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Von Hauptplatinenund Festplatten

Von Hauptplatinenund Festplatten

Guten Morgen, liebe Sonne! Aufstehen, Kaffee und anschließend frisch ans Werk. Vor dem Duschen die Butter aus dem Kühlschrank nehmen, damit sie nicht so hart ist, wenn man sie auf den gerösteten Toast streicht. Dann auch schon den Laptop anschalten, damit er gleich bereit ist, wenn alles fertig ist.

Aber der Bildschirm bleibt diesmal schwarz.

Nun gut, da habe ich wohl den Einschaltknopf nicht richtig gedrückt. So etwas kann passieren, alle 100 Jahre einmal. Also noch mal gedrückt. Und noch mal und noch mal. Das Elektronengehirn macht keinen Mucks.

Das kenn ich alles schon. Laptops finde ich ungemein praktisch, weil sie kaum Platz wegnehmen und man sie gut transportieren kann, wenn man einmal an einem anderen Ort seinen Computer braucht. Daher habe ich nur Laptops.
Der hier, um den es geht, hat mit seinen vier Lenzen das Alter von Methusalem noch nicht erreicht. Den kaufte ich mir, um meinen damaligen Laptop, der inzwischen schon acht Jahre alt ist, von der schweren täglichen Arbeit abzulösen. Der alte Laptop funktioniert. Und der davor, der so um die zwölf Jahre alt sein dürfte, geht ebenfalls noch.

Wenn es also was zu schreiben gibt, dann werde ich eher nicht in die Verlegenheit geraten, mit der Hand schreiben zu müssen. Irgendein kleines Maschinchen wird immer funktionieren. Haben Sie kürzlich mal versucht, etwas mit der Hand zu schreiben? Also für mich ist das total ungewohnt. Ich habe mir fast das Handgelenk dabei gebrochen.

Wie dem auch sei. Was mache ich mit meinem Elektronengehirn, das so gar nicht funktionieren will? Akku herausnehmen. Der könnte den Betrieb blockieren. Eine typische Schwachstelle bei Laptops. Sobald die Akkuleistung nachlässt, gibt es mitunter Ärger.

Bei meinem anderen Notebook gibt es eine Vertiefung, wie geschaffen für einen Fingernagel. Hier aber nicht. Meine Güte, ich bin sogar zu dämlich, einen Akku aus dem Laptop zu bekommen. Gehe ich also zu einem Kumpel – und hier der Beweis, wie gut es ist, mit dem Computer mobil unterwegs sein zu können –, der immer damit angegeben hat, der große Computerfachmann zu sein und die Dinger reparieren zu können – ob Soft- oder Hardware. Da stand er da wie der Ochs vorm neuen Tor, und der Herr „Fachmann“ wusste nicht, wie man den Akku aus dem Laptop bekommt. Da staunte sogar der Laie.

Auf in einen Computerladen. Ein recht fülliger Herr sitzt hinter einem Schalter und betrachtet sich die vor ihm ausgebreitete Bescherung in Gestalt eines nicht funktionierenden Laptops und eines Netzteils. Er drückt einmal auf „An“. Als sich nichts rührt, sagt er: „Motherboard broken.“ Und wiederholt auf Deutsch: „Kaputt!“

Kaputt ist ein deutsches Wort, das Eingang in allerlei andere Sprachen gefunden hat. Warum gerade „kaputt“. Warum nicht etwas Schöneres wie z.B. „Liebe“? Aber Amore ist wohl nur Italienern oder Spaniern vorbehalten.

Der Herr dreht den Computer um. Da ist eine kleine Öffnung mit einem Riegel. Er schiebt an dem Riegel und hat den Akku in der Hand. So einfach geht das. Der Laptop geht trotzdem nicht. Ist also was Ernstes.

Ob er denn die Daten retten kann? Das wisse er nicht, sagte er und meinte, die Motherboard-Reparatur koste 2.500 bis 3.500 Baht und dauere etwa eine Woche.

Wegen der kaputten Hauptplatine wird die nächste Kolumne jedenfalls nicht auf diesem Laptop hier geschrieben werden, denke ich und überlege gleichzeitig, wann ich die letzte Datensicherung gemacht habe. Erst vor ein paar Tagen.

Wenn es einem einmal die Festplatte zerfetzt hat, macht man regelmäßig Datensicherungen. Und wenn es einem eine externe Festplatte zerfetzt hat, macht man die Datensicherung doppelt auf zwei verschiedenen externen Festplatten. Paranoid? Aber alle Daten sind dreifach da. Selbst wenn Computer und ein externes Laufwerk gleichzeitig kaputt gehen, sind die Daten trotzdem nicht verloren. Klingt das überzeugend?

Ein Kumpel, der sich bislang noch nie als Hardware-Mann geoutet hat, kommt vorbei. Er baut aus dem nicht mehr ganz so neuen Laptop die Festplatte aus und baut sie in den wirklich nicht mehr neuen Laptop ein. Anschalten, und plötzlich habe ich auf dem alten Computer alles, was kurz zuvor auf dem kaputten Laptop gewesen ist.

Alle Daten sind da! Und ich kann den alten Computer so nutzen wie den neuen.

Mein Kumpel nahm das nicht funktionierende Gerät mit, um sich das einmal näher anzusehen. Außerdem findet er meinen alten Laptop viel besser als meinen neuen und meint, ich solle meinen alten zum neuen Hauptcomputer machen und den anderen, wenn man den reparieren kann, zum Ersatzcomputer.

Die zweite Expertenmeinung lautete: „Motherboard broken.“ Das könne repariert werden.

Und so kommt diese Geschichte am Abend doch noch zu einem glücklichen Ende. Mehr oder weniger, jedenfalls. Guten Abend, liebe Sonne!

Euer

Walter Weiß

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