die Züge sind zwar langsam, aber komfortabel, zumindest auf Java, und man kann Indonesien gut mit dem Flugzeug erreichen.

Doch eines ist auffällig, wenn man als Tourist mehr will als am Strand zu liegen, auf Vulkane zu steigen oder einfach die Landschaft zu genießen: bei den historischen Stätten scheint überhaupt kein Stolz seitens der Einheimischen vorhanden zu sein.
Die 1.200 Jahre alten Tempelanlagen Burobudur (Buddhismus) und Prambanan (Hinduismus) in der Nähe von Yogyakarta sind Weltkulturerbe, und sie können einfach nur als wundervoll bezeichnet werden. Doch wenn man sie besucht, findet man heraus, dass es hier überhaupt keine Erklärungen gibt, was die Anlagen betrifft und wie bedeutsam sie waren. Es gibt keine Reiseführer, weder auf Bahasa, geschweige denn auf Englisch, Chinesisch oder Japanisch.
Wenn Besucher mehr wollen als die Tempel sehen und sich selbst vor diesen zu fotografieren, müssen sie entweder einen Reiseführer kaufen bevor sie ankommen oder einen Reiseleiter vor Ort buchen, der einige Erklärungen über Geschichte und Symbolismus parat hat.
Diese Reiseleiter sprechen mehrere Sprachen, billig sind sie aber nicht. Außerdem scheint ihr Wissen eingeschränkt zu sein, sie können bestenfalls einen Überblick geben.

In Borobudur gibt es in der Nähe ein kleines Museum, freudlos bestückt und schlecht ausgeschildert. Das Fehlen von Informationen bedeutet auch, dass nur wenige Besucher ins Museum kommen, in dem eine Replik des Schiffs steht, das nach Vorlage eines Borobudur-Reliefs 2003 nachgebaut und von Jakarta über die Seychellen nach Madagaskar, Kapstadt und Accra in Ghana segelte. Das Schiff, das nur mit traditionellen Materialien hergestellt und gebaut wurde, war der Beweis dafür, dass die Indonesier damals nach Madagaskar segelten, sich dort niederließen und mit Afrika und dem Nahen Osten eifrigen Handel betrieben – und das schon seit dem ersten Jahrtausend.

Es gibt ein Buch über diese Expedition, verlegt von der Lontar Foundation, aber im Museum ist kein Exemplar mehr zu haben. Das zu einer Zeit, in der Präsident Joko Widodo den Fokus auf vergleichsweise wichtige maritime Themen richtet. Indonesien sollte viel mehr Aufheben darum machen, was es alles erreicht hat, so wie China stolz ist auf die Reisen von Zhen He, die allerdings tausend Jahre später stattfanden.
Vielleicht ist das moderne Indonesien derartig stark damit beschäftigt, islamisch zu sein, dass es vergisst, dass seine Geschichte in eine Zeit vor dem Islam zurückreicht.
Auch was die Moscheen betrifft, scheint es hier jedoch keinen Stolz zu geben. Die ersten Moscheen Javas entstanden im Norden der Insel, in den Städten Demak, Kudus und Jepara. Handelsstädte mit einer Mischung aus Einflüssen aus Hinduismus, China und Persien. Die Moscheen sind in sehr unterschiedlichen Stilen gebaut, und es wird auf faszinierende Weise deutlich, wie der Islam mit dem Handel nach Indonesien kam. Aber wenn man vor Ort Informationen hierüber sucht, dann ebenfalls vergeblich.

Das gilt dann natürlich auch für wissbegierige Touristen, die von Yogya oder Semarang aus eine langsame, aber unglaublich schöne gewundene Straße durch Bergterrassen nehmen, die zu Wolken verhangenen Hindu-Tempeln des siebten Jahrhunderts führt. Hier, auf dem 2.000 Meter hohen Plateau Dieng in Zentraljava, gibt es Vulkangestein und Schwefelseen. Dieser „Wohnsitz der Götter“ war einst Heimat von Dutzenden Tempeln, von denen es nur noch wenige gibt. Hier befand sich früher das geistige Zentrum der Sanjaya-Dynastie.
Wie in Thailand dürfen ausländische Besucher hier mehr Eintritt bezahlen als Einheimische. Die Touristen sollten aber nicht vergessen, ihren eigenen Reiseführer mitzunehmen, in dem Geschichte und Signifikanz dieses Ortes erklärt wird.

Jakarta mit dem Verkehr, der schlechten Luft und dem Mangel an historischen Gebäuden kann nicht ganz oben auf der Liste mit Sehenswürdigkeiten der Touristen stehen. Die Ausnahme sollte das Nationalmuseum bilden, das gegenüber dem National Monument am Merdeka Square steht. Hier sollte der richtige Ort sein, um Interessierten Indonesiens Kultur und Geschichte näher zu bringen.
Doch die Ausstellungsstücke sind merkwürdig organisiert und werden schlecht präsentiert. Auf einigen wichtigen Stücken fehlen Beschreibungen oder sie sind nur auf Bahasa. Ein Teil des Museums mit großen Statuen ist wegen Renovierung geschlossen. Vielleicht ist bald das gesamte Museum wegen Renovierung geschlossen. Da wäre einiges zu tun. Zum Beispiel die Bereitstellung von Reiseführern in mehreren Sprachen, was in wichtigen Museen der Welt die Norm ist.

Nach alledem muss ein Besucher nach ein paar Tagen Studienreise den Eindruck gewinnen, dass etwas mehr Stolz der verantwortlichen Behörden in Indonesien auf ihre Nation dazu führen würde, dass die Touristen mehr beeindruckt wären. Das offensichtliche Desinteresse der Behörden im Umgang mit der Geschichte Indonesiens und den Errungenschaften der Indonesier früherer Zeiten steht im krassen Widerspruch der Lontar Foundation, die als Privatstiftung versucht, indonesische Geschichte populär zu machen und alte Schriften und Kultur zu konservieren.

Beitragsquelle : http://www.asiasentinel.com/society/wonderful-indonesia-tourism/?utm_content=buffer86521&utm_medium=social&utm_source=twitter.com&utm_campaign=buffer

Ähnliche Beiträge