Header Banner
Header Banner
Header Banner
Header Banner

Wie Rohingya-Mädchen verkauft werden

Wie Rohingya-Mädchen verkauft werden

Das schmächtige Mädchen mit einen türkisfarbenen Kopftuch hielt ihre Tränen zurück, als sie sich erinnerte, was mit ihr geschah, als sie vor der Gewalt gegen Rohingya im burmesischen Rakhine nach Malaysia floh. Mit nur zwölf Jahren wurde sie dazu gezwungen, einen Mann zu heiraten, den sie nicht kannte und der über zehn Jahre älter als sie war.

Die heute 13-Jährige konnte wie hunderte andere Rohingya-Mädchen Gewalt, Unterdrückung und apartheidähnlichen Bedingungen durch burmesische Soldaten zwar entkommen, wurde aber zur Heirat mit einem Rohingya-Mann im benachbarten Malaysia gezwungen.
Auf der Flucht nach Malaysia wurde sie von ihrer Familie getrennt. Sie sagte, sie sei von Schleusern aufgegriffen und wochenlang mit Dutzenden anderen in einem schmutzigen und brutalen Dschungelcamp in der Nähe der thailändisch-malaysischen Grenze festgehalten worden. Ihre Häscher sagten ihr, ein Rohingya-Mann sei bereit, ihr die Freiheit zu schenken – sofern sie in eine Ehe mit ihm einwillige.

Der Schleuser hat gesagt, ich wäre an einen Mann verkauft worden, und ich habe gefragt, wie sie das nur tun könnten …? Ich war wie am Boden zerstört, und ich habe Angst gehabt“, berichtete das Mädchen bei einem Interview in Kuala Lumpur.
Einige Einzelheiten ihrer Geschichte konnten nicht von unabhängigen Quellen verifiziert werden, aber ihre Mutter bestätigte, die Tochter sei wochenlang in dem Camp festgehalten worden, bevor man sie freiließ.
Das Schicksal des Mädchens ist nur eines von vielen Rohingya, einer moslemischen Volksgruppe, die in Burma eine Minderheit sind. Sie werden von der burmesischen Regierung als illegale Migranten aus Bangladesch angesehen und haben keine Rechte.

Seit 2012 werden die Rohingya-Gemeinden mit Gewalt konfrontiert. Entweder durch burmesische Buddhisten oder durch die burmesische Armee. Hunderte Rohingya starben, Zehntausende Flohen in Länder wie Malaysia, Thailand, Indonesien und Bangladesch. Anfang Februar erreichte das Vorgehen der burmesischen Armee gegen die Rohingya einen neuen Höhepunkt. Laut Uno-Berichten kam es zu Massentötungen und Vergewaltigungen. Wie im Krieg wurden die Dörfer der Bewohner im nördlich gelegenen Rakhine angezündet.

Kritik an Malaysia

Es kommt häufig vor, dass Rohingya-Frauen aus Burma entkommen, indem sie Rohingya-Männer in dem Land heiraten, in das sie geflohen sind. Normalerweise werden die Ehen durch die Familien arrangiert. Einige dieser Ehen werden auch von minderjährigen Mädchen geschlossen.
Doch eine wachsende Anzahl werden Opfer von Schleusern, die Frauen und Mädchen als Bräute an Rohingya-Männer verkaufen.
Matthew Smith von der Menschenrechtsorganisation Fortify Rights, die sich um Flüchtlinge und Migranten kümmert, sagte, die Organisation habe einen „signifikanten“ Anstieg in der Anzahl von Kindsbräuten bemerkt, nachdem die Gewalt in Rakhine anstieg.

Es gibt keine offiziellen Statistiken darüber, wie viele Mädchen in Ehen verkauft wurden. 2015 berichtete die UNHCR, dass man 120 Rohingya-Kinder identifiziert habe, die in Malaysia geheiratet haben. Es sei aber unklar, wie viele Opfer von Menschenhandel würden.
Malaysias Premierminister Najib Razak hat sich in den letzten Monaten deutlich gegen die Gewalt in Burma ausgesprochen, die dort in Rakhine gegenüber den Rohingya verübt wird.

Doch Menschenrechtsgruppen in Malaysia, das die UN-Flüchtlingskonvention genauso wenig wie Thailand unterzeichnet hat, sind der Meinung, dass sich Malaysia mitschuldig macht, weil Rohingya missbraucht werden. Da Malaysia keine Flüchtlinge anerkennt, werden Asylsuchende als illegale Migranten angesehen, die keiner Beschäftigung nachgehen können und keinen Zugang zum Gesundheits- und Bildungssystem haben. Sie leben in Armut, arbeiten illegal in Restaurants und auf dem Bau.
Die malaysische Regierung hat ein Projekt begonnen, das 300 Rohingya eine Anstellung ermöglicht. Ein Schritt, der von Menschenrechtsorganisationen begrüßt wird.
Auf Fragen zu dem Thema wollte die malaysische Regierung keine Stellung nehmen.

Kinderehen erlaubt

Kinderehen werden in dem vom Islam dominierten Malaysia toleriert. Laut islamischem Recht können Mädchen unter 16 Jahren mit der Erlaubnis eines Scharia-Gerichts heiraten. Allerdings sind bei den Hochzeiten zwischen Rohingya in Malaysia keine Gerichte involviert. Rohingya-Imame schließen diese Ehen und stellen eine Heiratsurkunde aus. Es gibt allerdings keinen Hinweis, dass diese Dokumente nach malaysischem Gesetz Gültigkeit haben.
Das Mädchen, das verheiratet wurde, wurde nach Kuantan an Malaysias Ostküste gebracht, wo sie schnell merkte, dass ihr Ehemann sie kontrollierte und ausnutzte. Er beschlagnahmte ihr Handy und erlaubte seiner Familie nicht, seine Frau zu sehen. Sie war im Haus tagelang allein.
Acht Monate nach der Eheschließung konnte sie Kontakt mit ihren Eltern und vier jüngeren Geschwistern aufnehmen, und sie wurde von ihrem Vater befreit, der nach Kuantan gereist war.
Der Ehemann des Mädchens stand für eine Stellungnahme nicht zur Verfügung.

Sie lebt jetzt mit ihrer Familie in einer Hütte in einem kleinen Dorf in der Nähe von Kuala Lumpur. Zwar fühlt sie sich jetzt sicher, aber sie sagte, sie habe Angst, dass sie womöglich zu ihrem Ehemann zurück müsse, der sich weigere, in die Scheidung einzuwilligen.
Sharifah Shakirah selbst eine Flüchtlingsfrau und Gründerin des Netzwerkes Rohingya Women Development, sagte, Rohingya hätten in Malaysia keinen legalen Status, und ihre Ehen würden nicht anerkannt. Das könnte es für Polizei und Justiz schwieriger machen, im Falle häuslichen Missbrauchs einzugreifen, selbst dann, wenn es um Kinder gehe.
Rechtsanwälte und Polizei um Hilfe zu bitten ist nicht einfach, denn Rohingya haben keinen legalen Status. Selbst wenn über Fälle von Kinderehen berichtet wird, dann unternimmt die Polizei nichts“, sagte Shakirah, die Rohingya-Frauen berät und sie unterstützt.

In Würde leben

Laut UN-Statistiken leben etwa 56.000 Rohingya in Malaysia, auch wenn Migrantengruppen sagen, dass die Zahl wesentlich höher sei, weil viele Rohingya keine Dokumente besitzen. Die Gemeinschaft lebt hauptsächlich in ärmlichen Außenbezirken Kuala Lumpurs.
In dieser kleinen, an den Rand gedrängten Gemeinde eine Partnerin zu finden und eine Familie zu haben, ist für Männer ein Aufstieg auf der sozialen Stufe, sagten interviewte Rohingya-Männer.
Da es nicht genügen Rohingya-Frauen in Malaysia gibt, besteht eine Nachfrage nach Bräuten, während einige Familien Ehen als einen Weg ansehen, die finanzielle Last zu lindern, sagte Belal Hossain Shamia, ein 32 Jahre alter Rohingya, der mit drei Kindern in Kuala Lumpur lebt. Seine Schwester war eine Kindsbraut.

Ein ehemaliger Schleuser, ebenfalls Rohingya, mit dem Namen Ali, sagte, dass die Nachfrage nach Kindsbräuten weiter anwächst. Schmugglersyndikate erhalten umgerechnet bis zu 55.000 Baht für ein Mädchen, das sie entweder der Familie zurückgeben oder an einen Mann verkaufen.
Ali war Wachmann in einem der berüchtigten Dschungelcamps an der thai-malaysischen Grenze. Er sagte Frauen und Mädchen, die alleine reisen oder deren Familien nicht für ihre Freilassung zahlen können, werden verkauft.
Da waren Mädchen, die etwa 15 oder 16 waren. Die hatten keine Wahl“, sagte er.

Yasmin Zokir Ahmad, 18, erinnerte sich daran, wie ihr Ehemann, ein Rohingya, der als Gärtner in Kuala Lumpur arbeitet, einen Schleuser bezahlte, um sie vor zwei Jahren heiraten zu können.
Nachdem sie eine neunmonatige Horrorreise nach Malaysia hinter sich hatte. Sie war mit einem Boot geflüchtet und lange Zeit in einem thailändischen Dschungelcamp festgehalten worden. Häufig durfte sie nichts essen oder trinken.
Ich hatte keine Wahl. Ich musste ihn heiraten, denn ich brauchte seine Unterstützung und seinen Schutz, und ich wollte ein Leben in Würde führen“, sagte Yasmin.
Ihr Ehemann wollte sich nicht äußern.

Beitragsquelle : http://www.thaivisa.com/forum/topic/968924-sold-into-marriage-how-rohingya-girls-become-child-brides-in-malaysia/

Ähnliche Beiträge